(tsch/cg) Wenn Teenager vielmehr mit ihrem Überleben als mit der Schule beschäftigt sind, kann das schon übel enden. Doch manchmal haben sie einfach keine Wahl. So auch Polischka (David Kross), der mit seiner egozentrischen Mutter Miriam (Jenny Elvers-Elbertzhagen) nach Neukölln zieht. Wie das böse Schicksal des 15-Jährigen seinen Lauf nimmt, zeigt der preisgekrönte Großstadt-Film „Knallhart“ aus dem Jahr 2006 von Regisseur Detlev Buck. Dieser lockte ca. 163.000 Zuschauer in die deutschen Kinos und läuft nun bei ARTE zum ersten Mal im Fernsehen.
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Polischka (David Kross) wächst ohne Vater auf. Gemeinsam mit seiner Mutter Miriam (Jenny Elvers-Elbertzhagen) lebt er - nach dem Rausschmiss bei ihrem reichen Lover - in einer heruntergekommenen Bude in Neukölln. Das mit dem "erziehungsberechtigt" sieht Miriam als fakultativ an, ist sie doch viel mehr damit beschäftigt, einen neuen Partner zu finden. Darüber vergisst man schon mal, dass der Sohn gerade in eine harte Schule geht und durch eine harte Schule muss.
Mit Neuentdeckung David Kross ist Buck ein Glücksgriff gelungen, oder genauer gesagt, seiner Tochter. Die hat den Schüler nämlich in einer Theatergruppe entdeckt. Die Kamera weicht nicht von seiner Seite, bleibt immer auf sein Gesicht gerichtet, dem man so wenig Emotion ansieht. Er wirkt weich, geduldig. Michael ist nicht dumm. Doch Intelligenz zählt nicht, wenn ihm Erol (Oktay Özdemir) und seine Gang Schläge androhen.
Nach einer kurzen Leidensphase hat Polischka mehr Glück als Verstand. Zumindest glaubt er das, als er die Chance bekommt, für den Drogendealer Hamal (Erhan Emre) arbeiten zu können. Er entschlüpft sehr schnell den Kinderschuhen - das lässt sich an Bildern festmachen: Er steigt auf das neueste und teuerste Paar Sneakers um. Doch der Luxus währt nicht lange. Die Schuhe, in denen der 15-Jährige Drogengeschäfte erledigt, werden größer und größer. "Knallhart" ist eine Geschichte, bei der man von Anfang an weiß, dass sie nicht gut ausgehen wird. Das Beklemmende daran: Man erkennt weder rechts noch links von der Handlung einen wirklichen Ausweg. Die Rolltreppe kann nur abwärts führen.
Der Film bietet keine Lösungen an, und auch Buck weiß keine eindeutige Antwort: "Vielleicht braucht es mehr Geld, damit die Schule ein Ort ist, an dem man reden kann, an dem nicht nur Mathe unterrichtet wird", sagt er. "Vielleicht sollte man auch die engagierten Lehrer, wie meinen im Film, honorieren; und den lustlosen, ausgebrannten hingegen Freizeit geben, damit sie Luft holen und die Frage beantworten können, ob sie den richtigen Job haben."
Vielleicht gelten für das Gelingen eines Dramas ähnliche Voraussetzungen wie für die Drogenkarriere. Polischka hat so ein ehrliches Gesicht, deswegen bekam er den Job als Kurier. Dieses ehrliche Gesicht und die vielen kleinen Kniffe des erfahrenen Regisseurs lassen "Knallhart" gelingen. Lediglich am Anfang gönnt sich Buck einen theatralischen Einstieg, der im Nachhinein gar nicht zum restlichen Film passen will, aber immerhin Aufmerksamkeit weckt und die Figuren scharf skizziert.
Nicht nur David Kross, der in Marco Kreuzpaintners Preußler-Verfilmung "Krabat" (Kinostart: 16.10.) die Titelrolle übernahm, konnte in "Knallhart" glänzen, auch Jenny Elvers-Elbertzhagen hinterlässt als egozentrische, aber keineswegs gefühllose Mutter einen sehr guten Eindruck. Das ehemalige Partygirl hat mit dem prominent besetzten Drama "Kopf oder Zahl" einen weiteren Kinofilm abgedreht. Ein Starttermin steht allerdings noch nicht fest.
Franziska Kramer
Michael Polischka (David Kross) rutscht in die illegale Szene Neuköllns ab. (WDR / Boje Buck)
Miriam Polischka (Jenny Elvers-Elbertzhagen) und ihr Sohn Michael (David Kross) müssen ihr nobles Domizil in Berlin-Zehlendorf aufgeben. (WDR / Boje Buck)
Lisa (Jamy Mußul) kümmert sich liebevoll um Michaels (David Kross) blutige Nase. (WDR / Boje Buck)
Datum: 24.06.2008
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