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Nick Park

"Wallace ist wie mein Vater"

Regisseur Nick Park

(tsch) Nick Park ist ein unauffälliger Mann: Er kleidet sich mit gestreiften Hemden in gedeckten Tönen, sein Haarschnitt ist gewöhnlich, und auch sonst kann der 46-jährige Engländer leicht unerkannt verschwinden. Park macht einen unsicheren, verlegenen Eindruck und entspricht damit auf sympathischste Weise der Vorstellung eines akribisch arbeitenden Animationskünstlers, der die Ruhe hat, einen 90-minütigen Film aus Knete zu basteln und alles aussehen zu lassen wie einen großen Action-Film. Park ist mehrfacher Oscar-Preisträger: Für seine Kurzfilme über das Herrchen-Hund-Duo Wallace und Gromit wurde er zum Star der Animationsszene. Von Computern hält er nichts, sitzt lieber, seit er zwölf Jahre alt ist, am Schreibtisch und arbeitet mit Knete in allen möglichen Farben. Daraus entstand nun im ersten abendfüllenden Film mit seinen Helden ("Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen", Start: 13.10.) eine verwunschene Welt aus Vorgärten und Gemüsebeeten, in denen viele kleine und ein mutiertes Kaninchen ihr Unwesen treiben. Es dauert seine Zeit, bis Park auftaut und beispielsweise über Internet-Recherchen nach einem höllisch stinkenden Käse erzählt; denn Wallace ist schließlich ein absoluter Käse-Narr. Welche realen Bezugspersonen hinter seinen Fantasievollen Figuren stecken, welche Hindernisse es beim Dreh zu überwinden galt und welchen Einfluss Hollywood hatte, erzählt er im Interview.

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teleschau: Wie sind Knet-Laien. Können Sie erklären, wie man einen abendfüllenden Film mit zwei kleinen Knetfiguren macht?

Nick Park: Nun, auch ich hatte die größten Schwierigkeiten damit. Um Ihnen eine Vorstellungen davon zu geben: Wir haben 25 etwa 20 Zentimeter große Kopien von Wallace und seinem Hund Gromit - schließlich haben wir 30 verschiedene Sets, auf denen zum Teil gleichzeitig gedreht wird. Und natürlich brauchen wir auch einige Figuren mehr, falls mal eine abhanden kommt wie damals in New York (lacht).

teleschau: Da sollen sie zwei Unikate in einem Taxi vergessen haben.

Park: Ja, das stimmt. Aber wir haben sie am Ende wieder bekommen. Aufwändig ist natürlich der Bau der Sets: Deren Größe variiert von einem Quadratmeter bis zu Wohnzimmer-Ausmaßen. Das alles lässt sich natürlich nicht alleine bewältigen. Deshalb habe ich mir die Regie-Arbeit mit Steve Box geteilt. Wir schrieben auch gemeinsam mit Bob Baker das Drehbuch.

teleschau: Bei einigen Szenen hat es den Anschein, als wären Sie dem Reiz der Computeranimation erlegen?

Park: Was die Figuren-Szenen angeht, hätten wir einige Szenen wie zum Beispiel eine King-Kong-Reminiszenz tatsächlich mit dem Computer animieren können. Das hätte uns zwar eine sehr viel größere Stange Geld gekostet, doch wir hätten es sicherlich auftreiben können. Aber: Wir beschränkten den Computer-Einfluss auf Landschaftsdarstellungen und auf Nebel zum Beispiel. Allein schon durch die Verweise auf einige der größten Filmklassiker wollten wir grundsätzlich dem Wallace & Gromit-Flair treu bleiben und alles in Stop-Motion, also mit echter Knete, drehen. Also bastelten wir das Riesenkaninchen in einer Größe von etwa 30 Zentimetern und echtem Fell - echtem Teddybär-Fell. Wir wollten kein echtes Kaninchen dafür auf dem Gewissen haben.

teleschau: Wie viele Crewmitglieder haben im Angesicht dieses Aufwands das Handtuch geworfen?

Park: Alle Mitarbeiter unterlagen natürlich einem immensen Druck. Ich hätte es keinem übel genommen, wenn er verrückt geworden wäre (lacht). Wir arbeiteten jeden Tag durch, um im Zeitplan zu bleiben. Aber ich war erfolgreich, konnte sie motivieren. Dazu habe ich fleißig Tee gekocht und sie ständig gelobt. Was die Crew aber wirklich angetrieben hat, war sicherlich die Befriedigung, die automatisch empfunden wird, wenn eine solch aufwändige Arbeit zu etwas führt.

teleschau: Wieso ließen Sie sich so lange Zeit, einen ersten Spielfilm mit W&G zu drehen?

Park: Der Erfolg der drei Kurzfilme war so groß, dass ich nicht recht wusste, ob es klug wäre, gleich einen vierten Film hinterher zu schieben. Das Risiko, auf diese Weise zu scheitern, war einfach zu groß. Ich brauchte eine gute Geschichte, die ich erzählen konnte. Deswegen war es nur logisch, zuerst "Chicken Run - Hennen rennen" zu drehen.

teleschau: Kam Ihnen die Idee für die Geschichte bei der Arbeit im heimischen Garten?

Park: Nein, im Gegenteil: in einem Pub in Bristol. Ich saß dort mit Bob Baker, der ja auch schon an den Kurzfilmen mitgearbeitet hat. Die Abenteuer von Wallace und Gromit waren bisher irgendwie nicht von dieser Welt und erschienen doch so gewöhnlich wie das Leben selbst. Irgendwann kam mir die Idee, dass es doch eine lustige Vorstellung wäre, wenn kleine Häschen in Gemüsegärten räubern, angefangen mit dem von Wallace und Gromit. Der nächste Gedanke war: Welche Genres hatten wir schon durchexerziert? Auf einmal blitzte der Gedanke auf, wir könnten uns doch mit der Werwolf-Thematik im Stil der alten Horrorfilme befassen: Anstelle des Wolfes nahmen wir ein Kaninchen, und anstelle von Leuten nahmen wir Gemüse. Fertig war das Konzept.

teleschau: Welche realen Personen standen für Wallace und Gromit Pate?

Park: Ich hatte nie einen Hund. Gromit ist der Hund, den ich niemals hatte. Aber eigentlich ist er ein Mensch in hundischer Hülle. Und Wallace erinnert mich immer wieder an meinen Vater. Seine Augen berührten sich zwar nicht in der Mitte, und er hatte auch nicht solch einen ausladenden Mund, aber beide Charaktere ähneln sich schon sehr. Er bastelte immer im Gartenhaus, war zwar kein richtiger Erfinder, aber sehr praktisch veranlagt, machte viel aus Holz. Wenn ich Wallace animiere, sehe ich ihn manchmal plötzlich vor mir.

teleschau: Ist der erste große Film gleich auch das letzte Abenteuer für Ihr Duo?

Park: Ich entwickle ständig neue Ideen und überlege mir, wie ich sie filmisch umsetzen könnte. Aber ich plane keine Fortsetzung, noch nicht. Gerade weil die Entstehungsphase so langwierig ist, möchte ich mir Zeit lassen, damit es den richtigen Verlauf nimmt. Nur des Geldes wegen lasse ich mich nicht überreden. Ich muss mir sicher sein, dass es gut ist, wenn ich mich wieder darauf einlasse. Aber vielleicht drehe ich auch mal einen ganz anderen Film - mit echten Menschen.

Leif Kramp


Nick Park führte Regie bei "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen".
Nick Park führte Regie bei "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen". (2005 DreamWorks Animation LLC and DreamWorks LLC. TM & Aardman)

Regisseur Nick Park (rechts) und Dreamworks-CEO Jeffrey Katzenberg stellten "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" in Cannes vor.
Regisseur Nick Park (rechts) und Dreamworks-CEO Jeffrey Katzenberg stellten "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" in Cannes vor. (2005 DreamWorks Animation LLC and DreamWorks LLC. TM & Aardman)

Seine Weltpremiere feierte "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" in Australien. Nick Park war zu Gast.
Seine Weltpremiere feierte "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" in Australien. Nick Park war zu Gast. (David Anderson)

Datum: 09.10.2005

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Diskussion: "Nick Park"

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