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Der amerikanische Wahlkampf

Historisches Duell

(tsch) "Ich kann vor euch stehen und sagen: Ich werde der nächste demokratische Kandidat für das Präsidentenamt sein", verkündete Barack Obama vor seinen jubelnden Anhängern in St. Paul, Minnesota. Nach den letzten Vorwahlen ist das Rennen entschieden, der 46-Jährige tritt gegen John McCain an, der schon als republikanischer Präsidentschaftskandidat feststeht. Kaum war das Wahlergebnis bekannt, schoss sich Obama gleich auf seinen Gegner ein. Die Linie stand fest: Es soll ein Anti-Bush-Wahlkampf werden, bei dem der 71-jährige Vietnamveteran in möglichst großer Nähe zum amtierenden Präsidenten dargestellt wird. Eine große Rolle in der heißen Phase des Wahlkampfes wird das Internet spielen - die Experten streiten noch, wie stark dessen Einfluss auf Wahlergebnisse ist. Kein Kandidat kann sich aber dem World Wide Web entziehen. Spannend ist die Frage, wie die Kontrahenten dort für die kommenden Duelle gerüstet sind.

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Als John McCain vor seine Anhänger trat, um Barack Obama als "beachtlichen Gegner" zu beglückwünschen, erkannte man auf der Wand im Hintergrund neben seinem Namenszug noch etwas anderes: Kleiner als dieser, aber deutlich zu lesen, war die Internetadresse johnmccain.com - die offizielle Adresse des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Wer auf diese Seite klickt, wird gleich ins sogenannte Entscheidungscenter eingeladen, schließlich gelte es eine Wahl zu treffen - zwischen "richtig" und "falsch", "zwischen Nach-vorne oder Nach-hinten-gehen".

Das "Decision Center" gibt schon einmal die Strategie des Republikaners vor: Er präsentiert sich dort als erfahrener und verantwortungsbewusster Haudegen - durch seine vielen Jahre in Washington außenpolitisch und wirtschaftlich geschult. Obama wird dagegen als politisches Leichtgewicht dargestellt. Jemand, der die Interessen Amerikas in der Welt aufs Spiel setzen könnte. Gerade Hillary Clinton lieferte McCain in dem Monate währenden innerparteilichen Wahlkampf eine Menge Argumentationsmaterial gegen ihren Parteifreund. Die offene Flanke McCains ist der Irak, er will die Truppen dort noch verstärken, betont aber die Notwendigkeit eines Strategiewechsels. Das erfordere Mut, heißt es auf der Homepage. Obama dagegen gehe den einfachen Weg, wolle aus dem Irak abziehen - unabhängig davon, wie die Situation vor Ort sei und was die Militärstrategen ihm rieten.

Schon jetzt ist es der teuerste amerikanische Wahlkampf aller Zeiten. Jeder der Kandidaten ist auf Spenden angewiesen. Das Internet kann dabei eine wichtige Funktion übernehmen. Wer die Wahlkampfseite von Barack Obama - www.barackobama.com - anklickt, wird gleich auf ein Spendenformular weitergeleitet, auf dem Beträge in so ziemlich jeder Größenordnung eingegeben werden können. Die eigentliche Homepage steht ganz im Zeichen des Wandels - "Change" ist das Zauberwort: Obama präsentiert sich als derjenige, der außerhalb des Establishments steht, die Fesseln des Washingtoner Politbetriebes durchbrechen kann und noch völlig unverbraucht ist. Diese Strategie ging bei den Vorwahlen auf. Sie trieb so viele Jungwähler wie noch nie zuvor an die Urnen. Fest steht, dass Obama schon jetzt Geschichte geschrieben hat - als der erste schwarze Präsidentschaftskandidat, der ernsthaft Chancen auf das mächtigste Amt der Welt hat.

Obamas Seite wirkt dabei jung und frisch. Unter der Rubrik "Obama TV" lassen sich Videos all seiner Reden abspielen. Auch seine Positionen zu den wichtigsten Politikfeldern werden ausführlich dargestellt. Mit Bezug auf den Irak warnt er vor einer Besatzung auf unbestimmte Zeit - mit unvorhersehbaren Kosten und Konsequenzen, die niemand abschätzen könne. Deshalb plädiert er dafür, sofort mit dem Abzug der amerikanischen Truppen im Irak zu beginnen. Aber auch der Senator aus Illinois weiß, dass er seinen Landleuten das Gefühl von Sicherheit geben muss. Eine eigene Rubrik zum Thema "Homeland Security" darf daher nicht fehlen.

Überraschenderweise findet sich auf Obamas Seite wenig über seinen Kontrahenten von den Republikanern. Die Aufgabe, sich mit dem gegnerischen Präsidentschaftskandidaten zu reiben, überlässt Obama lieber seinen Parteifreunden, die sich prompt etwas Besonderes einfallen ließen. Auf der Website www.democrats.org findet sich die Rubrik "McCain Debates". Hier können mehrere Videos abgespielt werden, auf denen jeweils zwei McCain-Karikaturen miteinander diskutieren. Das Fazit der Demokraten: "Egal, welchem McCain man gerade zuhört. Alles, was er anbietet, ist eine dritte Amtszeit von Bush."

Die offizielle Homepage der Republikanischen Partei, die sich selbst gerne als "grand old party" bezeichnet, heißt www.gop.com. Genau wie auf McCains Seite dreht sich alles darum, Obama als verantwortungslosen Gesellen darzustellen, der die Interessen Amerikas im Ausland verrät. Eine Rubrik nennt sich: "Democrats vs. Obama". Hier kann ein Video abgespielt werden, in dem Demokraten ihren eigenen Präsidentschaftskandidaten kritisieren - beispielsweise Hillary Clinton, die ihrem Parteifreund vorwirft, sich mit feindlichen Regierungschefs treffen zu wollen. Auch andere hochrangige Demokraten wie John Edwards oder Bill Clinton kommen zu Wort.

Der amerikanische Wahlkampf hat gerade erst begonnen und vieles deutet darauf hin, dass er ziemlich schmutzig werden könnte - die vorgestellten Internetseiten bieten da nur einen kleinen Vorgeschmack. Erst die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, ob Barack Obama die tiefen Gräben schließen kann, die der lange innerparteiliche Wahlkampf gegen Hillary Clinton in seiner Partei hinterlassen hat, und ob er am Ende den Vorsprung vor McCain halten kann, den er zumindest bisher in allen Umfragen hat.

Philip Mukherjee


John McCain präsentiert sich auf seiner Wahlkampfseite als erfahrener und verantwortungsbewusster Mann, der seine Landsleute am besten vor den Gefahren durch den internationalen Terrorismus und den Iran schützen könne.
John McCain präsentiert sich auf seiner Wahlkampfseite als erfahrener und verantwortungsbewusster Mann, der seine Landsleute am besten vor den Gefahren durch den internationalen Terrorismus und den Iran schützen könne. (www.johnmccain.com/)

Die Internetseite des demokratischen Präsidentschaftskandidaten, Barack Obama, steht ganz unter dem Zeichen Wandel: "Change" ist das Zauberwort.
Die Internetseite des demokratischen Präsidentschaftskandidaten, Barack Obama, steht ganz unter dem Zeichen Wandel: "Change" ist das Zauberwort. (www.barackobama.com)

Die Demokraten haben ihre Wahlkampfseite schon ganz auf den Kandidaten Obama ausgerichtet.
Die Demokraten haben ihre Wahlkampfseite schon ganz auf den Kandidaten Obama ausgerichtet. (www.democrats.org)

Datum: 10.06.2008

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