(tsch) Gavin Hoods aufwühlendes Drama "Tsotsi" (2005) entwickelte sich zu einem wahren Festivalhit und war Südafrikas Kandidat für den Auslands-Oscar 2006. Es setzte sich gegen Konkurrenten wie "Sophie Scholl - Die letzten Tage" und "Paradise Now" durch und gewann den begehrten Goldjungen. Das Getto-Gewalt-Jugend-Drama weist zwar hier und da sentimentale Anklänge auf, wird aber nie rührselig. In Sepiatöne getaucht und mit einem hämmernden Soundtrack unterlegt, erinnert die Mischung aus Gangsterfilm und Charakterstudie an das brasilianische Pendant "City of God". Die authentischen Bilder verleihen dem Film zusätzliche Glaubwürdigkeit, was die ARD nicht davon abhielt, die Erstausstrahlung im Nachtprogramm zu verstecken.
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Tsotsi (Presley Chweneyagae) und seine Bande beherrschen ein Gettoviertel in Johannesburg. Dort hausen die Bewohner in Baracken, die Zeit vertreiben sie sich vor allem mit Alkohol und Kartenspielen. Für den 19-Jährigen zählt ein Menschenleben wenig, Konflikte werden schnell und brutal gelöst. Ein nächtlicher Autoraub, bei dem Tsotsi auf die Besitzerin schießt, verändert jedoch unerwartet sein Leben.
Auf dem Rücksitz ihres Wagens entdeckt er das Baby der Frau. Das Neugeborene berührt auf seltsame Weise das Herz des Straßenpunks. Er steckt es in eine Papiertüte und nimmt es mit zu sich in die Slums. Tsotsi erzählt niemandem von dem Kind, schon gar nicht seinen Gangmitgliedern. Schnell ist er mit dem schreienden Baby überfordert. In seiner Verzweiflung zwingt er die junge Mutter Miriam, die ebenfalls in dem Viertel wohnt, mit Waffengewalt, "sein" Baby zu stillen. Zaghaft entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung, in der Miriam gleichzeitig zu einer Art Mentorin für Tsotsi wird. Sie bringt ihn dazu, sein bisheriges Leben zu überdenken.
"Tsotsi" zeichnet den packenden Überlebenskampf in der gefährlichsten Stadt Südafrikas. Die abstoßende und zugleich faszinierende Millionenmetropole Johannesburg bietet die perfekte Kulisse für das Drama, das in brutalen, aber auch poetischen Bildern von Wut und Hass, Verzweiflung, Liebe und Erlösung erzählt. Die passende musikalische Untermalung erhält der Film durch den pulsierenden Sound des "Kwaito", dem modernen Musikstil der südafrikanischen Townships.
Vera Seeberg
Tsotsi (Presley Chweneyagae) kann mit dem drei Monate alten Baby überhaupt nichts anfangen. (ARD / Degeto)
Als Tsotsi (Presley Chweneyagae) das Baby wickelt, erntet er heftigen Protest. (ARD / Degeto)
Der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) ist der Anführer einer Gangsterbande am Rande von Johannesburg. (ARD / Degeto)
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