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Kabale und Liebe

Kabale und Liebe

(tsch) Was wurde nicht alles unternommen, um Schiller rechtzeitig zum 200. Todestag (9. Mai 1805) mal wieder unters Volk zu bringen. Lesungen die ganze Nacht, Schiller-Biopic mit ARD-Programmdirektor Struves Beigesang: "Wir wollen Schiller gerecht werden in Pflicht und Neigung." Dokumente, Diskussionen. - Der Film- und Theaterregisseur Leander Haußmann, frech und selbstbewusst, hält glücklicherweise von so hehrem Bildungsdrang nicht viel. Genau der Richtige ist dieser Spaßmacher, um im Jubiläumsjahr doch noch Schillers bürgerliches Trauerspiel "Kabale und Liebe" zu stemmen. Mit viel Schmackes und hart am Rande der Komödie, wie es sich gehört. Ein Star-Ensemble wurde für die an Original-Schauplätzen gedrehte Großproduktion aufgeboten. Neben der Entdeckung Paula Kalenberg (Luise Miller) spielen August Diehl (Ferdinand), Götz George, Katharina Thalbach und Katja Flint in dieser deutsch-österreichischen Koproduktion.

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Behende fensterlt Ferdinand, der Präsidentensohn, bei seiner Luise. Hängt grienend draußen an der Wand, während ihm der gestrenge Vater Miller, der Musikus (Ignaz Kirchner) drinnen ahnungslos den Rücken zudreht. Nur Frau Miller (Katharina Thalbach) weiß wohl schon ein wenig mehr. Wäre doch hübsch, wenn die Kinderlein über alle Standesunterschiede hinweg zusammenfinden würden!

Regisseur Leander Haußmann hat seinen Schiller mithilfe des Drehbuchautors Boris Naujoks von allen Sprachzöpfen befreit. Das mag nun mancher bedauern, aber es bringt Drive. Auch das "Bühnenbild", für das der Einrichter Lothar Holler lauter "echte", leicht abstrahierte Räume und farbkräftige Einrichtungen fand, verhilft zum gänzlich unantiquierten Look.

Die Mitte des Ganzen, eine haltlose, wunderbar naive "Räuberin", bis zum Scheitel von Freiheitsliebe erfüllt, aber ist die 18 Jahre junge Schauspielerin Paula Kalenberg. Ein Unschuldsengel, der - ganz kindlich - im Film noch ein paar Jahre jünger wirkt.

In ihr spiegelt sich die schnöde Umwelt einer verbolzten spätaristokratischen Zeit: das Ehepaar Miller, Götz George als machtgeiler Präsident, der seinen Sohn mit der Mätresse Milford (Katja Flint) verheiraten will. Die aber beißt mindestens ebenso ins Bett wie der arme, intrigante Präsidenten-Diener Wurm (immer knorriger als Charaktertyp wird Detlev Buck), als er von Luises Liaison erfährt.

Eigentlich hätte man sich bei dieser prallen Kabale-und-Liebe-Version gleich ein Happy-End im Hier und Jetzt gewünscht. Doch Haußmann bleibt seinem Schiller treu, verlegt die bessere Welt brav ins Jenseits wie ehedem - im Traum immerhin eilt zuletzt das Liebespaar befreit über die Wiesen. Schön ist sie und saftig, diese TV-Version, wenngleich es den vielen Gesichts-Close-ups zuweilen an psychologischer Tiefenschärfe fehlt. - Im ZDF wird der Film am Sonntag, 9. Oktober, um 22.00 Uhr, zu sehen sein.

Wilfried Geldner


Paula Kalenberg spielt in Leander Haußmanns Version von "Kabale und Liebe" eine rührend reine Luise Miller.
Paula Kalenberg spielt in Leander Haußmanns Version von "Kabale und Liebe" eine rührend reine Luise Miller. (ZDF / Petro Domenigg; Boje Buck Film / Lotus Film)

Der Klassiker "Kabale und Liebe" als zeitlose Love-Story, die an der Enge der Gesellschaft scheitert: Major Ferdinand von Walter (August Diehl) und die Musikertochter Luise (Paula Kalenberg).
Der Klassiker "Kabale und Liebe" als zeitlose Love-Story, die an der Enge der Gesellschaft scheitert: Major Ferdinand von Walter (August Diehl) und die Musikertochter Luise (Paula Kalenberg). (ZDF / Petro Domenigg; Boje Buck Film / Lotus Film)

August Diehl als Ferdinand von Walter und Paula Kalenberg als Luise Miller in Leander Haußmanns aufwändiger Filmproduktion von Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe".
August Diehl als Ferdinand von Walter und Paula Kalenberg als Luise Miller in Leander Haußmanns aufwändiger Filmproduktion von Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe". (ZDF / Petro Domenigg; Boje Buck Film / Lotus Film)

Datum: 03.10.2005

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Artikel ID 159131

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