(tsch/cg) Falco ist eine Legende. Seit seinem mysteriösen Tod gab es nie wieder einen österreichischen Star, der internationale Anerkennung genoss. Hans Hölzel, so der bürgerliche Name des Sängers, eroberte das Showgeschäft, um anschließend dessen Opfer zu werden. Geplagt von Ängsten und dem eigenen hohen Anspruch, zerbrach er langsam am Druck. Regisseur Thomas Roth setzte mit dem Biopic „Falco“ dem Ausnahme-Künstler ein Denkmal und bewies sein Können in vielerlei Hinsicht.
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Eigentlich stand Roth vor einer verwirrenden, entmutigenden Menge an Information. Der Mann, der den bisher einzigen Nummer-1-Song in den amerikanischen Billboard-Charts schaffte, war Mekka und Hölle zugleich für einen Filmemacher. Drogen, Angstzustände, eine übermächtige Frau Mama, diffiziles Verhältnis zu Frauen, Egomane, verletzliche Seele und wahrscheinlich ein einsamer Mann. Viele Eventualitäten, viel Unangenehmes, hier und da bloßes Drama.
Ich erfinde mich, also bin ich - so lautete das Credo des Österreichers. Er inszenierte sich, erfand die Kunstfigur Falco. Er war ein Aufwiegler, ein Künstler, den viele für arrogant hielten. Der Erfolg gab ihm recht, zunächst. Neben dem privaten Dilemma, seinem Wunsch nach Normalität und der Unfähigkeit, diese zu leben, beleuchtet Roths Porträt Hölzels Weg durch die Maschinerie der Vermarktung. Präzise und einfach sind die Erklärungen, umso mehr öffnen sie einem interessierten Publikum die Augen.
Manche Rätsel sind gelöst nach diesem Bio-Pic, viele neue Fragen werden aufgeworfen. Falco bleibt, insbesondere durch seinen seltsam perfekt platzierten Tod vor zehn Jahren, ein Mysterium. Genau das wollte er sein.
Roth ist in Graz geboren, traf Falco immer wieder persönlich, maßt sich aber nicht an, zu behaupten, er wäre mit ihm bekannt gewesen. Viel eher beeindruckten ihn Falcos aufrechter Gang und die Tatsache, dass er immer so getan hat, als sei er unzerbrechlich. Sein Drehbuch stützte er auf biografische Fakten, nennt es aber reine Fiktion, der er allerdings nichts Diffamierendes zugefügt habe. Den Umgang mit den Figuren beschreibt er als behutsam.
Oft zeichnet er diese mit nur wenigen Strichen, und doch bleibt keiner der Charaktere nur Staffage. Neben der gewissenhaften Recherche wollte Roth an Originalschauplätzen in der Dominikanischen Republik wie auch in Falcos Wohnung drehen. Selbst die Videoclips ließ er neu produzieren.
Dafür trug Manuel Rubey die Originalkostüme. Rubey, ein Wiener Sänger, Kabarettist und Schauspieler, erhielt nach der sicher für alle Beteiligten sinnvollen Absage von Robert Stadlober die Hauptrolle. Er sang selbst, wirkt charismatisch, lässt den Star der Achtziger auferstehen, dass einem ganz wunderlich wird. Ein anderes Wunder ist Christian Tramitz, der mit seiner Rolle als fürsorglicher Manager zeigt, wie ernst es ihm ist, den Absprung von all seinen Bully-Filmen zu schaffen.
Das tut er mit Bravour, wie auch Susi Stach als Falcos Mutter dem inhaltsschweren Drama eine besonders schaurige Note gibt. Das stimmige Drehbuch lässt keine Längen zu, blickt stoisch in menschliche Abgründe. In diesen läuft Manuel Rubey zu einer Form auf, die ihm selbst nicht geheuer sein dürfte. Subtil zeigt er Defizite, aalt sich im Höhenrausch.
Für besondere Momente, wie die vor seinem Unfalltod, präsentiert der Regisseur Gaststar Grace Jones in der Rolle einer Kellnerin. Und Kameramann Jo Molitoris findet traumhafte Bilder.
Falco ein Denkmal zu setzen, war vielleicht nicht notwendig. Doch der Regisseur hat es getan, insbesondere dank der Hingabe von Manuel Rubey, der in manchen Momenten dem verstorbenen Heath Ledger ähnelt, was dem durchweg gelungenen Film eine weitere gespenstische Note gibt.
Claudia Nitsche
Credits: V:Drei-Freunde, A / D 2007, R: Thomas Roth, D: Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek, Christian Tramitz u.a.
Laufzeit: 109 Min.
Kinostart: 05. Juni 2008
Nach dem Start in Österreich kommt "Falco" nun auch in die deutschen Kinos. (MR-Film)
Manuel Rubey spielt Falco - mit Leidenschaft und Hingabe. (MR-Film/Petro Domenigg filmstills.at)
Falcos Berater Horst Bork (Christian Tramitz) muss seinen Schützling ein ums andere Mal zur Raison rufen. (MR-Film/Hubert Mican)