(tsch/vm) Ein Stift, der einem in die Haare gesteckt wird, entscheidet über sein Schicksal: Fällt er heraus, so gilt man „nur“ als Farbiger, bleibt er stecken, so ist man ein Schwarzer. Derartige Tests, die sich heute wie ein schlechter Witz anhören, waren Alltag zur Apartheid-Zeit unter den Buren in Südafrika. Die niederländischstämmigen Buren verschärften radikal die Rassentrennung in Südafrika, als sie 1948 die Wahlen gewannen. Das Drama „Drum – Wahrheit um jeden Preis“ (2004), das nun vom Ersten ausgestrahlt wird, erzählt von diesen traurigen Ereignissen auf dem Hintergrund der Geschichte des afrikanischen Journalisten Henry Nxumalo, eines mutigen investigativen Schreibers für die Zeitschrift „Drum“. Dieses Magazin veränderte den Journalismus in Südafrika. Der weiße Verleger Jim Bailey gründete „Drum“ als Sprachrohr schwarzer Südafrikaner in der Apartheid-Ära.
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Das Leben von Henry Nxumalo ist eng verknüpft mit dem lebendigen Johannesburger Stadtteil Sophiatown, der Mitte der 50er-Jahre von den Machthabern zerstört wurde. Hier fand eine einzigartige multikulturelle Gemeinschaft zwischen Kriminalität und Kunst zusammen. Schwarze wie Weiße nahmen am von Jazz und Alkohol geprägten Nachtleben teil, das sich in illegalen Clubs abspielte.
Auch der "Drum"-Sportredakteur Nxumalo liebt die Vergnügungen in diesem Viertel. Als er jedoch mit den brutalen Verhältnissen auf einer Buren-Farm konfrontiert wird, wendet er sich zusammen mit seinem deutschstämmigen Fotografen Jürgen Schadeberg (Gabriel Mann) neuen Themen zu. Bei seinen Recherchen zeigt er vollen Einsatz, lässt sich beispielsweise für eine Story über die Zustände im Gefängnis selbst verhaften. Kompromisslos geht er seinen Weg, bis er schließlich 1955 in Sophiatown erstochen aufgefunden wird.
Im Film wird diese Ikone der Anti-Apartheids-Bewegung dargestellt von Taye Diggs. Der US-Amerikaner ist auch bekannt durch die US-Serie "Private Practice" und gehört neben Philip Seymour Hoffman, Will Smith und Sacha Baron Cohen zur Besetzung von Stepehen Spielbergs neuestem Drama "The Trial of the Chicago 7".
Zwischen dem Film "Drum" und der gleichnamigen Zeitschrift gibt es eine interessante Parallele: Mit ausländischem Geld - hier aus Amerika - wird die Thematisierung schwarzer Geschichte und Kultur gefördert. Regisseur Zola Maseko, im Exil in Swaziland und Tansania aufgewachsen und in England zum Dokumentarfilmer ausgebildet, konnte so als Südafrikaner von wichtigen Impulsen der Befreiungsbewegung in einem Spielfilm erzählen: massentauglich, spannend und informativ.
Jasmin Herzog
Henry (Taye Diggs, rechts) und der Fotograf Jürgen (Gabriel Mann) begannen als harmlose Sportreporter. (ARD Degeto)
Stolz präsentiert Herausgeber Jim Baily (Jason Flemyng) seine Zeitschrift "Drum". (ARD Degeto)
Florence (Moshidi Motshegwa) ermutigt ihren Mann Henry (Taye Diggs) bei seiner Arbeit als investigativer Journalist. (ARD Degeto)
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