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Mosquito Coast

Mosquito Coast

(tsch/mb) Zivilisations- und Kulturkritik: Das Thema ist nicht neu. Schon im 18. Jahrhundert appellierte Jean-Jacques Rousseau an die Menschheit, sich wieder auf die Natur zu besinnen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieses Thema durch den technischen Fortschritt sehr populär und ist bis heute aktuell. Der US-Abenteuerfilm „Mosquito Coast“ aus dem Jahr 1986 erzählt die Geschichte eines idealistischen und naiven Aussteigers. Allie Fox (Harrison Ford) kehrt der amerikanischen Gesellschaft den Rücken, um irgendwo im mittelamerikanischen Dschungel seine eigene Idylle aufzubauen. Ohne es zu merken, beginnt der Aussteiger sich als ein Missionär zu verhalten und den Ureinwohnern des Dschungels sein zivilisatorisches Modell aufzuzwängen, was einen tragischen Ausgang hat. 3sat wiederholt nun den Film.

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"Wir essen, obwohl wir nicht hungrig sind, wir trinken, obwohl wir nicht durstig sind. Wir kaufen, was wir nicht brauchen, und werfen alles Nützliche weg." Allie Fox ist des Lebens in der modernen Zivilisation überdrüssig. "Es ist falsch. Falsch, falsch, falsch", schimpft der Farmarbeiter - der Verfall der Sitten, die Dekadenz Amerikas, das Rauschgift, die Korruption, die Politik. Ohne seine Frau (Hellen Mirren) und seine vier Kinder zu fragen, beschließt Fox auszuwandern. "Nicht einer, der daran denkt, dieses Land zu verlassen. Ich denke jeden Tag daran. Und zwar deswegen, weil ich der letzte Mensch bin", erklärt Allie seinem 13-jährigen Sohn Charlie (River Phoenix).

An der Küste angekommen, kauft Fox eine Urwaldsiedlung im Landesinneren. Kaum dort, beginnt er, den Dschungel nach seinen Vorstellungen zu "zivilisieren". Und da er ein Erfinder ist, steigert Fox sich fortan in die Idee, sein noch in Amerika entwickeltes gigantisches Kühlhaus zu bauen. Er beginnt, sämtliche Arbeiten zu vereinfachen, zu mechanisieren, zu rationalisieren, und will mit missionarischem Eifer "die Wilden" von den Segnungen der Zivilisation überzeugen. Ohne es zu merken, entwickelt sich der Idealist zum Tyrann, der sich sogar seine Familie rücksichtslos unterwirft, und errichtet um sich herum wieder eine Lebensstruktur, vor der er im Grunde geflüchtet ist. Als ein Feuer alles zerstört, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

"Mosquito Coast" ist exotische Abenteuergeschichte, spannende Aussteigerstory und klassische Tragödie zugleich. Auch wenn die Handlung bisweilen recht wirr und unlogisch erscheint, allein die atemberaubenden Aufnahmen im Urwald machen Peter Weirs Film zu einem sehenswerten TV-Erlebnis. Hinzu kommen leidenschaftliche Auftritte der Darsteller, allen voran Harrison Ford, der zuletzt in den deutschen Kinos mit dem vierten Indiana-Jones-Film nach eher mäßigen Jahren in die Erolgsspur zurückkehrte.

Tom Ruder


Mutter Fox (Helen Mirren) spendet ihrem Mann Allie (Harrison Ford) Trost.
Mutter Fox (Helen Mirren) spendet ihrem Mann Allie (Harrison Ford) Trost. (ZDF / ARD Degeto)

Nach einer verheerenden Explosion stehen Allie (Harrison Ford, rechts), seine Frau (Helen Mirren) und ihre Kinder (Hilary Gordo, Rebecca Gordn) vor den Trümmern ihrer Existenz.
Nach einer verheerenden Explosion stehen Allie (Harrison Ford, rechts), seine Frau (Helen Mirren) und ihre Kinder (Hilary Gordo, Rebecca Gordn) vor den Trümmern ihrer Existenz. (ZDF / ARD Degeto)

Charlie (River Phoenix) hilft dabei, der Familie im Dschungel ein neues Leben aufzubauen.
Charlie (River Phoenix) hilft dabei, der Familie im Dschungel ein neues Leben aufzubauen. (ZDF / ARD Degeto)

Datum: 17.07.2008

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Artikel ID 202536

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