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Schussangst

Schussangst

(tsch/cg) Man ist immer allein. Diese schmerzvolle Wahrheit ist das Thema des bedrückenden Dramas „Schussangst“ des aus Georgien stammenden Regisseurs Dito Tsintsadze, der seit 1996 in Berlin lebt. Die beklemmende Geschichte über den vollkommenen Realitätsverlust eines verliebten jungen Mannes namens Lukas Eiserbeck (Fabian Hinrichs) inszenierte Tsintsadze in ruhigen Bildern, die unter die Haut gehen. Die traurige Realität, die sich in den vielfältigen Schicksälen der Menschen widerspiegelt, von denen Lukas umgeben ist, schafft Verständnis für das zunehmend erschreckende Verhalten des Protagonisten.

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Menschen. Überall sind Menschen. Lukas Eiserbeck hat eigentlich keine Chance, alleine zu sein. Er lebt in der Großstadt und besucht als Zivi jeden Tag viele alte Leute, um ihnen das Essen zu bringen. Lukas hört eine Menge Geschichten, erlebt alle Facetten des Daseins. Aber in der Großstadt lebt man anonym, die Fenster der Häuser sind Tore in fremde Welten, die man nicht versteht. "Schussangst" (2003) von Regisseur Dito Tsintsadze zeigt nicht nur die Isolation. Seine Zuschauer fühlen die Einsamkeit, die ihnen der sympathisch-verletzliche Lukas Eiserbeck (großartig: Fabian Hinrichs, "Sophie Scholl - Die letzten Tage") nun erstmals auf DVD demonstriert.

Ein Kriegsveteran lebt in Erinnerungen an seine Landung auf Kreta, eine betagte Dame verkauft sich an Asylanten, die sie immer noch attraktiv finden, ein alter Herr nutzt die erste Gelegenheit, um sich mit seinem Rollstuhl die Treppe hinabzustürzen. Und sein Nachbar ist inbrünstiger Verehrer des nordkoreanischen Regimes. Nein, Lukas Eiserbeck hat eigentlich keine Chance alleine zu sein. Lukas Eiserbeck ist allein. Bis er Isabella (Lavinia Wilson) trifft und sich in sie verliebt.

Unbeholfen, schüchtern, ans Alleinsein gewöhnt sind beide von der plötzlichen Nähe eines anderen Menschen überfordert. Zumal Isabella eine merkwürdige, nie ganz geklärte, Beziehung zu ihrem Stiefvater hat, eine Mischung aus Abhängigkeit und Unterdrückung, die in Lukas Mordgedanken wecken, und die er trotz anfänglicher Schussangst bald nicht mehr niederhalten kann. Auch nicht, als der Stiefvater plötzlich eines natürlichen Todes stirbt.

Mit einfachen optischen Mitteln schafft der Georgier Dito Tsintsadze eine bedrückende Stimmung von Einsamkeit, Selbstzweifeln und unerfüllten Leidenschaften. Zwar ist die Handlungsführung nicht nur wegen des beklemmenden Themas sperrig und weigert sich die Geschichte, den Zuschauern eine angenehme Zeit zu schenken, aber der Film zeigt mit seiner subtilen Poesie des Alleinseins und den ausdrucksvollen Darstellern eine der schmerzvollen Wahrheiten des Lebens.

Technisch präsentiert sich die DVD ordentlich, aber schlicht. Das Bild weist keine Makel auf, ist aber durch den digitalen Dreh etwas pixelig. Auch der klare Dolby-Digital-2.0-Ton bietet kaum Anlass zur Klage, bietet aber auch nur Standardqualität. Der Bonusteil enthält nur ein Extra: Der 40-minütige Beitrag über den Auftritt des Filmteams beim Festival in San Sebastian - "Schussangst" gewann dort den Hauptpreis - ist allerdings sehr abwechslungsreich und informativ.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (2.0)
untertitel Englisch
extras Pressekonferenz zum Film auf dem Filmfestival von San Sebastian
laufzeit 101 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras befriedigend

Credits:
(D 2003, R: Dito Tsintsadze, D: Fabian Hinrichs, Lavinia Wilson, Christoph Waltz u.a.)


Hilflos in der Einsamkeit: "Schussangst" zeigt die Verletzlichkeit der Menschen.
Hilflos in der Einsamkeit: "Schussangst" zeigt die Verletzlichkeit der Menschen. (Alamode)

Lukas (Fabian Hinrichs) fühlt sich von Isabella (Lavinia Wilson) auf besondere Weise angezogen. Es beginnt eine außergewöhnliche Liebe.
Lukas (Fabian Hinrichs) fühlt sich von Isabella (Lavinia Wilson) auf besondere Weise angezogen. Es beginnt eine außergewöhnliche Liebe. (Alamode)

Eigentlich ist er Pazifist: Lukas (Fabian Hinrichs) erkundet nachts ein Jagdrevier.
Eigentlich ist er Pazifist: Lukas (Fabian Hinrichs) erkundet nachts ein Jagdrevier. (Alamode)

Datum: 16.06.2008

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Diskussion: "Schussangst"

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Artikel ID 202472

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