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Pierce Brosnan

"Man muss das Alter feiern"

Schauspieler Pierce Brosnan

(tsch/vm) Wenn man den Namen Pierce Brosnan hört, denkt man sofort an James Bond. Doch das liegt bereits ein paar Jahre zurück. Seitdem Daniel Craig die Rolle des Geheimagenten übernahm, fühlt sich der 55-jährige Brosnan befreit. Das merkt man auch an seiner Rollenwahl: Nächstes Jahr wird er als Meisterdieb im zweiten Teil der "Thomas Crown Affäre" ins Kino zurückkehren; gerade ist er in der außergewöhnlichen 40er-Jahre-Beziehungskomödie „Married Life“ zu sehen und er singt und tanzt wie ein echter Bpllywood-Star in der bunten und abgedrehten Musical-Verfilmung „Mamma Mia!“ (Start: 17.7.). Aufgrund seiner eher dürftigen sängerischen Qualitäten habe er Lampenfieber gehabt wie seit der Schauspielschule nicht mehr, erzählt Brosnan. Was er in „Mamma Mia!“ tut, ist tatsächlich gewagt. Doch es macht ihm ganz offensichtlich Spaß. Im Interview plaudert der Hollywood-Star über Indien, Jugendwahn und Popmusik.

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teleschau: Gratulation: Sie dürfen im Film immerhin den Superklassiker "S.O.S." schmettern. Hat's Spaß gemacht?

Pierce Brosnan: Vor 200 Leuten am Set, einschließlich der beiden Abba-Veteranen Benny und Björn, diesen Song singen zu müssen, war ganz sicher kein Spaß! Ich habe die Nacht vor dem Dreh kein Auge zugemacht und unter Lampenfieber gelitten wie schon seit der Schauspielschule nicht mehr. Vor allem deshalb, weil Meryl Streep viel besser singen kann als ich.

teleschau: Aber Sie haben doch sicher lange geprobt?

Brosnan: Unter der Dusche, im Garten, im Auto, einfach überall. Irgendwann fand ich mich richtig gut und habe jeden Morgen meine Söhne auf der Fahrt in die Schule mit meinem Geträller gequält, bis sie mich anfuhren: "Dad, du treibst uns in den Wahnsinn!" Aber was wissen die schon von Musik! Vielleicht starte ich ja eine zweite Karriere als Opernsänger, wenn es mit dem Film mal nicht mehr so gut läuft (lacht).

teleschau: Hand aufs Herz: Sie sehen so aus, als hätten Sie in Ihrer Jugend schon zu "Dancing Queen" geflirtet!

Brosnan: Falsch, ich hörte das rockige Kontrastprogramm. Bei uns an der Schauspielschule waren die Steve Miller Band, Spirit und vor allen Dingen Bruce Springsteen sehr angesagt. Dieses Popquartett in den merkwürdigen Anzügen beim Grand Prix 1974 fand ich eher uncool.

teleschau: Worin liegt Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis von Abba?

Brosnan: Man kann diesen Songs noch so zynisch oder ablehnend gegenüberstehen, aber, ob auf einer Hochzeit, einem Geburtstag oder sonst einer Party: Kaum läuft "Dancing Queen" stürmen die Leute die Tanzfläche. Die Lieder sind einfach musikalisch ausgefeilt, voller Emotionen und damit zeitlos. Die Vier schrieben Musik mit Herz. Übrigens, die schicken Anzüge gibt's auch in unserem Film zu sehen.

teleschau: Gedreht wurde auf den griechischen Urlaubsinseln Skiathos und Skopelos. Hat Sie dort der Hauch der Antike umweht?

Brosnan: Der Hauch von Ferien! Beide Inseln sind unglaublich idyllisch und laden zum Verweilen ein, besonders Skopelos hat es mir angetan. Aber mein Lieblingsreiseland ist und bleibt Indien. Indien berührt mein Herz jedes Mal aufs Neue.

teleschau: Sie wohnen seit 25 Jahren in Kalifornien. Haben Sie als Europäer die oberflächlich schöne, heile Hollywoodwelt manchmal satt?

Brosnan: Ganz im Gegenteil: Ich liebe Kalifornien, obwohl ich auch London als ein Zuhause empfinde. Meine eigentliche Heimat Irland ist dagegen ein Ort, den ich besuche, an dem ich mich aber nicht zu Hause fühle, auch wenn ich die Menschen dort mag. Mein kalifornisches Domizil Malibu ist mir zur zweiten Heimat geworden, ich mag das Erfrischende der Landschaft: Täler, Berge und den Ozean.

teleschau: Frustriert es Sie nicht, als Mann im besten Alter dort umgeben zu sein von lauter durch Skalpell oder Sport perfektionierten Youngstern?

Brosnan: Als Schauspieler hat man es in dieser Beziehung nicht unbedingt leicht, das stimmt. Dieser Beruf konfrontiert einen tagtäglich viel mehr mit seinem Äußeren als andere Branchen. Ich schaue mich im Spiegel an und sehe, dass ich älter werde, mich verändere. Dennoch muss man das Alter akzeptieren und feiern. Ansonsten macht es einen fertig.

teleschau: Dennoch: Welche Gegenmaßnahmen ergreifen Sie?

Brosnan: Ich trinke viel Wasser, gehe joggen, wandern, betreibe regelmäßig Yoga und spiele Tennis. Und seit Neuestem surfe ich sogar. Das haben mir meine Söhne beigebracht, und ich bin mächtig stolz darauf. Es ist nämlich gar nicht so einfach, eine Welle abzureiten, ohne ins Wasser zu fallen.

Kerstin Lindemann


Pierce Brosnan stellt in "Mamma Mia!" sein bislang weitgehend unterschätztes komödiantisches Talent unter Beweis.
Pierce Brosnan stellt in "Mamma Mia!" sein bislang weitgehend unterschätztes komödiantisches Talent unter Beweis. (Universal Pictures / Peter Mountain)

Zur Filmpremiere von "Mamma Mia!" in London erschien Pierce Brosnan gemeinsam mit seiner Ehefrau Keely Shaye Smith.
Zur Filmpremiere von "Mamma Mia!" in London erschien Pierce Brosnan gemeinsam mit seiner Ehefrau Keely Shaye Smith. (Universal Pictures / Richard Lewis)

Zusammen mit seiner Kollegin Amanda Seyfried stellte sich Pierce Brosnan in London den Fotografen.
Zusammen mit seiner Kollegin Amanda Seyfried stellte sich Pierce Brosnan in London den Fotografen. (Universal Pictures / Richard Lewis)

Datum: 13.07.2008

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Diskussion: "Pierce Brosnan"

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