Hintergrundberichte zu neuen DVD-Editionen und -Sammelboxen
Hallodris, Gauner, Meisterdiebe
US-Serien sind im deutschen Fernsehen nicht mehr zwingend Selbstläufer. Schon lange nicht mehr. Manchmal sind die Storys zu weit weg vom deutschen Publikum, manchmal fehlt ein starker Charakterkopf wie "Dr. House". Schräge Typen ziehen ... und tummeln sich auch in einigen DVD-Veröffentlichungen von TV-Serien und -Mehrteilern. Kaltgestellte Agenten, esoterische Cops mit Maserati, Meisterdiebe, unorthodoxe Lehrer, Zauberer, Vampire, Serienkiller - nicht alle haben es zu einer Fernsehausstrahlung gebracht, manche wurden von den Zuschauern (zu Unrecht) kaum beachtet, andere sind Schatten aus der Vergangenheit. Sie alle treffen sich nun im Heimkino. Ein Glück.
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Da ist zum Beispiel der Spion Michael Westen (Jeffrey Donovan). Oder besser: Ex-Spion. Der smarte Typ wurde als Agent kaltgestellt, zwei seltsame Typen beschatten ihn, seine Ex-Freundin stellt ihm nach und, noch schlimmer: Seine Mutter ist irgendwie wieder an seine Telefonnummer gekommen. Welcome to Miami: Willkommen in der wunderbaren Welt von "Burn Notice". Die erste Staffel der US-Serie - sie läuft hierzulande bei vox - ist auf vier DVDs erhältlich, samt spannender Geschichten, wunderbar bekloppter Charakter, spritziger Dialoge und heißer Kulisse.
Heiß, spritzig, bekloppt - das trifft auch auf "Life" zu, ebenfalls ein US-Import, ebenfalls bei vox ausgestrahlt. Schauplatz ist Los Angeles: ewiger Sommer, ewiges Verbrechen, ewige Verkehrsstaus, ewig geile Typen. Ganz vorne dabei sind der smarte Cop Charlie Crews (Damian Lewis) und seine Kollegin Dani Reese (Sarah Shahi). Er frisch aus dem Knast (wo er natürlich unschuldig saß) und ziemlich esoterisch drauf, aber die Taschen voller Geld (seine Lieblingsspielzeuge heißen Maserati und Bentley); sie offenbar schwer beziehungsgestört, aber kurzen sexuellen Abenteuern keinesfalls abgeneigt. Sie jagen Verbrecher und bringen Licht in ihre nebulöse Vergangenheit - die erste Staffel mit elf Folgen ist als 3-DVD-Box zu haben.
Etwas, nein sehr viel düsterer geht es in der kanadischen Produktion "Fear Itself" zu. Zwei Boxen mit jeweils vier DVDs enthalten acht schaurige Geschichten (auch einzeln erhältlich) verschiedener Regisseure, die nicht im deutschen Fernsehen gezeigt wurden. In knackigen 40-Minütern geht es um Vampirismus, Kannibalen, Körpertausch und mordlustige Nachbarn. Das ist so makaber wie beängstigend: Im Grunde geht es immer um die Schrecken, die in den Abgründen unserer Seelen lauern.
Heißes Pflaster Klassenzimmer: Waren die Streiche der "Lümmel von der ersten Bank" noch vergleichsweise harmlos, so hätte manch ein Pädagoge heutzutage eine Gefahrenzulage verdient. Oder Schmerzensgeld für das zermürbende Unterrichten konsequenter Bildungs-Verweigerer. Ob nun Schwarzmalerei oder weit verbreitete traurige Realität - dieses düstere Bild vom Schulalltag herrscht jedenfalls in den Medien vor. Die fantastische, achtteilige RTL-Serie "Der Lehrer" gewinnt der Misere komische Seiten ab. Der Serienpädagoge (Hendrik Duryn) soll an einer Gesamtschule eine Klasse voller Chaoten übernehmen, den berüchtigten G-Kurs, den alle anderen Lehrer bereits abgeschrieben haben. Das wirklich Schöne an der RTL-Comedy, sie erscheint als Einzel-DVD, ist aber, dass nicht nur die Schüler ihr Fett wegkriegen. Die Lehrer sind genauso bekloppt, nur eben auf ihre Weise.
Apropos bekloppt: Das sind auch die vier Protagonisten in "Bube, Dame, König, GrAs". Liebenswert sind die Londoner Möchtegern-Gangster trotzdem. Das war schon in Guy Ritchies (ab 28. Januar 2010 ist sein "Sherlock Holmes" im Kino zu sehen) Kinokomödie aus dem Jahr 1998 so. Eine TV-Adaption entstand zwei Jahre später, wurde aber erst im Herbst 2009 auf dem Spartenkanal RTL Crime ausgestrahlt. Nun sind die sieben Episoden, Ritchie wirkte als Produzent und Drehbuchautor mit, auf Doppel-DVD erhältlich - herrlich spritzige Gaunergeschichten, mit angemessener Härte inszeniert, aber niemals ohne den bitteren Humor, den man in der Unterwelt zum Überleben braucht.
Hallodris und Gauner gibt es auch auf der anderen Seite des Kanals: In Frankreich entstanden zwischen 1905 und 1935 20 Romane und Kurzgeschichten über den eleganten Meisterdieb und Herzensbrecher "Arsène Lupin", die von 1971 bis 1974 in einer 26-teiligen Serie für das Fernsehen verfilmt wurden. Die erste Staffel ist mit 13 Episoden auf vier DVDs erhältlich - ein charmantes Serienjuwel mit schönen Frauen, spektakulären Diebeszügen und Humor und Nervenkitzel.
Ein ebenso großes Spektakel ist der TV-Mehrteiler "Romantische Abenteuer auf Schloss Bois-Doré", ebenfalls eine französische Produktion. Der Fünfteiler entstand 1979 und erzählt als aufwendiges Historienspektakel vom Krieg zwischen Katholiken und Hugenotten im frühen 17. Jahrhundert. Historische Genauigkeit sollte man von der 4-DVD-Box nicht erwarten, dafür gibt's Abenteuer und faszinierende Intrigen sowie Frankreichs Lieblingsbösewicht (und wichtigen Staatsmann!) Kardinal Richelieu.
Der hätte sich garantiert auch mit Englands berühmtestem Zauberer - nein, es ist nicht Harry Potter - angelegt. Aber Merlin, der Ausbilder des legendären Königs Artus, wurde 2008 für die Potter-Generation verjüngt: "Merlin - Die neuen Abenteuer" lief 13 Episoden lang bei RTL im Nachmittagsprogramm. In der britischen Produktion, auf drei DVDs erschienen, dreht sich alles um die Jugendjahre des tapferen Super-Zauberers (Colin Morgan), der seine Kräfte geheimhalten muss, und seinen hier etwa gleichaltrigen verwöhnten Herren Arthur (Bradley James). Der Hof von Camelot dient dabei als eindrucksvolle Kulisse, genau genommen hätten die mittelalterlichen Teenies aber auch auf irgendeinem modernen Schulhof aufeinandertreffen können. Merlin ist der sympathische Sonderling, den man sofort ins Herz schließt, Arthur der mobbende King auf dem Campus - noch.