(tsch/cg) Wer ist nun gut und wer böse in Mike Barkers Drama „Good Woman“? Die Mrs. Erlynne (Helen Hunt) lebt im New York der dreißiger Jahre. Sie ist Meisterin darin, reiche verheiratete Männer um ihren Finger zu wickeln. Auch hat Mrs. Erlynne ihr Hobby zum Beruf gemacht: Die von ihrer smarten Art und ihrer Schönheit hingerissenen Männer öffnen mit Freude ihre Geldbeutel für die Dame mit dem bösen Ruf. Was andere von ihr halten, ist der Femme fatale egal. Diese „Good Woman“ weiß es, inmitten der noblen High-Society-Welt zu überleben, die aus Klatsch und niedrigen Intrigen besteht. Die auf einem Theaterstück Oscar Wildes basierende Romanze erzählt stilvoll, spannend und unterhaltsam von einer starken Frau in einer prüden Zeit.
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Ihre Langeweile versüßt die in Italien versammelte feine Gesellschaft aus englischen Lords und amerikanischem Geldadel mit Klatsch und Intrigen. Da kommt eine bemitleidenswerte mittellose Person wie Mrs. Erlynne gerade recht, denn sie muss aktiv werden, um sich zu finanzieren. Auf der einen Seite sieht man sie bei heimlichen Treffen mit dem jungen Finanzier Robert Windermere (Mark Umbers). Doch dann ist da noch der millionenschwere Lord "Tuppy" (Tom Wilkinson), der ihr den Hof macht.
Die Klatschmäuler reden schon das Ende der Ehe Windermeres herbei und versuchen, die junge Gattin Meg (Scarlett Johansson) dem Playboy Lord Darlington (Stephen Campbell) in die Arme zu treiben. Auch wenn Mrs. Erlynne das Spiel besser als alle beherrscht, stellt sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Wohl eines anderen über ihr eigenes - mit weitreichenden Folgen für ihr Leben.
Mit "A Good Woman" wurde das Theaterstück "Lady Windermeres Fächer" von Oscar Wilde aus dem Jahr 1892 sanft modernisiert. In dem klassisch inszenierten Kostümkino jagen sich die Bonmots. Dabei läuft es auf die Konfrontation zweier Frauen, dargestellt von Schauspielerinnen aus unterschiedlichen Generationen, hinaus. Scarlett Johansson hat den Vorteil, jung zu sein - das war es dann aber in dieser Rolle auch schon. Regisseur Mike Barker ("Best Laid Plans") lässt leider zu, dass sie von Helen Hunt an die Wand gespielt wird. Die darf den Männern den Kopf verdrehen und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere witzig, sinnlich und schön sein - eine Traumrolle, die es nicht mehr alle Tage gibt.
"Verrucht und arm", das sagt Mrs. Erlynne über sich, aber trotzdem eine anständige Frau? Auf jeden Fall eine emanzipierte und leidenschaftliche. Doch das gilt mancherorts inzwischen schon wieder als negativ. In der literarischen Vorlage von Oscar Wilde stammen alle Figuren aus England. Im Film dagegen zeigt eine ältere Amerikanerin einer Jüngeren aus einer immer prüderen Generation, was Frauen wirklich wollen. Reich geheiratet zu haben - das ist eben nicht alles. Doch gehört sie nun zu den Guten, unsere Mrs. Erlynne im besten Alter? "Es ist absurd, die Menschen in gute und schlechte einzuteilen. Sie sind entweder amüsant oder langweilig", sagt Oscar Wilde.
Hans Czerny
Die dreiste Mrs. Erlynne (Helen Hunt) sorgt für Aufregung, als sie an der Amalfiküste auftaucht. (Universum Film)
Meg Windermere (Scarlett Johansson) gehört der New Yorker High Society an. (Universum Film)
Das Ehepaar Meg (Scarlett Johansson) und Robert Windermere (Mark Umbers) genießt den Urlaub in Italien. (Universum Film)
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