logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Neue Platten - Musik News Kino Film Coldplay - Viva La Vida
Coldplay - Viva La Vida

Coldplay Viva La Vida

Anzeige

 

"Viva La Vida" macht es offensichtlich: Absolute und kompromisslose Hingabe zum Popsong an sich und ein verblüffendes Maß an ebenso handwerklicher wie referenzbewusster Vielfalt schließen sich nicht aus. Coldplay, das kann man schon so sagen, sind die derzeit wichtigste Band der Welt. Jeder Größenwahn ist gerechtfertigt: die Wahl des Covermotivs ("La Liberté Guidant Le Peuple", dieses gute zehn Quadratmeter große Bild aus dem Louvre, hastig überschmiert mit dem Albumtitel) ebenso wie die der Produzenten. Neben Brian Eno - passenderweise arbeitet er parallel am bald erscheinenden neuen U2-Album - entschied man sich für Markus Draws, der zuletzt mit "Neon Bible" von Arcade Fire eine der bemerkenswertesten Platten des letzten Jahres produzierte. Kurz gesagt: Coldplay kleckern nicht. Sie klotzen.

Natürlich könnte man ihnen das zum Vorwurf machen. Und natürlich könnte man ihnen auch sagen, dass es doch mit U2 eine Band gibt, die diesen Job bisher ganz ordentlich erledigt hat. Die also die Balance zwischen einer musikalischen Massenversorgung auf der einen und der Rolle als wohltätiger und sozialbewusster Repräsentant der Unterhaltungsindustrie auf der anderen Seite routiniert hält. Alleine: Das ist Unsinn. Denn so sehr man - ist ja manchmal ein leichter Sport - Bono & Co. verachten mag: Coldplay zelebrieren Stadionrock als 2.0-Variante, als nie geschmäcklerisches, aber immer geschmackssicheres Klerikalerlebnis - auch wenn die "Sonic Landscapes", die die Platte einläuten und beenden, vielleicht etwas zu sehr Brian Eno by Numbers sind.

Egal. Denn die Grandezza, die beherrschen Coldplay. Nach dem größtenteils eher Befindlichkeiten thematisierenden und etwas zu larmoyant inszenierten "X & Y" setzen sie auf ein Klangbild, das von seinen Produzenten lebt. Das latent Sphärische, das Enos Arbeiten mit U2 ausmacht und Draws' immer beinahe zu breit angelegte Rockismen ergänzen sich dabei gut: So vermeidet "Lovers In Japan / Reign Of Love" trotz eines fast Big-Country-mäßig angelegten Riesenhintergrundes mit Streicherbergen und eines sehr beherzt angeschlagenen Klaviers jede Einfältigkeit und kippt zur Mitte herrlich Richtung Epos-Pop um. "Lost!" hangelt sich an einer Kirchenorgel entlang. "Yes" lässt die Geigen vielschichtig kratzen und sich sowohl als Band- als auch als Beziehungsbiografie lesen, während Chris Martin fast wie Ian Brown durch tiefere Tonlagen als sonst nölt. Am Ende wechselt auch dieser Song die Stimmung und erinnert frappierend an die längst vergessenen Shoegaze-Sirenen Miranda Sex Garden. Der Titeltrack beginnt als nettes kleines Liedchen, wird aber ein bisschen zu stark aufgefüllt. "The old king is dead, now long live the king", heißt es hier, und dann kommen Paukengewitter und hauen alles um. Etwas schade.

Aber die Melodie ist es eben. Sie bleibt stets zwingend, sie ist es, auf die alles hinausläuft. Dass man manchmal den Eindruck hat, dass Coldplay Angst vor der Lücke haben, dass textlich ebenso etwas zu nah am Baukasten und am Wörterbuch der Geschichte gearbeitet wird, ist schon in Ordnung. Am Ende ordnet sich auch der schwerste Ballast immer noch dem Song unter. Und das ist dann eben auch der Unterschied zu U2.

Jochen Overbeck


Datum: 15.06.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Coldplay - Viva La Vida"

Um eine Diskussion zu "Coldplay - Viva La Vida" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 202416

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 74 - id = 5119 - task = view - option = com_content - limitstart= 0