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Grimme-Online-Award

Wieder mit Panne

(tsch) Es war dann doch wieder eine ähnlich unprofessionell wirkende Angelegenheit wie im letzten Jahr: Auch 2008 konnten sich die Gewinner der Grimme-Online-Awards freuen, die Veranstalter dagegen nicht so sehr: Wie 2007 sickerten die Gewinner bereits vor der Verleihung an die Öffentlichkeit. War es im letzten Jahr ein "technischer Defekt", der der ganzen Angelegenheit so ein bisschen die Würde nahm, sei diesmal - angeblich - Indiskretion Schuld am Dilemma: Die Seite informationweek.de listete bereits Mittwoch-Nachmittag die Gewinner, der Branchendienst kress.de zog nach. Große Überraschungen gab es keine - und in der Tat überzeugen die diesjährigen Gewinner der seit 2001 vergebenen Auszeichnung durch die Bank.

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So gewannen im Bereich "Unterhaltung" zwei Angebote, die in ihrer Sparte tatsächlich so etwas wie die kreativen Speerspitzen sind: www.intro.de, die Online-Plattform des gleichnamigen Musikmagazins, ist eines davon. Die erst kürzlich einer umfangreichen Renovierung unterzogenen Seite entwickelte sich in den letzten Jahren stets weiter, baute Blog- und Bewegtbildelemente ein und wuchs nicht zuletzt durch eine extrem diskutierfreudige Community. Die Jury sah's ähnlich - "Fast noch aktueller ist das Forum zur Website - eine gepostete Frage zur Popkultur wird hier meist innerhalb von Minuten beantwortet. Ein Archiv fundierter Musikrezensionen, Interviews mit Akteuren der Indie-Szene, Audios und Videos und Veranstaltungshinweise ergänzen die aktuellen Inhalte zur Musik", heißt es da. "Literaturport - Der Literaturhafen im Internet" (www.literaturport.de) ist der andere Preisträger: Die Seite ist so eine Art interaktives Navigationssystem für Literatur in Brandenburg.

In der Kategorie "Information" gingen ARD und ZDF leer aus - zur Freude des WDR, dessen Mediathek (www.wdr-mediathek.de) den Sieg nach Hause nahm. In dem Portal werden Beiträge des WDR gesammelt, vor allem aber nach Regionen geordnet. Eine kluge und schnörkellose Navigation sorgt für schnellen Überblick, außerdem kann der User die Inhalte bewerten. Zweiter Preisträger in dieser Kategorie ist www.stoerungsmelder.org. "Wir müssen reden. Über Nazis" heißt es im Header der Seite. Und das erklärt ziemlich genau, worum es geht. Die Jury lobte: "Störungsmelder' überzeugt sowohl durch eine hohe Aktualität als auch durch eine intensive Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Debatte."

Bei "Wissen und Bildung" wurde eine Zielgruppe bedacht, die im Internet normalerweise eher zu kurz kommt - außer schülerVZ kennt wohl kaum jemand Seiten, die sich an eine dezidiert minderjährige Leserschaft richten. www.kids-hotline.de, eine Seite des Vereins Kinderschutz e.V. aus München, ist eine Online-Beratung, die alle Bereiche eines jungen Lebens abdeckt und hilft - in Foren, aber auch in Einzelberatungen. Ebenfalls einen Preis in dieser Kategorie nimmt www.zeitzeugengeschichte.de mit, eine Art Portal für Oral-History-Berichte der älteren Generation, in dem über 40 Senioren über Erlebtes berichten, in dem aber auch immer zu Hintergrundinformationen und kurzen historischen Überblicken verlinkt wird.

Freuen dürfte man sich bei der ambitionierten Kultur- und Szene-Seite hobnox.com. Die Macher des anspruchsvollen und sowohl technisch als auch inhaltlich immer zeitgemäßen Portals erhielten den Grimme Online Award "Spezial". Nicht weniger als wegweisend, so die Jury, sei Hobnox: "Der Begriff "Multimedia" ist in Bezug auf 'Hobnox.com' keine Worthülse, sondern hier wird wirklich gezeigt, wie in der Zukunft Angebote für das breitbandige, konvergente Internet aussehen können."

Auch einen Publikumspreis gibt es bei Grimme Online. Wo 2007 mit hausgemacht.tv ein wenig spektakuläres Angebot der SevenOneMedia gewann, konnte sich 2008 eine ernsthaftere Seite durchsetzen: Auf www.sandraschadek.de berichtet eine ALS-Betroffene in regelmäßigen Blog-Einträgen über die tödlich verlaufende Erkrankung.

Richard Witter


(www.intro.de)

(www.literaturport.de)

(www.wdr-mediathek.de)

Datum: 14.06.2008

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