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Hancock

Hancock

(tsch/cg) Will Smith ist der ultimative Endzeit-Held. In Roland Emmerichs Kassenschlager „Independence Day“ von 1996 rettete er die Welt vor Außerirdischen, ein Jahr später kämpfte er in der Action-Komödie „Men in Black“ erneut gegen Ekel erregende Aliens, und letztens setzte er sich als letzter Überlebender in „I am Legend“ für die Wiederauferstehung der menschlichen Rasse ein. Nun ist er „Hancock“: ein gefallener (Comic-)Held, der keine Lust mehr hat, Superman zu spielen. Er hat Alkoholprobleme, wohnt in einem Wohnwagen und ist permanent schlecht drauf. Die Idee, das ewige Comic-Klischee des großen Helden zu durchbrechen, wäre auf jeden Fall besser gelungen, würde sich Hancock nicht im Endeffekt doch auf die wahren Werte besinnen und dadurch für solch ein banales Finale der Geschichte sorgen.

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Die Menschen hassen Hancock. Die Rolle als Unsympath ist durchaus ungewöhnlich für den zurzeit mächtigsten Schauspieler Hollywoods. Smith ist als Held wider Willen ungepflegt, launisch und notorisch herablassend. Selbst vor Kindern weiß Hancock sich nicht zu benehmen. Und wenn er jemanden rettet, dann richtet er grundsätzlich so viel Sachschaden an, dass die Polizei ihn bittet, sich aus ihren Angelegenheiten herauszuhalten. Es scheint, als wolle sich der starke Mann mit Absicht ins gesellschaftliche Aus befördern. In einer Blechdose bewahrt er zwei Kinokarten für den Klassiker "Frankenstein" auf, ein nur allzu schlagender Hinweis auf seine desolate Seelenlage.

Die Situation scheint für beide Seiten aussichtslos: Während Hancock seine Rettungspflichten erfüllt, indem er von einer Unart in die nächste stampft, Straßen mit seinen Sprüngen und Landungen zerstört, Bürotürme in Schutt und Asche legt und reihenweise Autos demoliert, türmen sich zwar die Haftbefehle gegen ihn, doch niemand traut sich, sie zu vollstrecken. Wie durch einen Zufall rettet er eines Tages dem gescheiterten PR-Manager Ray das Leben, der in seinem Retter eine Möglichkeit sieht, in seinem Job endlich erfolgreich zu sein. Ray, gespielt von Jason Bateman, überzeugt ihn von einer Radikalkur, die ihn endlich zu dem machen soll, was er ist: ein Held. Nur leider kommt Ray seine Frau Mary (Charlize Theron) dazwischen, die mehr verbirgt als ihr Geheimnis für ihr Fleischklöße-Rezept.

Das Drehbuch zu "Hancock" hatte schon über ein Jahrzehnt lang Staub angesetzt, als es von "Operation: Kingdom"-Regisseur Peter Berg aufgegriffen wurde. Ein gefallener (Comic-)Held erschien zu unpassend für ein Publikum, das lieber das genaue Gegenteil sehen wollte. Durch den Erfolg zahlloser Filmadaptionen berühmter Comics wie "Spider-Man" und "X-Men" mag die Zeit nun gekommen sein, das Spektrum des Genres zu erweitern und Rollenklischees zu durchbrechen. Und doch wirkt Will Smiths Hancock wie eine bloße Parodie auf die Blockbuster der vergangenen Jahre.

Die überraschende Vielseitigkeit von Charlize Theron in der Rolle der geheimniskrämerischen Hausfrau mit ungeahnten Potenzialen und kurioser Lebensgeschichte verhilft dem klamaukigen Treiben dagegen zu etwas mehr Tiefe. Die heraufbeschworene Liaison zwischen Hancock und Mary lebt allein von Therons ambivalentem Spiel zwischen Furie, Grazie und Mauerblümchen. Jason Bateman macht als harmloser PR-Mann mit gutem Herz eine gute Figur, ist aber trotz seiner tragenden Rolle nach dem Abspann ebenso schnell aus dem Gedächtnis des Zuschauers verschwunden wie die kurzweiligen Gags der 90-minütigen Geschichte.

Wie Produzent Akiva Goldsman ("Mr. & Mrs. Smith", "I am Legend") verrät, seien einige Szenen der Schere zum Opfer gefallen, unter anderem, um die Altersfreigabe nicht zu gefährden. So werden neugierige Kinogänger auf die Veröffentlichung der DVD warten müssen, auf der zu sehen sein wird, welche durchschlagenden Auswirkungen Hancocks Liebesleben hat. An der schematischen Handlung, die dem klassischen Muster der Selbsterkenntnis folgt und schließlich in einem erschreckend konventionellen Finale mündet, wird dies aber kaum etwas ändern können.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2008, R: Peter Berg, D: Will Smith, Charlize Theron, Daeg Faerch u.a.

Laufzeit: 92 Min.

Kinostart:
3. Juli 2008


Ein angeschlagener Superheld muss um sein Ansehen kämpfen.
Ein angeschlagener Superheld muss um sein Ansehen kämpfen. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Superheld Hancock (Will Smith) löst Probleme auf seine Art - oft sehr zum Leidwesen der Bevölkerung von Los Angeles.
Superheld Hancock (Will Smith) löst Probleme auf seine Art - oft sehr zum Leidwesen der Bevölkerung von Los Angeles. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Kann ein PR-Berater (Jason Bateman, links) das Image von Hancock (Will Smith) wieder aufpolieren?
Kann ein PR-Berater (Jason Bateman, links) das Image von Hancock (Will Smith) wieder aufpolieren? (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 30.06.2008

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Diskussion: "Hancock"

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