Crosby, Stills, Nash & Young - Déjà Vu Live
Crosby, Stills, Nash & Young Déjà Vu LiveAnzeige Es ist ein Song, der das ganze Album zusammenfasst. "Let's Impeach The President" skandieren Crosby, Stills, Nash & Young ziemlich früh auf dem Soundtrackalbum "Déjà Vu Live" zum Dokumentarfilm "CSNY - Déjà Vu". Eine offene Amtsenthebungsforderung, das ist vielen Konzertbesuchern zu viel. Und so gibt es neben den enthusiastisch mitsingenden Teilen des Publikums auch wüste Beschimpfungen und laute Pfiffe. CSNY haben während ihrer "Freedom Of Speech"-Tour, die dem Live-Mitschnitt zugrunde liegt, in der Tat kein Blatt vor den Mund genommen. Es war 2006, als Neil Young seine Wut nicht mehr unterdrücken wollte. Er schrieb ein Album, "Living With War" - so deutlich wie er ist lange niemand geworden. Neil Young hat den Präsidenten angeklagt, den Krieg verdammt, die Opfer bedauert, sich über die Dummheit der US-Amerikaner gewundert. Und er hat die Energie seiner Texte, dieses getriebene, bewusste Sloganizing auch musikalisch konsequent umgesetzt. Schrammelnde Gitarren, wütende Riffs, hysterische Hooks - als er seine alten Kumpels David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash fragte, ob sie mit diesem Album zusammen auf Tour gehen wollten, sagten sie sofort zu. Die Energie stimmte, die Botschaft auch. Da macht es nicht aus, dass sich die vier älteren Herren im Laufe der Jahre nicht immer grün waren. 62,5 Jahre alt waren CSNY im Schnitt, als sie auf Tour gingen. Und das merkt man dem Album durchaus an. So richtig filigran wird's hier nicht, ein bisschen altersbehäbig und holprig wirkt's bisweilen gar, was die Herren da auf der Bühne veranstalte. Dafür aber ist es ehrliche Musik, und es wird Klartext geredet und gespielt. Die Wut im Bauch ist noch da, sie ist sogar größer geworden, weil sich die Geschichte wiederholt. Vor fast vier Jahrzehnten gingen CSNY auf eine ähnliche Tour mit derselben politischen Botschaft: Krieg, damals in Vietnam, ist das Dümmste, was man machen kann. Und das muss nicht glatt klingen, da darf es zur Sache gehen, da müssen Gitarren jaulen, Drums und Bässe stampfen, gelegentliche Bläsersätze quaken. All das passiert auf dem Album, das neben vielen Songs von "Living With War" auch CSNY- und CSN-Klassiker enthält. Einer der Höhepunkte ist Stephen Stills "For What It's Worth" (für Buffalo Springfield geschrieben, in der Stills unter anderem mit Neil Young spielte), diese unvergessliche Anti-Kriegs-Hymne mt dem markanten Refrain, die seit den 60er-Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat. Die Zeitlosigkeit ihrer immer noch rockenden Folksongs und die Lust an der Kontroverse, an der der Diskussion, an der Interaktion mit dem Publikum machen "Déjà Vu" zu einem bemerkenswerten Live-Album. Hier kommt es nicht auf den perfekten Soundmix an, sondern auf das Gefühl, dabei zu sein. Ob man die Ansichten der Band teilt oder nicht, spielt keine Rolle. Selten war ein Live-Album so intensiv erlebbar. Und selten haben sich Musiker so ehrlich ihren Fans und Kritikern gestellt. Andreas Fischer |
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