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The Happening

The Happening

(tsch/vm) Es ist keine Naturkatastrophe im klassischen Sinne. Keine Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Überschwemmungen machen im Weltuntergangsfilm „The Happening“ den hilflosen Menschen zu schaffen. Aber ein Kampf gegen die Natur ist es doch. Denn sie hat in Michael Night Shyamalans neuem Schocker endlich die Gelegenheit bekommen, sich an ihren größten Feind, den Menschen, auf eine perfide Art zu rächen. Das Genre des „Paranoid-Kiono“ ist für den aus Indien stammenden Regisseur eher ungewöhnlich, wurde er doch für Mystery-Thriller wie „The Sixth Sense“ (1999) und „The Village“ (2004) berühmt. Der starbesetzte Schocker (Mark Wahlberg und John Leguizamo) könnte als Shyamalans Beitrag zur aktuellen Umweltdiskussion begriffen werden, der die Ängste vor Naturkatastrophen schürt, ohne jedoch zum Schluss konstruktive Lösungsvorschläge zu bieten.

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Nach mehreren erfolglosen Multimillionen-Dollar-Produktionen lasten die hochgeschraubten Erwartungen schwer auf den Schultern Shyamalans. Der einstmalige gefeierte Newcomer Hollywoods, der sich mit "The Sixth Sense" im Alter von erst 29 Jahren in die Filmgeschichte einschrieb, braucht dringend einen neuen Coup, um seinen Marktwert zu halten. Doch wer einen Twist in der Handlung seines neuen Films erwartet, ein großes "Aha" im alles erklärenden Finale, wird diesmal enttäuscht.

"The Happening" gefällt sich in paranoider Erwartung des Allerschrecklichsten: des totalen Kontrollverlusts über den eigenen Lebenswillen. Schon der Auftakt könnte kaum seltsamer sein: Im Central Park New Yorks frischt plötzlich der Wind auf, die Blätter der Bäume rascheln, und wie ferngelenkt bleiben alle Passanten stehen und beginnen wie in Trance, sich entweder nacheinander selbst in den Kopf zu schießen oder mit Haarstecknadeln eigenhändig zu massakrieren. Die unerklärliche Selbstmordwelle erfasst langsam auch den Süden Manhattans: Bauarbeiter springen von den Dächern und zerschellen auf Baugerüsten oder den Pflastersteinen des Gehwegs.

Erzählt wird aber die Geschichte von Elliot Moore, gespielt von "Shooter" Mark Wahlberg, einem Naturkundelehrer in Philadelphia, der wie alle anderen seiner Mitmenschen von dem geheimnisvollen Ereignis, das zuerst wie ein Terroranschlag anmutet, überrascht wird. Gerade noch hat er seinen Schülern von unerklärlichen Naturphänomenen erzählt, gemeinsam mit ihnen gerätselt, wieso plötzlich Millionen von Bienen verschwinden, ohne dass nachzuvollziehen wäre, wo sie geblieben sind. Über die Fernsehnachrichten erfahren sie, dass sich die Suizid-Epidemie schnell ausbreitet und auch bald das 160 Kilometer entfernte Philadelphia erreichen wird.

Mit seiner Frau Alma (blass: Zooey Deschanel aus "Almost Famous") und der Tochter seines Kollegen Julian (John Leguizamo), der wiederum seine verreiste Gattin retten möchte, flüchtet Elliot mit der Bahn Richtung Süden, bis sie stoppt, weil die Netzkontrolle zusammenbricht, und alle auf sich allein gestellt sind.

Zuerst mit dem Auto, dann zu Fuß geht es weiter, mitten durch das Farmland Pennsylvanias, bis sich immer deutlicher herausstellt, dass es der Tod umso schneller kommt, je mehr Menschen beisammen sind. Es sind die Gräser, die Büsche, die Bäume, die Pflanzen, die einen Pakt mit dem Wind geschlossen haben, um mit der gezielten Freisetzung von toxischen Aerosolen ihren Peinigern, den Menschen, den Garaus zu machen, indem ihr Lebenserhaltungstrieb außer Kraft gesetzt wird, sie in den Selbstmord getrieben werden.

Während Mark Wahlberg ausnahmsweise nicht schwer bewaffnet oder zumindest finster dreinblickend über die Leinwand hechtet und Herr der Lage ist, sondern in sympathischer Naivität und mit vor Hilflosigkeit geweiteten Pupillen nach einem Ausweg sucht, bleibt die Suche nach einem Helden für den Zuschauer unbefriedigt. Shyamalan spielt gekonnt mit den Erwartungen des Publikums, es müsse sich doch alles in Wohlgefallen auflösen. Es brauche nur die richtige Formel, den entscheidenden Einfall, um die Kontrolle über Land - und Leute - wieder zurückzugewinnen. Doch immer mehr Menschen fallen dem (wider)natürlichen Treiben zum Opfer, werfen sich todeswillig vor Mähmaschinen, provozieren Raubkatzen im Zoo, um sich fressen zu lassen, und schneiden sich die Pulsadern auf, wenn die Kollision des Autos nicht zum erwünschten Ziel geführt hat.

Fröhlich ist das Ende nur scheinbar, die Illusion wird perfekt, wenn die Normal-Lage letztlich wieder hergestellt worden ist. Die Frage bleibt, welche Ursachen Naturkatastrophen haben, welche Prozesse ablaufen, wenn in prädestinierten Badeseen plötzlich hochgiftige - natürliche - Substanzen festgestellt werden, die schnell zum Tode führen können. Dass sich die Natur offensichtlich wehrt, liegt für Shyamalan ebenso auf der Hand wie die Antwort auf die Frage, warum sie sich wehrt. Der Mensch hat sich ihrer allzu sehr bemächtigt, und sei es durch das Anbringen einer Schaukel an einen dicken Ast, deren Schnüre sich mit jedem Stoß tiefer in die Rinde eingraben. "The Happening" ist Paranoid-Kino par excellence, und niemand sollte sich wundern, wenn beim nächsten Spaziergang durch den Park oder Wald das Rascheln der Blätter ein unspezifisches Unbehagen auslösen sollte.

Leif Kramp

Credits:
V:Fox, USA 2008, R: M. Night Shyamalan, D: Mark Wahlberg, John Leguizamo, Zooey Deschanel u.a.

Laufzeit: 90 Min.

Kinostart:
12. Juni 2008


In den großen amerikanischen Städten sterben viele Menschen auf mysteriöse Art und Weise.
In den großen amerikanischen Städten sterben viele Menschen auf mysteriöse Art und Weise. (2008 Twentieth Century Fox)

Im Ausnahmezustand kommt sich das Ehepaar Alma (Zooey Deschanel) und Elliot Moore (Mark Wahlberg) wieder näher.
Im Ausnahmezustand kommt sich das Ehepaar Alma (Zooey Deschanel) und Elliot Moore (Mark Wahlberg) wieder näher. (2008 Twentieth Century Fox)

Elliot (Mark Wahlberg), Alma (Zooey Deschanel, rechts) und Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) haben keinen Kontakt zur Außenwelt mehr.
Elliot (Mark Wahlberg), Alma (Zooey Deschanel, rechts) und Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) haben keinen Kontakt zur Außenwelt mehr. (2008 Twentieth Century Fox)

Datum: 11.06.2008

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Artikel ID 202049

 
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