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Liebe, Lust und Seitensprung

Liebe, Lust und Seitensprung

(tsch) Wie ist das mit dem Seitensprung? Kann er die Würze einer festen Beziehung sein, oder führt er jederzeit geradewegs in die Katatsrophe? Auch hier gilt die These: Es lebe der Widerspruch - und womöglich der feine Unterschied. Neuere Studien zeigen jedenfalls, dass die Zahl der Seitensprünge steigt. Andererseits geben 70 Prozent der Deutschen an, sie hielten Treue für den wichtigsten Wert im Leben. Offenbar liegen Wunsch und Wirklichkeit erstaunlich weit auseinander. Arte France beackert nun das weite Feld mit einem Themenabend, der von der fiktiven Spielfilmkatastrophe bis zum erotischen Salz in der Suppe reicht: "Liebe, Lust und Seitensprung".

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Den Anfang macht (20.40 Uhr) Francois Truffauts Spielfilm "Die süße Haut" aus dem Jahre 1964. Auf einer Vortragsreise nach Lissabon, wo er einen Vortrag über Balzac halten soll, begegnet der Literaturwissenschaftler Pierre Lachenay (Jean Desailly) der Stewardess Nicole, von der er sich sofort angezogen fühlt. Doch seiner Frau verheimlicht Pierre die Liaison. Als sie davon erfährt, will er sich von ihr scheiden und Nicole heiraten. Doch Nicole lehnt ab. Als verklemmt-neurotischer Familienvater wehrt sich Pierre davor, dem Seitensprung Konsequenzen folgen zu lassen. In seiner Feigheit lässt er die Frauen die wichtigen Entscheidungen treffen, was schließlich dazu führt, dass er von der Geliebten verlassen und von seiner Ehefrau erschossen wird.

"Am treffendsten und mitreißendsten ist Truffaut immer dann, wenn er so tut, als drehe er einen ganz gewöhnlichen Film ohne persönliche Note", schrieb Jean Collet in seinem Buch über Truffaut zu diesem psychologisch-analytischen Film über männliche Verhaltensschwankungen zwischen Realitäts- und Lustprinzip.

Die Dokumentation "Nichts gesehen, nichts gehört" (2001) von Sebastien Pluot trägt vor allem der Tatsache Rechnung, dass das Fremdgehen vor allem im Heimlichen, Verborgenen geschieht. Dennoch scheint bei den Beteiligten auch die Lust an der Möglichkeit, entdeckt zu werden, immer mit im Spiel zu sein. Die Gefahr, erkannt zu werden, so glaubt Pluot, mache "einen Teil der Erregung aus". Der Film wirft "neugierige Blicke auf Zeichen und Einzelheiten im Zusammenhang mit heimlichen Abenteuern, bei denen die Beteiligten unweigerlich Spuren hinterlassen und durch besonderes Verhalten auffallen, das von geübten Beobachtern - zum Beispiel von Hotelmitarbeitern - sofort und sicher erkannt wird."

Clémence Barrets Film "Die heimliche Lust am Seitensprung" (23.05 Uhr) schließlich schlägt sich vollends auf die andere Seite: Die Regisseurin befragte fünf Frauen während eines dreiwöchigen Zeitraums in einem Hotelzimmer über Liebe und Treue. "Verborgenste weibliche Geheimnisse" werden offenbart - und heraus kam ein Film über Untreue, der eigentlich ein Film über die Liebe ist. "Ich glaube an die Zauberkraft der Gefühle, liebe das Spiel mit dem Feuer und das Unerwartete", behauptet die Regisseurin und stellt gleich einen ganzen Kanon offener Fragen bereit: "Wie kann man dauerhaft zu zweit leben? Ist Untreue Schicksal? Notwendigkeit? Ist sie immer noch tabu oder wird sie besser angenommen? Gehören Heimlichkeiten, Süßholzraspeln, Lüge, Verstellung, Doppelleben zwangsläufig dazu?" - Fragen über Fragen. Nicht jeder Seitensprung ist so tödlich wie der bei Truffaut.

Wilfried Geldner


Die Regisseurin Clémence Barret inszenierte den Dokumentarfilm "Die heimliche Lust am Seitensprung".
Die Regisseurin Clémence Barret inszenierte den Dokumentarfilm "Die heimliche Lust am Seitensprung". (ARTE / F)

Die Regisseurin des Films "Die heimliche Lust am Seitensprung", Clémence Barret (rechts), interviewte ihre Gesprächspartnerin Aphrodita im Hotel.
Die Regisseurin des Films "Die heimliche Lust am Seitensprung", Clémence Barret (rechts), interviewte ihre Gesprächspartnerin Aphrodita im Hotel. (ARTE / F)

Datum: 13.07.2005

Artikel ID 156622

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