(tsch/vm) Bulgarien ist nicht gerade bekannt für sein Kino. Das Filmdebüt „Affen im Winter“ der bulgarischen Regisseurin Milena Andonova gab jedoch 2006 einen Grund zu hoffen, dass es nicht mehr lange so bleibt. Denn das Drama wurde beim nationalen Filmfest „Die Goldene Rose“ als die lang ersehnte Rückkehr des bulgarischen Kinos gefeiert. Beim „Karlovy Vary International Film Festival“ gewann die Regisseurin den Preis in der Kategorie „beste Regie“. Der Film erzählt von drei bulgarischen Frauen, die zu verschiedenen Zeiten in Bulgarien leben. In drei voneinander getrennten Episoden werden ihre Schicksäle präsentiert. Obwohl sehr unterschiedlich, ähneln die Protagonistinnen in einem Punkt einander: Sie sehnen sich nach etwas, wofür sie alles zu tun bereit sind. Wie sich ihre schicksalhaften Entscheidungen auf ihr Leben auswirken, erzählt das Drama in sehr kunstvollen, doch etwas zu distanzierten Bildern.
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Dona, eine Roma, lebt Anfang der 60er-Jahre am Rande von Sofia, alleine mit ihren drei Kindern. Sie ist leidenschaftlich, sangesfreudig und lebenslustig, rappelt sie immer wieder auf, nachdem einer ihrer Liebsten sie verlassen hat. Doch sie muss hart kämpfen, um für ihre Kinder zu sorgen, und ihr Lebenswandel ist den wichtigen Leuten im Ort ein Dorn im Auge. So nimmt sie den Rat an, einen älteren Invaliden zu ehelichen, um die Versorgung der Familie zu gewährleisten. Doch dann stellt sich heraus, dass der Patriarch es auf die älteste Tochter abgesehen hat ... Dona wird eindrucksvoll gespielt von Bonka Ilieva-Boni, einer populären bulgarischen Popfolk-Sängerin.
In der nächsten Episode, die 20 Jahre später in Sofia spielt, ist Lukretia (Diana Dobreva) die Heldin, eine erfolgreiche Jura-Studentin. Doch als sie erfährt, dass sie nach ihrem Examen in die Provinz versetzt werden soll, ist sie verzweifelt genug, um alles zu tun, was ihr die weitere Aufenthaltsgenehmigung in der Stadt sichert. Plangemäß wird sie schwanger von einem Mitstudenten, doch dann verliebt sie sich in einen jungen Franzosen, der ihr ein Leben im Ausland verspricht.
Hausfrau Tana (Angelina Slavova) schließlich wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Sie ist glücklich verheiratet mit dem Bauunternehmer Lazar, der den beiden im Jahr 2001 ein angenehmes Dasein ermöglicht. Doch Tanas größter Wunsch bleibt unerfüllt. Es stellt sich heraus, dass Lazar zeugungsunfähig ist. Was Tana daraufhin unternimmt, geht für das Paar nicht gut aus.
Nur peripher greifen die drei Handlungsstränge ineinander - wenn die Frauen beispielsweise die gleichen Orte besuchen. Solche mit Wasser sind besonders bedeutungsvoll für die Regisseurin. Ein Spa spielt eine wichtige Rolle. Zwei der Frauen sehen außerdem die gleiche Dokumentation im Fernsehen: über die titelgebenden Affen im Winter, die sich an heiße Quellen zurückziehen. Symbolhaft ist der Film, stark in den Bildern von Kameramann Rali Ralchev ("Luna Papa"), geradezu poetisch in seiner Komposition. Kunstvoll. Das schafft jedoch auch eine betrachtende Distanz.
Es ist ein Film von Frauen über Frauen. Ein Versuch, etwas über Frauen, Mutterschaft und Sehnsüchte zu allen Zeiten auszusagen. Die Handlung basiert auf Kurzgeschichten der Autorin Maria Stankova, die gemeinsam mit der Regisseurin das Drehbuch schrieb. Milena Andonova ist die Tochter des legendären bulgarischen Regisseurs Metodi Andonov. Ihre Schwester Nevena Andonova fungierte bei "Tana, Dona und Lukretia" als Produzentin. Der Film wurde beim nationalen Filmfestival "Die Goldene Rose" mehrfach ausgezeichnet und als Zeichen für die Rückkehr des bulgarischen Kinos gelobt.
Mona Petri
Dona (Bonka Ilieva-Boni) ist eine temperamentvolle Frau. (ZDF / Tatfilm / Simon Versano)
Um ihre Familie zu versorgen, geht Dona (Bonka Ilieva-Boni) weit. Bis zur Prostitution. (ZDF / Tatfilm / Simon Versano)
Lukretia (Diana Dobreva) hat sich in den Franzosen Frantzuzina (Sava Lolov) verliebt, erwartet jedoch ein Kind von einem anderen Mann. (ZDF / Tatfilm / Simon Versano)
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