(tsch) Als bekannt wurde, dass Tom Tykwer den Patrick-Süskind-Roman "Das Parfüm" verfilmen würde, waren die Leute fein säuberlich in zwei Lager gespalten. Die einen halten Tykwer für einen verbrämten Intellektuellen, der jeder Geschichte ein verquastes "Und die Moral von der Geschichte ..." hinzufügt, die anderen sehen in seinen Filmen gerne eine generelle Bestandsaufnahme des deutschen Kinos. Ganz so einfach sollte man es sich bei dem gebürtigen Wuppertaler nicht machen. Fest steht nur, dass Tykwer, spätestens seitdem Lola 1998 durch die Kinos rannte, für visionäre Filme steht. Mit seiner komplexen und atmosphärischen Schuld-und-Sühne-Story "Heaven" (2000), die das Erste als Free-TV-Premiere ausstrahlt, zeigte er, dass Visionen nicht unbedingt etwas mit cineastischen Provokationen zu tun haben müssen.
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Tykwer verlässt sich in "Heaven" auf die dem Kino ganz eigene Magie. Er präsentiert ein Stück episches Erzählkino, das sich im Verlauf der Geschichte von einer rationalen auf eine spirituelle Ebene begibt. Zerbrechlich und abgebrüht zugleich spielt Cate Blanchett ("Herr der Ringe", "Die Tiefseetaucher") die Englischlehrerin Philippa, die in Turin einen gefährlichen Drogendealer zur Strecke bringen will. Dieser hat ihren Mann und viele ihrer Schüler auf dem Gewissen. Alle Hinweise bei der Polizei führen zu nichts, denn der als Geschäftsmann getarnte Verbrecher verfügt über gute Kontakte zur Staatsgewalt. Philippa greift zur Selbstjustiz, doch das Attentat misslingt und vier unschuldige Menschen sterben.
Die Polizei verhaftet Philippa, die erst im Verhör von der fehlgeschlagenen Tat erfährt. Trotz ihrer Erklärungen beharren die Gesetzeshüter auf einem politischen Motiv. Nur ein junger Polizist (Giovanni Ribisi, "Lost in Translation", "Der Flug des Phönix") schenkt ihr Glauben. Er ist fest davon überzeugt, dass sie füreinander geschaffen sind, und er entwirft einen Plan, der ihr die Freiheit zurückgeben soll. Dabei ahnt der junge Mann, dass er in seiner Liebe zu einer Frau, die alles riskiert hat und bereit ist, alles aufzugeben, keine Bedingungen stellen darf.
In Tykwers Filmen setzt sich, nachdem einmal eine Entscheidung getroffen wurde, die Schicksalsmaschinerie in Gang - ein Zurück gibt es nicht mehr. Als ihre Triebkräfte dienen Liebe und Moral, und der Regisseur denkt die Konsequenzen bis zum Ende durch. Wenn ihm das auch bei "Das Parfüm" gelingt, dann kann aus dem mit Dustin Hoffman, Alan Rickman und Corinna Harfouch äußerst prominent besetzten History-Thriller eine Erfolgsstory werden, die die Kritikerlager miteinander versöhnt.
Andreas Fischer
Nach dem missratenen Anschlag auf einen Turiner Drogenboss wird Philippa (Cate Blanchett) verhaftet und abgeführt. (ARD Degeto)
Erst im Verhör der Polizei erfährt Philippa (Cate Blanchett, rechts), dass ihr Attentat fehlschlug und sie vier unschuldige Menschen tötete. (ARD Degeto)
Der junge Carabinieri Filippo (Giovanni Ribisi) glaubt, in Philippa (Cate Blanchett) die große Liebe gefunden zu haben und flieht mit ihr aus dem Gefängnis. (ARD Degeto)
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