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Alone in the Dark

Spiel mit dem Feuer

Edward allein im Park: Der Gründer des Horror-Survival-Genres kehrt auf nahezu allen Systemen zurück. Ein kinoreifes Spektakel mit guten Ansätzen und leichten Schwächen ...

(tsch/mb) Schon der Titel des Survival-Horror-Games verursacht leichtes Gruseln. Die Erwartungen werden nicht enttäuscht: „Alone in the Dark“ ist ein sehr spannendes Spiel mit großartiger Atmosphäre und spektakulären Effekten. Die Horror-Mär überzeugt mit einer sehr realistischen Darstellung, die 15 Stunden genussvoller Angst verspricht. Die filmreife Inszenierung vermag über einige technische Schattenseiten des Spiels hinwegzutäuschen.

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Volljährige Spieler schlüpfen in die Lederjacke von Edward Carnby, der als Detektiv des Paranormalen unerklärlichen Phänomenen nachgeht. Was er zu Beginn der Handlung noch nicht ahnt: Diesmal ist er selbst Teil des Mysteriums - und ehe Edward sich versieht, baumelt er an der Fassade eines brennenden Hochhauses in New York. Das "Wie, weshalb, warum?" wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Alles dreht sich um den Central Park, von dem aus die Apokalypse ihren Lauf zu nehmen scheint ...

Dem Genre Survival Horror macht das jüngste "Alone in the Dark"-Abenteuer alle Ehre: Dank der opulenten Grafik, der filmreifen Inszenierung und des stimmungsvollen Soundtracks ist der Schrecken zum Greifen nah. Gäbe es einen Spiele-Oscar für Special Effects, "Alone in the Dark" wäre in diesem Jahr ein heißer Aspirant. Und was das Überleben angeht: Das wird dem Spieler richtig schwer gemacht - sei es durch Explosionen, Feuersbrünste, einstürzende Gebäude, geifernde Zombies oder durch lichtscheue Monster. Auch das Sprichwort, jemand sei "wie vom Erdboden verschluckt", muss man in "Alone in the Dark" wörtlich nehmen.

Carnby lässt sich wahlweise aus der Third-Person- oder Ego-Perspektive durch den riesigen Central Park, U-Bahn-Stationen und ein Museum steuern. Erstere fällt wegen der zahlreichen Kameraschwenks und schrägen Blickwinkel stimmungsvoller aus, Letztere ist übersichtlicher. Ein ständiges Wechseln ist also angesagt.

Atari versprach schon im Vorfeld vollmundig ein "Gameplay, das auf den Regeln der realen Physik beruht". Tatsächlich werden die teils knackigen Rätsel und Aufgaben durch die interaktive Umgebung, die Nachahmung von Bewegungsabläufen über den rechten Analogstick und die aktuelle Havok-Engine noch spannender: Baumelnde Elektrokabel wollen behutsam aus dem Wasser gefischt, Rattennester in MacGyver-Manier ausgeräuchert werden.

Apropos: Besonderen Wert legten die französischen Programmierer auf die realistische Darstellung von Feuer, was eindrucksvoll zu bewundern ist, wenn Carnby sich seinen Weg mit einem Feuerlöscher bahnen muss oder einen Stuhl anzündet, um ihn als Fackel zu benutzen. Wie bei einem Streichholz kommt irgendwann der Punkt, an dem man loslassen sollte ...

Ebenso realistisch: Im Verlauf der Handlung sehen der Held und seine Kleidung immer lädierter aus, bei schweren Verletzungen kann Edward nur noch humpeln. Bandagen und Ruhe helfen - sofern nicht eine Meute ekelhafter Kreaturen Jagd auf den Spieler macht. Manche der Viecher lassen sich bereits verscheuchen, indem man das Licht einschaltet. Andere müssen regelrecht eingeäschert werden.

Zu diesem Zweck lassen sich die meisten Gegenstände in der Umgebung kreativ zu Waffen umfunktionieren oder über das Inventar - die Jacke des Helden - miteinander kombinieren. So wird aus einer Spraydose und einem Feuerzeug ein Miniatur-Flammenwerfer. GPS und gesammelte Notizen helfen, nicht den Überblick zu verlieren.

Um den modernen Seh- und Spielgewohnheiten gerecht zu werden, wurde der Story der Episodencharakter einer TV-Serie verpasst. Innovativ ist dabei das "DVD Chapter Select"-Feature, das Frust vorbeugen soll: Kommt man an einer Stelle nicht weiter, kann man wie bei einer DVD zum nächsten Kapitel springen. Damit Spieler trotzdem motiviert bleiben, erfährt man die Auflösung am Schluss nur, wenn man genug Elemente durchgespielt hat. Um nach einer Pause schnell wieder in die Handlung zu finden, hilft eine "Was bisher geschah"-Sequenz.

Der ausgewogene Mix aus Action und Adventure, die filmreife Inszenierung und die Spieldauer von rund 15 Stunden machen "Alone in the Dark" zu einem interessanten Game für alle, die sich gerne gruseln und über ein paar technische Schattenseiten hinwegsehen können. Denn Edward bleibt nur zu gerne an kleinsten Kanten hängen oder kämpft mit der schwammigen Steuerung - vor allem wenn er im Auto in einer der spektakulärsten Szenen des Spiels unterwegs ist.

Dafür entschädigt die großartige Atmosphäre. Wer auf den spärlich beleuchteten durch den nebeligen Central Park läuft, bekommt es mit der Angst zu tun - vor allem, wenn man spielt, wie es der Titel vorschlägt: allein im Dunkeln.

Michael Eichhammer




Datum: 26.06.2008

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