(tsch/mb) Die Rollen der in Südafrika geborenen US-Schauspielerin und Oscarpreisträgerin Charlize Theron könnten nicht unterschiedlicher sein. Mal hässliche Prostituierte und Mörderin („Monster“, 2003), mal oberflächliches Topmodel („Celebrity“, 1998), mal Sexsymbol in Latex („Aeon Flux“, 2005): Einem Chamäleon ähnlich schlüpft sie in verschiedenste Charaktere. Im Interview spricht die Hollywood-Schönheit von ihrem Desinteresse am Genredenken und am Aufbauen eines bestimmten Images. In ihrem neuen Film spielt sie ein Mauerblümchen, eine brave Ehefrau, die ein großes Geheimnis birgt: die Kräfte einer Superheldin. Der gefallene Comic-Held Hancock (Will Smith) erweist sich im gleichnamigen Film als ihr jahrtausendalter Ehemann. Doch es kommt trotz beidseitiger Zuneigung nicht zur ersehnten Liebesbeziehung zwischen den beiden, was der sonst etwas oberflächlichen Comic-Parodie einen tragischen Beigeschmack verleiht.
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teleschau: Zum zweiten Mal nach "Aeon Flux" spielen Sie in einem schnörkellosen Actionfilm. Was interessiert Sie an diesen doch recht klischeehaften Figuren?
Charlize Theron: Für mich ist das Geschichtenerzählen stark mit körperlicher Aktivität verbunden. Ich sehe mich aber nicht als großer Action-Star, sondern bin eben sehr aktiv. Ich treibe gerne Sport. Ich war zwölf Jahre lang eine Ballerina, das sagt ja wohl alles. Der physische Aspekt des Erzählens war schon immer ein Teil meines Lebens. In meinen Filmen bin ich aber nicht unbedingt auf Kampfszenen angewiesen. Man kann sehr viel mehr über Charaktere erfahren, indem man beispielsweise ihren Gang oder sich ihre Haltung beobachtet, als wenn man ihnen zuhört.
teleschau: Macht es für Sie einen großen Unterschied, eine Komödie, ein Drama oder einen Actionfilm zu spielen?
Charlize Theron: Ich halte vom Genredenken nichts und bin davon auch völlig unbeeinflusst, wenn ich meine Rollen auswähle. Deshalb scheinen meine Filme auch meistens zu ganz unterschiedlichen Genres zu gehören. Ich jedenfalls möchte immer überrascht werden.
teleschau: Komödien spielten bislang eher eine untergeordnete Rolle ...
Charlize Theron: Ja, leider habe ich da bisher noch nicht so viele Erfahrungen sammeln können. Ich wünschte, das könnte ich noch ausweiten. Ein Anfang ist aber zumindest gemacht: Ich spielte in einigen Folgen der Fernsehcomedy "Arrested Development" mit, nachdem sie den Emmy gewonnen hatte. Letztlich geht es doch immer um Authentizität. Es ist immer derselbe Arbeitsprozess. Es geht darum, echt zu wirken und nicht mechanisch irgendwas abzuspulen.
teleschau: Wie authentisch ist dann die Geschichte über zwei Superhelden, die zueinander gehören, aber nicht zusammenkommen können?
Charlize Theron: Wieso sterben Romeo und Julia, ohne dass wir sie bei ihren Flitterwochen sehen oder wie sie miteinander alt werden? Diese Frage verfolgt uns, seitdem es Geschichten gibt und es sich als sinnvoll herausgestellt hat, dem Publikum eben nicht alles zu geben, wonach es verlangt. So ist schließlich auch das Leben: Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Wenn Sie sich mit einer Frau zu einem Date verabreden und sie gibt ihnen sofort alles, was Sie sich wünschen, dann werden Sie schnell gelangweilt sein, oder nicht?
teleschau: Trotzdem stellt sich die Frage, wieso es zwischen Ihnen und Will Smith nur einen flüchtigen Kuss gibt.
Charlize Theron: Wir küssen uns durchaus, kurz bevor ich ihn mitsamt dem Kühlschrank durch die Hauswand werfe. Aber ich scheine keine gute Küsserin zu sein, andernfalls bliebe diese Szene ja besser in Erinnerung! Aber es ist richtig, dass wir noch mehr Szenen gedreht haben, in denen wir uns küssen, diese aber herausgeschnitten wurden. Es geht doch vielmehr um das Problem, dass die beiden zwar um alles in der Welt zusammen sein wollen, aber nicht dazu fähig sind. Da ist es doch wirklich nicht so wichtig, dass ich über sein ganzes Gesicht sabbere.
teleschau: Was macht den Reiz von tragischen Romanzen aus?
Charlize Theron: Tragische Begebenheiten nehmen uns mehr mit als die, die uns glücklich machen. Alles im Leben, das uns vollends zufriedenstellt, ist nur schwer erinnerbar. Warum können wir uns so gut an all die tragischen Momente in unserem Leben erinnern? Warum können wir nicht vergessen, wie uns das erste Mal das Herz gebrochen wurde? Warum aber vergessen wir unseren ersten Freund, der alles dafür getan hat, damit es uns gut geht? Ich habe eine sehr viel emotionalere Beziehung zu dem Kerl, der mich auf fieseste Art und Weise hat sitzen lassen und mich nicht geliebt hat, als zu demjenigen, der mich liebte, sich um mich sorgte und durch und durch gut zu mir war. Wir tendieren dahingehend mehr zum Schmerz als zu den schönen Erfahrungen im Leben.
teleschau: Sie wurden in Südafrika geboren und nahmen vor Kurzem die amerikanische Staatsbürgerschaft an: Wieso gerade jetzt?
Charlize Theron: Ich habe die eine Hälfte meines Lebens in Südafrika verbracht, die andere Hälfte aber im Ausland. Einige Jahre lebte ich in Europa, die längste Zeit aber in Los Angeles. In den vergangenen acht Jahren wurde ich immer frustrierter. Nicht, weil ich mir einbilde, Amerika verändern zu können. Doch mir wurde das Gefühl gegeben, dass ich zwar vor Ort lebe und mich häuslich eingerichtet habe, aber eigentlich nicht dazugehöre: Ich halte mit meiner politischen Meinung nicht hinterm Berg, sondern äußere sie freimütig, weshalb mir vorgeworfen wurde, dass mir das doch gar nicht zustehe, weil ich keine amerikanische Bürgerin sei. Das war zwar nicht der einzige Grund, aber es trug seinen Teil dazu bei, dass ich mich letztlich entschieden habe, die doppelte Staatsbürgerschaft anzunehmen. Schließlich fühle ich mich derzeitig dort zu Hause. Aber Südafrika wird weiterhin ein wichtiger Teil meines Lebens und meiner Identität sein.
Leif Kramp
Charlize Theron wechselt gerne zwischen den Genres. Nun startet mit "Hancock" ein klassischer Actionfilm. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)
Die Deutschlandpremiere von "Hancock" fand im Berliner CineStar Sony Center statt. Charlize Theron präsentierte sich auf der Bühne ihren Fans. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)
Zu Gast in Berlin anlässlich der Deutschlandpremiere von "Hancock": Will Smith (links), Charlize Theron und Regisseur Peter Berg. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)