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Pingpong

Pingpong

(tsch/vm) Matthias Luthardts Debütfilm "Pingpong" von 2006 ist ein intensives, erbarmungsloses Drama über Einsamkeit. Der Film wurde in Cannes sowie beim Münchner Filmfest für sein Drehbuch ausgezeichnet und allgemein von der Kritik mit Lob überhäuft. Ein bürgerliches Haus in der Provinz – der Inbegriff eines geregelten Lebens und einer intakten Familie – erweist sich anstatt als idyllische Stätte als ein Ort des Hasses und der Intrigen. Die nüchterne, Kammerspiel-artige Inszenierung und der eher beobachtende als wertende Blick des Regisseurs auf die Figuren verleihen dem Drama eine sehr realistische Dimension.

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Quälend lange Einstellungen, beobachtend statt kommentierend - so blickt Regisseur Matthias Luthardt hinter die perfekt gestutzten Hecken eines Einfamilienhauses im Vorort. Im Garten sonnt sich gerade Anna (Marion Mitterhammer) auf dem Bauch liegend oben ohne. Eine schöne Frau mit strengen Gesichtszügen. Als sie sich aufrichtet, achtet sie peinlich genau darauf, dass ihre Brüste bedeckt sind. Der Kommentar ihres lachenden Mannes Stefan (Falk Rockstroh): "Sieht dich doch keiner hier!" Schon wenig später steht der hübsche Neffe Paul in der Tür.

Diesem gelingt es perfekt zu ignorieren, dass er nicht willkommen ist. Noch weiß man nicht, was in dieser Familie vorgefallen ist, spürt jedoch die latent gereizte Atmosphäre. Alle sind mit sich beschäftigt. Stefan geht auf Geschäftsreise, Anna bereitet als ehemalige Pianistin ihren 16-jährigen Sohn Robert (Clemens Berg) am Flügel auf die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vor. Dieser versucht, ihre unangenehme Dominanz und Bevormundung durch heimliche Alkoholexzesse erträglicher zu machen. Auch Paul sucht sich eine Beschäftigung: Er bringt das verrottete Schwimmbad im Garten wieder auf Vordermann. Pauls Bedürfnis nach Nähe äußert sich in Provokationen. Anna spürt die begehrlichen Blicke des jungen Gastes und beginnt, seine emotionale Schwäche auszunutzen. Er wird zum Spielball zwischen Anna und Robert - ein Konflikt, den bald niemand mehr im Griff hat.

Kaum große Worte oder Gesten, die Schlinge des Unheils zieht sich subtil zu. Matthias Luthardts unaufgeregtes Erzählen sorgt für die größte Spannung. "Ein französischer Film, auf Deutsch gedreht", hieß es von der Kritik in Cannes. Gemeint ist der unbestechliche, realistische Blick auf die Figuren und die Bildsprache. "Pingpong" sorgt während des Sehens für Gänsehaut und bleibt im Gedächtnis. Wer so gut inszeniert wie Matthias Luthardt, muss seinen Zuschauern nicht alles explizit vorkauen. Die Botschaft kommt an.

Franziska Kramer



In "Pingpong", einem handwerklich perfekt inszenierten deutschen Kammerspiel, sorgt ein junger Eindringling (Sebastian Urzendowsky) für Unruhe bei seinen reichen Verwandten.
In "Pingpong", einem handwerklich perfekt inszenierten deutschen Kammerspiel, sorgt ein junger Eindringling (Sebastian Urzendowsky) für Unruhe bei seinen reichen Verwandten. (MDR / Junghans)

Anna (Marion Mitterhammer) ist anfangs gar nicht begeistert, als ihr Neffe Paul (Sebastian Urzendowsky) bei ihr zu Hause auftaucht.
Anna (Marion Mitterhammer) ist anfangs gar nicht begeistert, als ihr Neffe Paul (Sebastian Urzendowsky) bei ihr zu Hause auftaucht. (MDR / Junghans)

Anna (Marion Mitterhammer) und ihr Mann Stefan haben Mitleid mit Paul und nehmen ihn bei sich auf.
Anna (Marion Mitterhammer) und ihr Mann Stefan haben Mitleid mit Paul und nehmen ihn bei sich auf. (MDR / Junghans)

Datum: 30.06.2008

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Artikel ID 201852

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