Patrice

Afrika und die innere Freiheit

Musiker Patrice

(tsch/wh) Nach einem „inneren Hausputz“, wie er es nennt, ist Patrice zurück. Mit einem neuen Album bei einem neuen Label. „Free-Patri-Ation“ heißt das Werk, und der Name klingt irgendwie nach Freiheit. Gelassen wie immer, tritt der Reggae-Musiker in den „TV-Total“-Studios in Köln auf, und beim Interview zeigt er sich sehr nett und höflich. Er lacht viel, während er von seinem neuen Album oder von seinem zweieinhalb-jährigen Sohn erzählt. Und irgendwie hinterlässt er bei einem den Eindruck, es gibt nichts in der Welt, was ihn aus dieser gelassenen Ruhe bringen könnte. Nicht einmal Spielplätze.

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teleschau: Nach acht Jahren bei Yo Mama hast Du Dein Label gewechselt und bist jetzt bei Universal unter Vertrag. Wie kam's?

Patrice: Erst einmal ist mein Deal bei Yo Mama ganz klassisch ausgelaufen. Und dann hat sich in den acht Jahren einfach wahnsinnig viel verändert. Yo Mama war anfangs ein kleines eigenes Label. Irgendwann gehörte es zu Four Music. Und Four Music gehörte irgendwann zur Sony BMG. Insofern hat sich da ohnehin in den letzten Jahren sehr viel getan. Und jetzt habe ich eben geschaut, wo ich am besten unterkomme, wo ich das, was ich tun will, am besten verwirklichen kann.

teleschau: Du warst immer auch in Frankreich und Italien erfolgreich. Ändert sich dort etwas?

Patrice: Nein, nicht wirklich. Universal hat erst einmal eine Option, die Platte zu veröffentlichen. Wenn sie die nicht wahrnehmen, kann ich mich eben selbst um einen Vertrieb oder so kümmern. Aber in Spanien, Frankreich und Italien wird "Free-Patri-Ation" auf jeden Fall veröffentlicht. Und letzte Woche spielte ich in London, das war sehr gut. Da kamen an die 300 Leute, da werde ich sicher auch was machen.

teleschau: "Free-Patri-Ation" heißt Dein neues Album. Steht der Titel auch für eine Art Aufbruch?

Patrice: Genau, und eben damit hat auch der Wechsel der Plattenfirma zu tun. Ich habe mich in den letzten drei Jahren von vielen Menschen getrennt, dafür sind andere in mein Leben getreten. Ich habe sozusagen eine Art inneren Hausputz vollbracht und mich auf das Wesentliche zurückbesonnen. Dadurch bin ich frei geworden. Und ich bin Vater geworden, habe einen zweieinhalb Jahre alten Sohn. Ich hing also viel auf Spielplätzen herum (lacht). Vater, Padre, Patrice. Du siehst, das fügt sich alles zusammen.

teleschau: Was steckt sonst noch im Titel? Du beziehst Dich ja ganz eindeutig auf die Repatriation, die Rückführung von Sklaven aus Amerika nach Afrika.

Patrice: Das ist ja ein Aspekt, der im Reggae allgemein eine sehr wichtige Rolle spielt, es ist aber auch so ein spannendes Thema. Durch die Rückführung von Sklaven nach Liberia hat sich ja eine ganz eigene Kultur gegründet, in der sich die verschiedensten Einflüsse wiedertreffen, amerikanische, karibische und natürlich afrikanische. Und die war wiederum selbst enorm einflussreich. Das fand ich interessant. Gleichzeit war der Begriff Repatriation ja ein Widerspruch in sich, weil es dabei eher um eine Entwurzlung ging: Letztendlich waren die Menschen, die in Liberia angesiedelt wurden, dort ja eben nicht zu Hause. Deswegen kann man den Titel auch so lesen: Egal, was passiert, mein Zuhause ist in meinem Herzen.

teleschau: Wie schlug sich das auf die Musik nieder?

Patrice: Mir war wichtig, wieder Musik zu machen, die auf Freude basiert, auf dem Spaß daran. Es ging gar nicht so sehr um die Fertigstellung eines Albums. Aber ich denke, dass man schon vermehrt afrikanische Einflüsse hört, gerade in der Rythmik. Es geht mehr um den Groove.

teleschau: Du hast Dich zum ersten Mal seit Deiner Debüt-CD produzieren lassen. Wie kam das zustande?

Patrice: Es war für mich ein Loslassen. Commissionor Gordon, der die Platte produzierte war jemand, dessen Arbeiten ich immer mochte. Wir setzten uns also einen Tag zusammen, jammten, und es passte von Anfang an. So konnte ich mich auf die Stücke konzentrieren, das ist ein riesengroßer Vorteil.

teleschau: Wo habt ihr aufgenommen?

Patrice: Erst in meinem Studio in Köln, das ich mir über die letzten Jahre aufgebaut habe. Dann bin ich zu ihm nach New Jersey geflogen, und in Long Island wurde alles fertiggestellt.

teleschau: Was verblüfft: Im Ergebnis siehst Du auch einen Weg zurück zu Deinem alten Material. Warum?

Patrice: Wegen eben erwähntem Groove. Es ist schon mehr HipHop drin, als noch in "Nile". Aber das ist an dieser Platte das Schöne: Jeder hört sie anders, jeder sieht etwas anderes in ihr. Und das ist absolut in Ordnung, so lange die Leute es gut finden (lacht). Das merke ich auch immer wieder auf meinen Konzerten: Es ist nicht so, das ich für eine bestimmte Community spiele, nur für Reggae-Hörer oder so. Es kommen immer ganz verschiedene Leute, und das ist doch eigentlich das Schönste, was einem passieren kann.

Jochen Overbeck

Fast so etwas wie ein Alterswerk: Mit "Free-Patri-Ation" legt Patrice sein bisher bestes Album vor.
Fast so etwas wie ein Alterswerk: Mit "Free-Patri-Ation" legt Patrice sein bisher bestes Album vor. (Universal)
Wurde Vater, machte Hausputz: Patrice
Wurde Vater, machte Hausputz: Patrice (Universal)
Der Aubruch in Form einer Platte: Patrice geht auf "Free-Patri-Ation" die Dinge anders an.
Der Aubruch in Form einer Platte: Patrice geht auf "Free-Patri-Ation" die Dinge anders an. (Universal)

Datum: 28.05.2008

Diskussion: "Patrice"

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