(tsch/vm) „Öffne meine Augen“ heißt dieses Drama, denn die Protagonistin schafft das nicht allein. Es ist auch gar nicht so einfach. Pilar (Laia Marull) wird oft von ihrem Mann verprügelt und kehrt doch immer wieder zurück, verliert nicht die Hoffnung, dass sich etwas ändern wird. „Geh einfach weg“, denkt man anfangs als Zuschauer, bevor man selbst von dieser intensiven Geschichte und der komplexen Beziehung der beiden eingesaugt wird und keinen Rat mehr weiß. Denn die Regisseurin Icíar Bollaín meidet jegliche Schwarz-Weiß-Malerei bei der Inszenierung dieser Geschichte aus dem Leben. Sie hat eine sehr ernste und realistische Studie geschaffen, die wenig zum Schmunzeln, doch viel zum Nachdenken bietet.
Anzeige
Pilar (Laia Marull) versteckt in ihrer Schublade den Erste-Hilfe-Bericht des Sanitäters, der sie nach einem Streit mit ihrem Mann Antonio (Luis Tosar) zusammengeflickt hat. Sie versteckt ihn wahrscheinlich mehr vor sich als vor anderen. Doch sie wirft ihn nicht weg. Sie weiß wohl, dass es nichts nutzt, die Wutausbrüche zu vergessen. Sie kommen wieder.
Pilar liebt Antonio seit mehr als zehn Jahren, auch noch, als sie mit dem gemeinsamen Sohn Juan (Nicolas Fernandez Luna) zu ihrer Schwester zieht. Die selbstbewusste Ana (Candela Pena) verschafft ihr einen Job, und Pilar beginnt, auf eigenen Füßen zu stehen, während Antonio versucht, seine Aggressionen unter Kontrolle zu bekommen. Doch das ist nur die halbe Geschichte.
Dem wunderbaren Luis Tosar, dem Mann mit den größten Augenbrauen der europäischen Filmgeschichte, bringt man per se Sympathien entgegen. Diesmal allerdings zeigt er sich von seiner räudigsten Seite. Wie er Druck auf seinen Sohn ausübt, seine Frau einschüchtert, das lässt nicht nur Pilar zusammenzucken. Er ist perfekt besetzt, denn man meint bei dem Darsteller aus "Montags in der Sonne" und "Das Leben, das dich erwartet" immer, ein Licht in seinen tiefschwarzen Augen zu entdecken, Hoffnung in dieser eingefahrenen Situation.
Die Regisseurin Icíar Bollaín beobachtet scheinbar intentionslos all ihre Figuren. Die gedemütigte Ehefrau schlüpft bei der Schwester unter, die gerade in ihren Hochzeitsvorbereitungen steckt und so ganz anders mit dem Druck der Mutter umgeht. Sie lässt sich nichts gefallen, und die Harmonie mit ihrem Verlobten ist beinahe erstickend. Doch weder wirkt das unnatürlich, noch wird in "Öffne meine Augen" schwarzweiß gezeichnet. Alles andere als das. Die Wege der zwei Frauen sind nicht vergleichbar. Nie ist Laia Marull bloßes Opferlamm. Sie laviert ihren Charakter durch die Tiefen einer im Grunde sehr leidenschaftlichen Beziehung, dreht sensibel vermeintliche Schwäche in bewusste Verantwortung für ihre Entscheidungen.
Im Verlauf der Trennungsphase werden familiäre Zusammenhänge ebenso aufgedeckt wie die schockierend dumpfen Gespräche von Männern, die in einer Therapiegruppe über ihre Art sprechen, mit Frauen umzugehen.
Pilar, allein der Name geht einem nach diesem Film nicht mehr aus dem Kopf, so oft wird er geschrien in diesen anderthalb Stunden. Pilar kämpft, und wenn sie ein Teilstück erfolgreich zurückgelegt hat, strahlt sie, als hätte sie heute morgen einen Stern vom Himmel geholt. Sie schwankt zwischen Hoffnung und Resignation - und man wird sich bald hüten, hier einen Tipp geben zu wollen. Einmal, als die Mutter auf dem Friedhof den neuen schottischen Schwiegersohn quasi aus dem Familiengrab auslädt, mutmaßt sie, dass er doch sicher in der Nähe seiner Familie begraben sein möchte. "Oh, nein", antwortet er. "Ich hab' sie erst Weihnachten gesehen." Das ist die einzige Szene, die einem ein Schmunzeln entlocken könnte.
Der Rest dieser sehr ernsten Studie, auch über Selbstzweifel eines Mannes, all die Streits und Demaskierungen ist aufreibende Kinokost. Denn unterm Strich findet sich keine Lösung, kein Istgleich-Zeichen mit einem leuchtenden, unveränderlichen Ergebnis dahinter. Nichts, was man sich als wahres und gutes Gut in den Schrank der Erfahrungen stellen könnte. Dafür hat die 38-jährige Regisseurin einen intensiven Blick auf zweite Chancen gerichtet und den Spiegel in den Alltag gehalten, dorthin, wo noch das Tabu regiert, in südlichen Ländern und an vielen anderen Orten. Und die gute Nachricht ist, dass dieser Film in Spanien immens erfolgreich war (in Deutschland gingen freilich keine 12.000 Zuschauer ins Kino).
Alexander Franck
Antonio (Luis Tosar) liebt Pilar (Laia Marull). Und dennoch kann er seine Wutanfälle, die regelmäßig in körperliche Gewalt ausarten, nicht kontrollieren. (ARTE F / Haut et Court)
Antonio (Luis Tosar) fleht seine Frau (Laia Marull) an, zu ihm zurückzukehren. Doch sie hat Angst vor ihm. (ARTE F / Haut et Court)
Voller Misstrauen nimmt Antonio (Luis Tosar) Veränderungen an Pilar (Laia Marull) wahr. (ARTE F / Haut et Court)
Alles Bangen und Hoffen half nichts. "Enterprise", die fünfte "Star Trek"-Ablegerserie, wurde vom amerikanischen Sender United Paramount Network aufgrund anhaltend schwacher Quoten vorzeitig im Mai vergangenen ...
Das ist der Film, in dem Captain Kirk sein Leben lassen musste. Zweifellos war es 1994 an der Zeit, von der alten Crew des "Raumschiffs Enterprise" im Kino nach sechs Filmen Abschied zu nehmen. Sie waren ...
"Ich bin nicht Spock" - mit diesem Buchtitel schockte Leonard Nimoy in den 70er-Jahren die Trekker. Man munkelte, er wolle die Enterprise nie wieder betreten. Doch dann kam alles anders. Für den dritten ...
Die Trekker haben es nicht leicht. Nachdem im Mai die vierte und letzte Staffel der Serie "Star Trek: Enterprise" auf DVD veröffentlicht wurde, schien es gar so, als ob sich eine Ära dem Ende neigen würde. ...
Die Kunst der "Star-Trek"-Filme lag stets darin, dem Trekker Nachvollziehbares zu präsentieren. Er muss frühzeitig Hintergründe der Geschichte verstehen und somit in der Lage sein, die Ereignisse in einen ...
Der vierte Teil der "Star Trek"-Kinofilme sollte, darauf hatten sich die Verantwortlichen schnell geeinigt, eine Zeitreise der "Enterprise"-Crew zum Thema haben. Schon eine Episode der TV-Serie hatte Kirk ...
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream