(tsch/mb) Bis 1960 war der Roman „Lady Chatterley`s Lover“ von D. H. Lawrence in England und Amerika aufgrund der expliziten Beschreibungen sexueller Handlungen verboten und als Skandalbuch abgestempelt. Davon ist in der letzten Verfilmung von „Lady Chatterley“ von 2006 leider nicht so viel zu spüren. Aus einem Erotikbuch wurde ein eher braver Liebesfilm mit vielen Naturaufnahmen und einer ziemlich schleppenden Handlung. Das formidable Schauspieler-Trio rettet die Handlung über so manche Längen hinweg. Nichtsdestotrotz ist Regisseur Pascale Ferran ein intensives Drama über die sexuelle Befreiung und die Überwindung von Standesgrenzen, damals ein sehr moderner Stoff, gelungen. Die Romanverfilmung wurde in Frankreich von Kritikern und Publikum gefeiert.
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Das intensive Spiel, die stark konstruierten Bezüge zum Hier und Jetzt sowie die besonders eindringliche Schilderung der Beziehungsanbahnung mögen die fünf Césars, mit denen Pascale Ferrans Adaption 2007 ausgezeichnet wurde, rechtfertigen. Von der Anrüchigkeit, die "Lady Chatterley" in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts anhaftete, ist in diesem Fernsehfilm (lief 2007 als Zweiteiler bei ARTE) jedoch nichts mehr übrig. Und von knisternder Erotik, wie sie die ZDF-Reihe "Sommernachtsphantasien" verheißt, ist diese verbotene Liebe mit extrem langer Anlaufzeit auch einigermaßen weit entfernt.
Regisseurin Pascale Ferran, die auch das Drehbuch verfasste, hat mitnichten einen Erotikfilm gedreht. Ihr im England der 20er-Jahre angesiedeltes Drama spielt sich oberhalb der Gürtellinie ab, zielt auf Herz und Hirn. Und, wenn es etwas fürs Auge gibt, dann sind das nicht etwa sonderlich attraktive Hauptdarsteller oder erotisch zur Schau gestellte nackte Haut, sondern zuvorderst einige schwelgerische Naturaufnahmen.
Der weit gefasste Themenkomplex aus Sehnsucht, Erotik, Lust an der Nacktheit und diffusen Freiheitsgefühlen wird hier stets in einem sehr naturnahen Kontext dargestellt. Liebe und Sex - das sind die natürlichsten Sachen der Welt, unabhängig von allen gesellschaftlichen und zeitlichen Hintergründen. Und wenn das sich heimlich liebende Paar spiltternackt auf der Waldwiese im Regen umhertanzt, dann ist diese Ausgelassenheit ein wunderbares Sinnbild dafür. Solche großen Momente für Filmliebhaber bietet "Lady Chatterley" einige. Allerdings kann diese extrem langsame (da darf sich Sir Chatterley in der Ur-Fassung schon mal gefühlte fünf Minuten - ungeschnitten - rasieren), typisch französische, etwas spröde und artifizielle Erzählsprache mitunter eine ganz schön zähe Angelegenheit sein.
Hierzulande hätte man wohl allenfalls einen 90-Minüter daraus gemacht, in Frankreich wird solch ein Film dagegen gefeiert ohne Ende. "Lady Chatterley" räumte bei den "Césars" in ganz großer Manier ab: Bester französischer Film, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Hauptdarstellerin, beste Kamera, beste Kostüme. Dazu kommt der renommierte Kritikerpreis "Prix Louis Delluc". Die Arthaus-Regisseurin Ferran zu ihrem Ausflug ins ungewohnte Erotik-Terrain: "Lady Chatterley' ist eine zeitlose Geschichte über die Liebe, die Menschen verändert, und über das langsame Herantasten aneinander, das sich zu einer stürmischen Leidenschaft entwickelt und neuen Lebenswillen weckt."
Frank Rauscher
Der Zufall hilft auch mit: Auf dem Rückweg aus dem Dorf läuft Constance (Marina Hands) dem Wildhüter Parkin (Jean-Louis Coulloc'h) über den Weg. (ZDF / ARTE F / Nathalie Eno)
Ausgelassen tanzen Parkin (Jean-Louis Coulloc'h) und Constance (Marina Hands) im Sommerregen. (ZDF / ARTE F / Nathalie Eno)
Die Lady (Marina Hands) umarmt den einfachen Wildhüter Parkin (Jean-Louis Coulloc'h). (ZDF / ARTE F / Nathalie Eno)
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