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Elvis Costello And The Imposters - Momofuku

Elvis Costello And The Imposters Momofuku

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Ältere Herren haben im Rock 'n' Roll einen schweren Stand. Wer es sich in seinen über Jahre erprobten Mustern behaglich macht, gilt schnell als Langweiler oder muffiger Dadrock. Und wenn man denn gnadenlos ehrlich selbst mit seinen allergrößten Helden der Kategorie Springsteen, Dylan, Steely Dan ist, wird man deren Spätwerk zwar ausgezeichnet, doch schwerlich begeisterungswürdig nennen können. Dabei halten die Alten noch einen letzten Trumpf in der Hand, den Elvis Costello nun gezogen zu haben scheint: Der große Überlebende des englischen New Wave wird wunderlich. Bereits im April erschien sein Album "Momofuku" (schon der Titel!) - allerdings nur auf Vinyl. Der Analog-Enthusiast hatte der verhassten CD den Kampf angesagt - in der festen Überzeugung, der minderwertige Datenträger sei ohnedies bereits klinisch tot.

Dass "Momofuku" - benannt nach dem Erfinder der Instant-Nudelsuppe - nun doch auf CD erscheint, mag ein zähneknirschendes Zugeständnis sein, aber es ist auch ein großer Segen. Denn die querköpfige Renitenz, die aus der Veröffentlichungsanekdote ersichtlich wird, verleiht dem späten Schaffen Costellos offenkundig frischen Schwung. Die transatlantischen Kollaborationen der letzten Jahre mögen ihn als kulturbeflissenen Kosmopoliten ausgewiesen haben. Doch der cholerische Costello, dies wird aufs Neue unverkennbar, ist zweifellos der essenzielle.

Mit "No Hiding Place", "American Gangster Time" und "Turpentine" führen Costello-Brecher der klassischen Prägung in das Album ein, brillant, wie man sie seit der 1986-er Großtat "Blood & Chocolate" nicht mehr vernommen hat. Zu den charakteristischen, quengelnden Costello-Harmonien spielen die Imposters eine Rhythmus-Begleitung, die nicht ganz so brachial ist wie die der legendären Attractions - aber beinahe. "Harry Worth" frönt mit einem von Jenny Lewis (Rilo Kiley) prominent unterstützten Background-Chor der alten Lust an Soul und R'n'B. "Stella Hurt" kocht mit Klavier, Orgel und Distortion-Orgien fast über, ehe das polternde Ungeheuer abrupt endet.

Wo so viel Wut verraucht, ist auch wieder Platz für wonnigere Gefühlslagen. "Flutter & Wow" und "My Three Sons" sind großer Balladenpop auf der Höhe des meisterhaften "Imperial Bedroom". Und zum Ende sind schließlich doch wieder zwei Kollaborationen zu hören: "Pardon Me, Madam, My Name Is Eve" schrieb Costello mit der Country-Grande-Dame Loretta Lynn, den wunderbar schmachtenden "Song With Rose" mit Cash-Tochter Rosanne.

"Go Away", eine treibende Beat-Nummer, setzt der Platte einen furiosen Schlusspunkt, damit ja niemand einen zu versöhnlichen Eindruck mitnimmt. Wer den heiligen, so fruchtbaren Zorn dieses wunderlichen Mannes am Leben halten will, kaufe ihm am besten eine dieser schäbigen CDs ab.

Jens Szameit


Datum: 01.07.2008

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