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Drah di ned um!Schauspieler Manuel Rubey (tsch/vm) Falco ist längst zum österreichischen Kulturgut geworden. Er gehört allen. Aus diesem Grund hat jeder Wiener mehr oder weniger den Anspruch, ihn zu kennen und am besten zu wissen, wie er wirklich war. Für den Schauspieler, Musiker und Kabarettist Manuel Rubey bedeutete das die vielleicht größte Schwierigkeit, im Bio-Pic "Falco" den Kultstar zu spielen. Und doch zauberte er hervorragend den komplexen Charakter des Sängers an die Leinwand: eine Leistung, die ihm zum großen Durchbruch als Schauspieler im deutschsprachigen Raum verhelfen könnte. Warum jedoch der Preis für diese Rolle hoch war, erklärt der junge Schauspieler im Interview. Anzeige teleschau: Sie singen nicht nur selbst, Sie trugen sogar die Original-"Amadeus"-Jacke. Was war das für ein Gefühl? Manuel Rubey: Das hilft natürlich, eine Rolle zu finden. Wenn der Mythos mitschwingt, kann man sich ein bisschen reinsteigern. Beklemmender war allerdings die Zwangsjacke aus dem "Jeanny"-Clip. Aber durch den Zeitdruck am Set kommt man gar nicht so viel zum Nachdenken über Gefühle. teleschau: Haben Sie Falcos Wohnung demnach auch nur als Requisite gesehen? Rubey: Ja, das wäre mir fast egal gewesen. Viel interessanter fand ich das Studio der Bolland-Brüder in Holland. Der Raum seiner Produzenten dort ist unverändert, und sie spielten uns unveröffentlichtes Material von Falco vor. Da denkt man dann schon, er ist da. teleschau: Rob Bolland erzählte, dass Falco bei Aufnahmen die ganze Nacht hindurch in der Dunkelheit saß. Man habe nur seine Zigarettenglut gesehen. Eine magische Szene, die der Film auslässt. Rubey: Da hätte es eine Menge Stoff gegeben. Was er sich da alles geleistet hat, wie viel Alkohol im Spiel war, bis er das Singen anfing. Die Angst vor dem Beginnen dauerte Stunden ... teleschau: Sie leben wie Falco in Wien, haben Sie auch so ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Stadt? Rubey: Wien hat schon etwas Morbides, Schizophrenes. Da ist einerseits die Kaffeehauskultur, auf die man stolz ist, andererseits war der Umgang mit Künstlern immer ambivalent. Auch Falco wusste, dass er nicht zu glauben brauchte, erfolgreich sein zu dürfen. Das bestimmen immer noch die Wiener. teleschau: Lässig ist das nicht. Rubey: Nicht wirklich, deswegen steh ich so auf Berlin, auch wenn ich es nur als Beobachter erlebe. Wien wäre gern Weltstadt, aber es gelingt nicht ganz. Wir wären auch gern toleranter als wir sind. In Berlin kann wirklich jeder sein, wie er möchte und es stört niemanden. In Wien geht sich das nicht ganz aus. In Wien wird geredet. teleschau: Dann war die Rolle also auch ein Risiko. Rubey: Absolut. Ich habe einen relativ ironischen Zugang zu diesem Beruf, deswegen ist mein Credo, dass man mit so einem Projekt auch in Würde scheitern darf. Das habe ich mir erlaubt und mich jeder Vermächtnisdiskussion entzogen. teleschau: Wie kann man das? Rubey: Ich habe mich einfach verweigert und gelernt, nein zu sagen. Das gelang mal besser, mal schlechter. Jeder Taxifahrer erzählte mir, wie Falco wirklich war. Ich hätte nicht gedacht, dass es so drastisch ist, dass alle etwas zu sagen hatten. Doch ich war scheinbar der Einzige, der nicht persönlich mit ihm bekannt war. Da wirst du nur wahnsinnig, dann muss man mal sagen: "Das ist meine Interpretation, imitieren sollen andere, die das besser können." teleschau: Robert Stadlober hat sich offensichtlich nicht getraut. Eigentlich war er für die Hauptrolle vorgesehen. Rubey: Ja, er sagte ab. Er hatte mehr zu verlieren als ich. Die Besetzung hatte, ohne seine schauspielerischen Qualitäten zu mindern, natürlich etwas mit seiner Popularität zu tun. Falco mit einem No-Name, das ist lange Zeit auf Widerstand gestoßen. teleschau: Sie sind fast unheimlich nahe dran an Falco, wie man ihn kennt. Wie intensiv war ihre Vorbereitung? Rubey: Susi Stach (sie spielt Falcos Mutter, Anm. d. Red.) war mein Coach. Sie ging mit mir die ganzen Clips durch. Ich arbeite eigentlich lieber intuitiv, von daher musste ich mich zu dieser Arbeit wirklich zwingen. teleschau: Wie haben Sie die Zeit erlebt nach der Premiere in Österreich zum zehnten Todestag im Februar? Rubey: Es war irrsinnig mühsam. Alleine die Interviewsituation, ich musste mit jedem Regionalblatt eine Stunde lang sprechen. Da sitzt dann einer mit verschränkten Armen und sagt süffisant "Aha", wenn ich antworte. Im Gegenzug gibt es die absurdesten Angebote, mit denen ich jetzt Geld verdienen könnte. Aber ich habe bereits gesagt, es gibt nichts mehr in Zusammenhang mit Falco in meinem Leben. Das ist vorbei. teleschau: Hat die neue Popularität Ihrer Band Mondscheiner eher genutzt oder geschadet? Rubey: Das kann ich noch nicht so ganz beurteilen, aber ich glaube, es hat tendenziell genutzt, weil sich die Leute eher mal ein Konzert ansehen. Mein Fokus ist die Musik. Ich habe viereinhalb Jahre vom Theaterspielen gelebt und mit der Band nichts verdient. Wir arbeiten alle nebenbei, zwei als Schauspieler, andere als Film- oder Bühnenmusiker. Das ist ein Lebensprojekt, trotzdem möchte ich die Schauspielerei nicht als Hobby verstanden wissen. teleschau: Litt Ihr Privatleben unter der Aufregung um Falco? Rubey: Meine Tochter ist mit ihren zwei Jahren noch zu klein, um mit reingezogen zu werden. Gleichzeitig erstickt sie jeden Funken, wenn mir mal was zu Kopf steigen sollte. Das finde ich gut. Mit 20 ist das schwieriger auf die Reihe zu kriegen, aber jetzt ... (er zuckt die Schultern) teleschau: Sie machen nicht den Eindruck, dass Ihnen etwas zu Kopf steigen könnte. Nehmen Sie denn überhaupt neue Angebote an? Rubey: Es ist jetzt die wunderbare Situation eingetreten, dass mir Drehbücher zugeschickt werden. "Ein echter Wiener geht nicht unter" war eine Kultserie in den Siebzigern, die das Proletariat zeigt. Beim Kinofilm geht es um den Enkel, der geboren wurde, als die Serie 1979 eingestellt wurde, den spiele ich. Eine ähnlich populäre Rolle - um diese Falco-Kiste loszuwerden. teleschau: Wirklich positiv klingt das alles nicht. Was war denn das Gute an der Falco-Rolle? Rubey: Wenn man mit anderen Dingen Geld verdient, kann man mit der Band wieder kompromissloser arbeiten. Alles, was ich tue, muss mit den geplanten Albumaufnahmen zu vereinbaren sein. Claudia Nitsche |
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