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Eugene McGuinness - The Early Learnings Of Eugene McGuinness

Eugene McGuinness The Early Learnings Of Eugene McGuinness

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Als Musikkritiker kennt man das ja: Da flattert einem so eine CD ins Haus, von einem Musiker, von dem man noch nie gehört hat, und der Beipackzettel singt einem ein Loblied drauf, als wäre ein neuer Neil Young geboren. Derlei Anpreisungen begegnet man ganz intuitiv mit einem gesunden Maß an Skepsis und Gelassenheit.

Es haut einen also nicht vom Hocker, wenn mit dem Erhalt der "Early Learnings of Eugene McGuinness" - erstes, kleines Album eines Musikers gleichen Namens - Vergleiche mit Elliott Smith und Rufus Wainwright gleich mitgeliefert werden. Selbst die zitierte Verzückung des NME ("a star is born") betrachtet man kritisch. "Cooler Titel", denkt man vielleicht und hält es ansonsten mit Shakespeares Julia: Man kann sich das Ganze ja mal ansehen, doch wird der "Blick sich nicht weiter wagen, als ihn die Schwingen eures Beifalls tragen". Denkt's und wirft die CD an.

Um es gleich vorwegzunehmen: Am Ende der Hörerfahrung steht eine Kapitulation. Gerne, zu gerne hätte man die Anpreisungen in der Luft zerrissen, in den Fingern hat es schon gejuckt, einmal mehr die leider allzu übliche songwriterische Einfallslosigkeit zu diagnostizieren. Jedoch: Es geht einfach nicht.

Wer es schafft, in der ersten Minute des ersten Songs des ersten Albums (nach einem herrlich pompösen, fast kirchenmusikalischen, Sufjan-Stevens-würdigen Einstieg) nicht nur den wundervollen Frauennamen Desodorna zu verwenden, sondern diesen auch noch mit der Aussage "burst in flame - I was in no state to call" verbunden zu haben, der ist eben nicht einfallslos und nur wie alle anderen. Der ist im Gegenteil schon auf Anhieb so interessant, dass es einem nur schamhaft und im hinteren Teil des Gehirns auffällt, dass er bei den Worten "in no state to call" eins zu eins wie Paul Smith von Maximo Park klingt - denn eigentlich will man hier nun gerade wirklich nicht vergleichen.

Was Eugene McGuiness abliefert, ist nichts anderes als eine halbe Stunde abwechslungsreiche und ganz eigene Musik, irgendwo zwischen Pop, Klavierballade, Folksong und afrikanischen Klängen, mal mit treibenden Rhythmen, mal ruhig und melancholisch, aber immer mit einem Tempuswechsel an genau der richtigen Stelle oder einem Bruch im Gesang - gerade bevor es zu kitschig würde. Das Ganze versieht Monsieur auch noch mit textlicher Raffinesse ("My will to move or even use my brain is weathered by eternal English rain") - und selbst so Abgedroschenes wie "twinkle, twinkle little star" bekommt Herr McGuinness so augenzwinkernd und musikalisch souverän eingebettet unter, dass es nicht stört.

Zu guter Letzt schließt die kleine, feine halbe Stunde auch noch mit einem ebenso erfrischenden wie sinnlosen Sample-Zusammenschnitt, in dem auf die Frage "Are you familiar with the, you know, the rock?" 30 Sekunden herrlichstes und kontradiktives Elektro-Pop-Dings folgt. "That's expressive?" - Hell, yeah! Bitte mehr davon!

Barbara Wopperer


Datum: 04.06.2008

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