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Usher - Here I Stand

Usher Here I Stand

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"I never thought I'd find that one to make me feel forever young", das sind einige der Worte, die Usher im Intro seines neuen Albums "Here I Stand" singt. Und das ist dann auch die Ansage, die den neuen Usher ganz gut erklärt. Die 2.0-Variante dieses Muskeltyps, der noch vor ein paar Jahren mit "Yeah" oder dem Alicia-Keys-Duo "My Boo" so eine Art Musik gewordenes Testosteronzäpfchen war, das vornehmend aus den Mobiltelefonen Stressjugendlicher quäkte, ist endgültig erwachsen. Verheiratet, Vater, die ganze Packung. Das hört man "Here I Stand" an, denn auch wenn einige Zugeständnisse an die Zielgruppe geblieben sind: Usher erinnert 2008 an klassische Künstler des Genres wie Al Green, Luther Vandross, Stevie Wonder oder R. Kelly.

Der Albumtitel deutet es an, und Usher sagte es in so ziemlich jedem Interview: Sein fünftes Album ist so eine Art Standortbestimmung, gepackt in eine Geschichte. Es geht um die Liebe. Darum, dass die nicht immer leicht zu finden ist, sich aber letzten Endes zu suchen lohnt. "No matter how far I go and no matter how long it takes, no one or nothing can change, forever yours, here I stand" heißt es da. Ein Hohelied, musikalisch ohne Querverweise zum zeitgemäßen R'n'B, sondern gänzlich Ushers Stimme und einem Klavier vertrauend.

Das ist ohnehin etwas, das verblüfft: Denn auch wenn große Namen an der Platte beteiligt waren, etwa Dre und Vidal, Danja, der momentan unvermeidbare will.i.am und Jermaine Dupri: Sie hinterlassen kaum Abdrücke, sondern ordnen sich dem Künstler unter. Dass die Arbeit mit den Neptunes ebenso wie die mit Timbaland irgendwann zwischen Ideenfindung und Album scheiterte, mag da fast dankbar aufgenommen werden: Deren moderne Future-Beats hätten die Platte vermutlich zu sehr Richtung Zeitgeist geschoben.

So bleibt sie angenehm klassisch - auch in den Momenten, in denen andere mitmachen. "Best Thing" mit Jay-Z etwa ist trotz der etwas markigeren Ausrichtung und trotz der fast schon brutalen Raps nah am R'n'B, auch will.i.ams Beitrag "What's Your Name" kommt ohne die so charakteristischen und in letzter Zeit etwas über Gebühr verwendeten klassischen Vintage-Knack-Beats des Black-Eyed-Peas-Mannes aus. Und "Moving Mountains" umreißt nicht nur textlich das Kernthema des Albums - Altern als Herausforderung -, sondern ist einfach ein klug komponierter und trotz aller moderner Produktionsmittel referenzhafter R'n'B-Track.

Bleibt zu sagen, dass die Single nicht nur sehr untypisch für das Album, sondern gleichzeitig einer der schwächeren Tracks ist. Auch wenn das Stück geschickt geschrieben ist und - ähnlich wie etwa R. Kellys "Ignition" - nicht unangenehm zwischen Up- und Downbeat, zwischen Popsong und Blockparty stattfindet: Der penetrante, fast Eurodance-artige Synthie schießt den Song leider voll ins Abseits. Vermutlich ein Zugeständnis an die Klingeltonjugend unserer Zeit, aber eben ein überflüssiges.

Jochen Overbeck


Datum: 29.05.2008

Diskussion: "Usher - Here I Stand"

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