logo
Anzeige
Die Band von Nebenan

Die Band von Nebenan

(tsch/vm) 32 Preise und 8 Nominierungen: Mit so viel Lob wurde die französisch-israelische Produktion „Die Band von Nebenan“ (2007) aufgenommen. Das sehr einfach, aber meisterlich inszenierte Regiedebüt des Regisseurs Eran Kolirin brachte ihm internationale Anerkennung. Araber und Israelis stehen hier in der Situation, miteinander agieren zu müssen, um absurde Vorfälle bewältigen zu können. Und während man als Zuschauer eher die Aufarbeitung eines politischen Konflikts erwartet, entwickelt sich der Film zu einem subtilen Drama mit sanftem Humor, in dem es vor allem um eins geht: um Menschen.

Anzeige

 

Da stehen sie nun, sind bestellt und werden nicht abgeholt. Die acht Musiker des Alexandria Polizei Orchesters warten am Flughafen in Israel, Ägypter in einem fremden Land: Die tragikomische Filmperle "Die Band von Nebenan" (2007) beginnt mit grandioser Ruhe und schwermütiger Verlassenheit. Und über all dem liegt eine schelmische Komik: Regisseur Eran Kolirin ist ein humorvoller Beobachter mit genauem Blick für das Menschliche im Absurden. Das macht seinen jetzt auf DVD erhältlichen Film zu einem echten Erlebnis, in dem Grenzen verschwinden und Menschen zu sich selbst finden.

Die acht Polizisten und Musiker sind aus Ägypten nach Israel gereist, um die Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums musikalisch zu untermalen. Sie alle wissen nicht, was sie tun sollen in dieser Situation. Israel ist zu fremd. Dass der Nahe Osten chronisch in Schwierigkeiten ist, wird hier, bis auf ein paar lakonische Kommentare, aber keine große Rolle spielen. Hier geht's um die Menschen. Vor allem um Tewfiq (Sasson Gabi), den Chef der Ägypter. Der ordentliche, überkorrekte Dirigent des Polizeiorchesters wirkt ein wenig unbeholfen. Da macht es der junge schmucke Khaled (Saleh Bakri) schon besser. Er flirtet mit einer Ticketverkäuferin und kurz darauf sitzen die Männer im Bus. Der bringt sie allerdings nicht an ihren Zielort, sondern in ein ähnlich klingendes Provinznest.

Immer noch am falschen Ort, immer noch hilflos, immer noch verloren, werden sie von der resoluten Dina (Ronit Elkabetz) aufgenommen. In radebrechendem Englisch nähern sich Tewfiq und Dina an. Sie sind beide einsame Seelen, gequält von der Vergangenheit (Tewfiq) oder der trostlosen Gegenwart (Dina). Und so finden sie in ihrer eigentlichen Sprachlosigkeit eine Gemeinsamkeit, gehen vorsichtig aufeinander zu, öffnen sich behutsam. Aber nicht zu sehr, die Glaubwürdigkeit bleibt in jedem der tristen Bilder erhalten. Das ist das Kunststück von Regisseur Eran Kolirin in seinem Kinodebüt. Er lässt seine lakonischen Protagonisten kleine Schritte machen, mit gutem Auge für das Menschliche.

Es sind einfache Episoden, die er schildert. Etwa die von Schwerenöter Khaled, der dem schüchternen Papi (Shlomi Avraham) beim Werben um ein Mädchen souffliert. Eine großartige Szene, voller chaplinekser Komik. Dieser Humor, so trocken wie die Wüste Negev, bricht immer wieder in den karg ausgestatteten Film mit seinen Sprachgeizlingen ein. Er ist Kontrast zur Orientierungs- und Trostlosigkeit, mit denen die Protagonisten zurechtkommen müssen. Und er verschafft dem zutiefst menschlichen Film die richtige Balance.

Ein kurzes Making Of sowie Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur bilden zwar einen überschaubaren Bonusteil auf der DVD, gefallen aber durch Witz und Charme. Vor allem in den Interviews zeigen sich alle Beteiligten sehr offen und ehrlich. Technisch steht die Disc auf ordentlichem, wenn auch nicht überragendem Niveau mit klaren, fehlerfrei transferierten Bildern und einem erstaunlich atmosphärischen Sound.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (DD 5.1/DTS), Englisch/Arabisch/Hebräisch (DD 5.1)
untertitel Deutsch
extras Interviews; Making Of
laufzeit 83 Min.
tonsystem Dolby Digital/DTS
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras befriedigend

Credits:
(F / IL 2007, R: Eran Kolirin, D: Sasson Gabai, Ronit Elkabetz, Saleh Bakri u.a.)


Ein ägyptisches Orchester verirrt sich in der israelischen Provinz: "Die Band von Nebenan" ist ein lakonischer, mit leisem Humor verfeinerter Reisebericht über das Verschwinden von Grenzen.
Ein ägyptisches Orchester verirrt sich in der israelischen Provinz: "Die Band von Nebenan" ist ein lakonischer, mit leisem Humor verfeinerter Reisebericht über das Verschwinden von Grenzen. (Concorde)

Der ägyptische Polizist Tewfiq (Sasson Gabi) und die israelische Imbissbuden-Besitzerin Dina (Ronit Elkabetz) überwinden nach anfänglichen Schwierigkeiten kulturelle Grenzen.
Der ägyptische Polizist Tewfiq (Sasson Gabi) und die israelische Imbissbuden-Besitzerin Dina (Ronit Elkabetz) überwinden nach anfänglichen Schwierigkeiten kulturelle Grenzen. (Concorde)

Der Ägypter Khaled (Saleh Bakri, rechts) gibt dem schüchternen Israeli Papi (Shlomi Avraham) Nachhilfeuntericht, damit er Yula (Rinat Matatov) erobern kann.
Der Ägypter Khaled (Saleh Bakri, rechts) gibt dem schüchternen Israeli Papi (Shlomi Avraham) Nachhilfeuntericht, damit er Yula (Rinat Matatov) erobern kann. (Concorde)

Datum: 07.07.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Die Band von Nebenan"

Um eine Diskussion zu "Die Band von Nebenan" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 203433

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Tage des Ruhms
    Das Kriegsdrama „Tage des Ruhms“ handelt von der Gegenwehr französischer Truppen gegen die Nazis. Im Zentrum des Geschehens sind jedoch keine Franzosen, sondern Algerier. Die Tatsache, dass die französische ...

    "Alles für meinen Vater" zeigt die Absurdität des Terrors in Nahost
    Israel und Palästina: kein Frieden in Sicht. Das weiß auch der israelische Regisseur Dror Zahavi, in den 80-ern Absolvent der Filmhochschule Potsdam. In seinem Kinodebüt „Alles für meinen Vater“, einer ...

    "Badland" zeichnet das Psychogramm eines Ex-Soldaten
    PTSD heißt die Abkürzung für post traumatic stress disorder, eine psychische Krankheit, die erstmals um den ersten Weltkrieg diagnostiziert wurde. Gemeint sind damit die psychischen Störungen, die aus ...

    "Feuerherz" handelt von Kindersoldaten in Eritrea
    In seiner Doku „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (2003), die zu einem Überraschungserfolg wurde, schilderte Regisseur Luigi Falorni das Leben nomadischer Mongolen. Sein jüngstes Werk „Feuerherz“ (2008) ...

    "Unbeugsam - Defiance" bedient allzu viele Klischees
    Filme über die Leiden der Juden während des Nationalsozialismus gibt es viele. Was „Unbeugsam – Defiance“ von allen anderen seiner Art abhebt, ist die Tatsache, dass Juden hier nicht in der hilflosen Opferrolle ...

    "Jarhead" beleuchtet die Eigenarten des modernen Kriegs
    Als "Prince of Persia" verbrachte Jake Gyllenhaal im vergangenen Sommer einige Wochen in Marokko. Am 29.07.2010 wird die Videospielverfilmung (Produzent: Jerry Bruckheimer) schließlich in die Kinos kommen. ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 39 - id = 5258 - task = view - option = com_content - limitstart= 0