(tsch/mb) Ein Riesenflop: So kann man wohl den Film „3000 Miles to Graceland“ (2000) bezeichnen, der in Deutschland den nicht gerade glücklich geratenen Titel „Crime is King“ trug. Nur 100.000 Zuschauer gingen in die deutschen Kinos; negative Kritik gab es auch. Dabei ist die Mischung aus Action-, Gangsterfilm und Roadmovie „Crime is King - 3000 Miles to Graceland“ gar nicht so schlecht. Gute Bilder, schnelle Szenenwechsel und verrückte Kamerafahrten zeichnen den zumindest optisch herausragenden Film aus.
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Man könnte also Mitleid mit den beiden Hauptdarstellern haben. Kevin Costner und Kurt Russell waren in den letzten Jahren ihrer Karriere nicht gerade Garanten für Kinoerfolge. Dabei haben beide einiges gemeinsam: Beide spielten sie den Westernhelden Wyatt Earp, beide haben Auftritte in ihrer Filmografie, von deren Qualität sie bis an ihr Lebensende werden zehren können ("Der mit dem Wolf tanzt", "Die Klapperschlange"). Und beide stehen schon seit Langem an einem Scheideweg in ihrer Karriere, mussten sie doch viele Flops wegstecken.
Russell (57) spielte zuletzt in Quentin Tarantinos "Death Proof", der in Deutschland immerhin eine halbe Million Zuschauer hatte. Wer Lust hat, kann bei Youtube im Netz zudem seinen Auftritt im Regiedebüt seiner Stieftochter Kate Hudson verfolgen: "Cutlass" heißt der charmante Kurzfilm. Kevin Costner (53) fuhr mit dem Thriller "Mr. Brooks - Der Mörder in dir" einen weiteren weltweiten Flop ein.
Doch nun erst einmal "Crime is King", eine rüde, aber verdammt coole Mischung aus Actionfilm, Roadmovie und Gewaltorgie. Vor allem die erste halbe Stunde ist nichts für empfindsame Gemüter: Las Vegas feiert eine Elvis-Woche. Und genau zu diesem Zeitpunkt entschließen sich fünf Kriminelle, in Elvis-Kostümen ein Casino auszuräumen, was den Titel "Crime is King" erklärt, ihn aber nicht besser macht. Regisseur Demian Lichtenstein hatte sein Auskommen bisher vor allem mit Video-Clips und Werbespots. Das merkt man. Vor dem grellen Glitzern der Stadt spielt sich in schnellen Schnitten ein furioser Überfall ab, dessen visuelle Darstellung wie eine Mixtur aus Quentin-Tarantino- und John-Woo-Filmen daherkommt. Genre-Anhänger dürften begeistert sein, Moralisten weit weniger.
So temporeich der Beginn auch ist, so vehement zieht Lichtenstein im Anschluss die Bremse. Denn Murphy (Costner) hat nicht vor, die 3,2 Millionen Dollar Beute aufzuteilen. Zügig wird die Gang (darunter Christian Slater und David Arquette) dezimiert, und es läuft auf ein Duell von Costner und Russell hinaus, die um das Geld streiten, es abwechselnd auch besitzen, um es gleich wieder zu verlieren. Dezent mischt Lichtenstein allem auch noch eine Liebesgeschichte bei.
Allzu leicht fällt der Zugang dem Zuschauer nicht. "Crime is King" verfügt über keinen einzigen wirklich sympathischen Charakter. Ganz offensichtlich wohl fühlt sich Kevin Costner in der ziemlich eindimensionalen Rolle des üblen Schurken ohne Mitgefühl. Schwerer hat es da Kurt Russell, dem der Plot zumindest eine Hand voll freundlicher Momente gibt. Sehenswert sind vor allem die wenigen Szenen, in denen sich die beiden im Verlauf der Handlung begegnen und sich allerlei Wahrheiten und Lügen offenbaren.
Kai-Oliver Derks
Nach dem Überfall auf ein Casino werden sie zu Rivalen: Michael (Kurt Russell, links) und Murphy (Kevin Costner). (ProSieben / Francise Pictures)
Sie ahnen nicht, dass sie ihren grandiosen Coup nur kurz genießen können: Hanson (Christian Slater, links) und Gus (David Arquette). (ProSieben / Francise Pictures)
Murphys Bande ist unterwegs zum großen Coup: Die meisten von ihnen überleben nicht lange. (ProSieben / Francise Pictures)
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