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So ist Paris

So ist Paris

(tsch/cg) Paris: die Stadt der Liebe, der Träume, der Romantik… In gewisser Weise ist Paris all das, das lässt Regisseur Cédric Klapisch ("L'Auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr") nicht außer Acht. Und doch ist sein Paris eine pochende moderne Metropole, die zahlreiche kaputte Illusionen ihrer Einwohner in sich birgt. „So ist Paris“ aus Klapischs Perspektive: tragikomisch, melancholisch und voller Gegensätze. Mit einer hervorragenden Besetzung hat dieser ein liebevolles Porträt seiner Stadt geschaffen. Es wird von verschiedenen Schicksalen erzählt, ohne dass diese miteinander verknüpft werden: Vielmehr ähneln sie einer zufälligen Begegnung auf der Straße und zeigen die Großstadt in ihrer ganzen Vielfalt. Trotz mancher Längen ist „So ist Paris“ ein angenehmer und poetischer Episodenfilm.

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Klapischs Amélie ist ein Tänzer aus dem Moulin Rouge: Pierre (Romain Duris) ist krank, wartet auf eine Herztransplantation mit 40-prozentiger Erfolgschance. In einer solchen Situation beginnt man, das Leben automatisch anders zu sehen. Unterstützung bekommt Pierre von seiner Schwester Elise (Juliette Binoche). Die Sozialarbeiterin hat drei Kinder und zieht kurzerhand bei ihrem Bruder ein, damit er nicht allein ist. Aus Pierres Wohnung heraus beginnt Regisseur Cédric Klapisch seine Entdeckungsreise: "Über Paris könnte man jeden Tag einen Film machen", sagt er.

Zum Beispiel darüber, wie die schöne Studentin Laetitia (Mélanie Laurent) ihrem Geschichtsprofessor Roland (Fabrice Luchini) den Kopf verdreht, sodass er in großer Verzweiflung die Schönheit verflucht und sich bei seinem Bruder Philipe (François Cluzet), einem Architekten mit Albträumen, ausweinen muss. Verstand trifft auf Leidenschaft, in einem herrlichen Monolog über die grausame Verschwendung von Schönheit und dem Geständnis, wie ein junger Gockel heimlich SMS zu schreiben. Eine exemplarische Szene, denn durch die melancholische Grundstimmung des Films bricht immer wieder die Heiterkeit des alltäglichen Lebens.

Es sind die Reibungspunkte, die Klapisch interessieren, die Gegensätze zwischen von Tradition und Moderne, von Alt und Neu, von Arm und Reich, aus denen Paris seinen Reiz zieht. Ein großer Teil des Films spielt sich auf dem Wochenmarkt in der Nähe von Pierres Wohnung ab. Elise geht dort einkaufen, lernt den Gemüsehändler Jean (Albert Dupontel) kennen, der mit seiner geschiedenen Frau Caroline (Julie Ferrier) seinen Stand betreibt, die sich vom Fischhändler Franky (Gilles Lelouche) angezogen fühlt. Die sogenannten kleinen Leute stehen im Mittelpunkt und werden von Klapisch sehr ernst genommen.

"So ist Paris" ist ein Episodenfilm, dessen viele Handlungsstränge nicht immer ganz ordentlich angeordnet sind. Manchmal wird allzu abrupt gewechselt. Richtig störend wird das aber nie, denn Klapisch verknüpft die Schicksale nicht, sondern inszeniert zufällige Begegnungen. Man läuft sich auch in einer Großstadt über den Weg, vor allem wenn man im selben Viertel wohnt. Träume und natürlich Liebe, große Sehnsüchte und kleine Sorgen - Klapischs Paris ist eine moderne Metropole, deren Bewohner (von einem umwerfenden Ensemble gespielt) sich an ihr reiben. Das macht die zwei Stunden zu einem ehrlichen und realistischen Paris-Film, dem man gewisse Längen am Ende und einen wie ein Fremdkörper wirkenden Handlungsstrang über einen illegalen Einwanderer aus Afrika verzeiht.

"So ist Paris" lebt von den Reibungspunkten, die die Stadt bietet und von der Echtheit der Figuren mit all ihren Ängsten und Ungewissheiten, wie der Bäckersfrau, die nur langsam ihre rassistischen Vorurteile überwindet. Sie alle leben, sie lieben, sie beklagen sich. In gewisser Weise entzaubert Klapisch seine Stadt, ohne dabei - und das ist das Wunder seines Filmes - ihren Zauber zu verletzen.

Andreas Fischer

Credits:
V:Prokino, F 2008, R: Cédric Klapisch, D: Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini u.a.

Laufzeit: 129 Min.

Kinostart:
17. Juli 2008


Cédric Klapisch erzählt in mehreren Episoden vom wahren Leben hinter den Postkartenklischees: "So ist Paris".
Cédric Klapisch erzählt in mehreren Episoden vom wahren Leben hinter den Postkartenklischees: "So ist Paris". (Prokino)

Elise (Juliette Binoche) unterstützt ihren Bruder Pierre (Romain Duris): Er ist herzkrank und lernt das Leben in Paris durch den drohenden Tod erst richtig zu schätzen.
Elise (Juliette Binoche) unterstützt ihren Bruder Pierre (Romain Duris): Er ist herzkrank und lernt das Leben in Paris durch den drohenden Tod erst richtig zu schätzen. (Prokino)

Die schöne Laetitia (Mélanie Laurent) verdreht ihrem Professor gehörig den Kopf.
Die schöne Laetitia (Mélanie Laurent) verdreht ihrem Professor gehörig den Kopf. (Prokino)

Datum: 17.07.2008

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