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Die Langspielplatte

Analog ist besser

(tsch) Gemäß einer alten Lehrformel verschwinden technisch überholte Medien nicht, sie verändern nur ihre Funktion. Trotz des Fernsehens werden noch Bücher gelesen, und der eine oder andere geht sogar noch ins Kino. Wer entsprechend geglaubt hat, mit der Erfindung der digitalen Wunderscheibe Compact Disc wäre der altgedienten Schallplatte der Garaus gemacht, sieht sich jäh getäuscht. Während die CD-Umsätze dank schier unbegrenzter Download-Optionen ins Bodenlose purzeln, erfreut sich der analoge Vinyl-Tonträger der größten Beliebtheit seit Jahren. Ob Klangpuristen, Sammler, DJs, Hi-Fi-Nerds oder Freunde haptischer Musikerfahrung: Schallplattenkäufer rekrutieren sich aus einem treuen, verlässlichen Publikum sämtlicher Generationen.

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Am 21. Juni 1948 präsentierte der Columbia-Ingenieur Peter Carl Goldmark die erste 12-Zoll-Langspielplatte mit der noch heute standardisierten Abspielgeschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute. Zeit, einmal nachzuschauen, wie das Internet den 60. Geburtstag des ewig jungen Dauerbrenners feiert.

Eine ausgezeichnete Einführung in die Geschichte der Schallplatte bietet die Seite www.tonaufzeichnung.de. Angefangen vom Wachszylinder über die Schellackplatte und die Compact-Cassette bis zur topaktuellen Blu-ray-Disc werden sämtliche Verfahren der Klangkonservierung historisch eingeordnet und technisch erläutert. Hinsichtlich der Vinylschallplatte erfährt man ganz Erstaunliches: Ganze 100 Rillen pro Zentimeter werden in das zu 85 bis 95 Prozent aus Vinylchlorid und zu 5 bis 15 Prozent aus Vinylacetat bestehende Kunststoffgemisch gepresst.

Erst 1952 kam die erste Vinylschallplatte auf den deutschen Markt, die ein je LP-Seite 23-minütiges Violinkonzert von Mendelssohn-Bartholdy enthielt. Seit 1958 werden Schallplatten mit einer Zweikomponentenschrift gepresst - gleichbedeutend mit dem allseits bekannten Stereo-Effekt. Einige erhellende Zeilen findet man hier überdies hinsichtlich des Plattenspielers, dem die evolutionäre Nische zwischen Grammophon und CD-Player gehört.

Ändert man die Perspektive weg von der Historie hin zur Gegenwart der schwarzen Plastikscheiben, ist es ratsam, den Blick nach Übersee zu richten. Unter www.recordcollectorsguild.org findet man die einschlägigste und verbindlichste Internetplattform rund ums Thema Plattensammeln. Zwar genießen nur angemeldete Mitglieder den vollen Service der Seite, doch auch Gäste erhalten Einblick in eine umfangreiche Linkliste sowie in eine Enzyklopädie der Fachbegriffe. Über die Bedeutung von cutout, ring wear oder gatefold sollte sich ein gewissenhafter Vinyljunkie jedenfalls im Klaren sein.

Nützlich sind ebenfalls Tipps, den Wert seiner Sammlung einzuschätzen sowie Hinweise zur Pflege und Aufbewahrung des empfindlichen Guts. Wer einmal bei Ebay durch die Vinylangebote gestöbert hat, wird um die Notwendigkeit wissen, das sogenannte Goldmine-Grading-System zu beherrschen. Von "Mint (M)" wie neu und ungespielt bis "Poor (P)" wie bis zur Unspielbarkeit ruiniert klärt ein haarklein erläutertes Abkürzungssystem über den genauen Zustand einer zum Verkauf stehenden Schallplatte auf.

Eine weniger umfangreiche, dafür aber deutschsprachige Informationsseite für Plattenfans findet man unter www.phono-info.de. Nach Frage-Antwort-Prinzip werden Einsteigerinformationen erteilt ("Wie schließe ich den Plattenspieler an die Anlage an?"), technische Einzelheiten erläutert ("Was bedeutet Antiskating?") und Tipps zur Tonträgerpflege vorgestellt ("Wie lagert man Schallplatten?").

Verlinkt wird man hier zu einer weiteren privat betriebenen Homepage mit der programmatischen URL www.vinyl-lebt.de. Seit dem Jahr 2000 können sich "Analogfreunde" einer Mailingliste anschließen und auf diese Weise an Diskussionsrunden teilnehmen. Wer unter den Mitgliedern besonders stolze Gefühle hinsichtlich seiner Hi-Fi-Gerätschaften hegt, kann diese unter der Rubrik "Hardware" bebildert und kommentiert für alle einsehbar hinterlegen. Von besonderem Nutzen ist die Seite überdies für ihre Hinweise zum Thema Plattenreinigung. Eine professionelle Plattenwaschmaschine, wenn sie etwa auf den Namen "Keith Monk" hört, kann schon einmal 2.500 Euro kosten. Umso dankbarer sind insbesondere Second-Hand-Käufer um die hier erläuterte "Cheap Thrill"-Methode. Mit etwas Isopropylalkohol, destilliertem Wasser und zwei bis drei handelsüblichen Mikrofasertüchern erreicht man bei verdreckten Schallplatten kleine klangliche Restaurierungswunder.

Wer nach Konsultieren der vorgestellten Seiten immer noch offene Fragen hat, sollte zuletzt unter www.analog-forum.de Rat finden, wo Threads zu den unterschiedlichsten Luxusproblemen der Schallplattencommunity laufen. Überdies ist hier nochmals eine umfangreiche Linkliste zum Thema hinterlegt.

Wem das rege Treiben der Analog-Enthusiasten ingesamt zu technisch, verbissen und humorlos ist, der sollte dennoch einen Blick auf den englischsprachigen Blog www.lpcoverlover.com werfen. Unter so trefflichen Kategorien wie "Beatniks", "Cops & Convicts", "Doctors & Nurses" oder "Strange Instruments" stöbert man hier durch teils grandiose Scans der erstaunlichsten Cover-Art-Raritäten, die das entscheidende Charme-Plus des Gesamtkunstwerks Schallplatte noch einmal bestens vor Augen führen.

Jens Szameit


Unter www.tonaufzeichnung.de findet man eine fundierte Geschichte der Klangkonservierung auf unterschiedlichsten Tonträgern.
Unter www.tonaufzeichnung.de findet man eine fundierte Geschichte der Klangkonservierung auf unterschiedlichsten Tonträgern. (www.tonaufzeichnung.de)

Erste Anlaufstelle für Plattensammler weltweit: die Seite www.recordcollectorsguild.org.
Erste Anlaufstelle für Plattensammler weltweit: die Seite www.recordcollectorsguild.org. (www.recordcollectorsguild.org)

Simpel in der Gestaltung, aber hilfreich in Fragen erster Phono-Hilfe: Die Seite www.phono-info.de.
Simpel in der Gestaltung, aber hilfreich in Fragen erster Phono-Hilfe: Die Seite www.phono-info.de. (www.phono-info.de)

Datum: 20.06.2008

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Diskussion: "Die Langspielplatte"

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