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The Dresden - Dolls No, Virginia

The Dresden Dolls No, Virginia

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Rockmusik goes Brecht, Pop-Extravaganza goes Cabaret! Das Echo, das The Dresden Dolls vor ein paar Jahren mit ihrem selbst betitelten Debüt auslösten, hallt bis heute durch die Musiklandschaft. Vielleicht auch deshalb, weil man, vorausgesetzt man kennt das Bostoner Duo, ein genaues Bild der beiden vor Augen hat: schmucke Aufreißergarderobe aus der Ära der wilden 20er-Jahre, Amanda Palmers Strapse und Brian Vigliones Revers, bestückt mit einer Rose. Die Songs der beiden Avantgardisten werden von Schlagzeug und Klavier getragen. Pop, Klassik und Rock transformieren sich zum selbst ernannten "Brechtian Punk Cabaret" - da blieb kein Szenekenner-Auge in den Metropolen dieser Welt trocken.

Mit dem vor gut zwei Jahren erschienenen Nachfolger "Yes, Virginia" schien der Strom der Begeisterung etwas zu versiegen, trotz stringenter Fortsetzung ihres musikalischen Konzepts verfielen die Dresden Dolls einer gewissen Vorhersehbarkeit und sorgten beim Stammpublikum für Ernüchterung, während die noch unschlüssigen Hörer die Annäherung an Piano-Bombast meets Dark Pop goutierten.

Mit "No, Virginia", der Titel deutet es schon an, wird nun das Alter Ego zum Vorgänger nachgereicht. Die darauf enthaltenen elf Songs (davon acht neue, die es zum Teil nicht auf den Vorgänger schafften) jedoch vorschnell einer billigen Resteverwertung zuzuordnen wäre freilich nicht gerecht. Immerhin beherbergt "No, Virginia" eine Coverversion der Psychedelic Furs, die zumindest jeder Mittdreißiger kennen dürfte: "Pretty In Pink". Erfreulicherweise leiern sich die Dresden Dolls keinen V-Effekt aus den hochgekrempelten Ärmeln, sondern belassen es bei einer Version, die glaubhaft und gut nach 80er-Jahre klingt. Schummrige Keyboards wälzen sich zwischen analogem Beat und molligen Akkorden der schwarzen und weißen Tasten.

Einige dürften bereits die Stand-Up-And-Shout-Nummer "Lonesome Organist Rapes Page Turner" kennen, die schon als B-Seite aufwartete. Darüber hinaus darf "Mouse And The Model" als Demo brillieren, das selbst in dieser Fassung annähernd Stadion-Rock-Qualitäten hervorbringt. Was für ein Drumsound, und Amanda klingt, als hätte sie sich kurz vor der Aufnahme die komplette U2-Diskografie samt Bonos Pathos einverleiben müssen. Süffisant wildern die beiden mit "The Kill" in Gefilden des UK-Singer-Songwritertums. Tori Amos wäre stolz auf dieses verquere Kleinod. Das elegische "Gardener" outet die Band als große Storyteller, und im tonnenschweren "Boston" wird so viel Ergriffenheit auf einmal abgefeuert, dass es vielleicht für die nächsten beiden Platten noch gereicht hätte.

Constantin Aravanlis


Datum: 11.06.2008

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