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Animals in Love

Animals in Love

(tsch) In der Tat, es war einmal ... Und so beginnt der Dokumentarfilm "Animals In Love" mit einem kurzen Abriss, wie diese Erde entstanden ist. In wenigen Minuten ist das zusammengefasst. Doch dann kamen zur Poesie des Windes und der Musik des Wassers schon die Tiere. Die Tiere, die sich fortpflanzen.

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Ungeachtet jeglicher Intimsphäre hält die Kamera drauf: Mancher Strandläufer hat zur Suche nach dem geeigneten Weibchen extra eine große gelbe Schere, damit er, wenn er denn schon Winkerkrabbe heißt, der Traumfrau deutliche Zeichen geben kann. Andere Tölpel ziehen sich zur Suche nach dem richtigen Partner türkise Schuhe an. Die Dritten bleiben im altbewährten Rahmen und begnügen sich nach wie vor mit aufgeregtem Schnattern.

Die Naturdokumentation von Laurent Charbonnier kommt zwar schnell zur Sache. Dabei geht der Franzose aber systematisch vor, ordnet die unterschiedlichen Phasen der Werbung. Tatsächlich stolzieren manche Gefieder umeinander, als stünden sie kurz vor einem Duell, über das sie vorher noch diskutieren müssen. Selbst das Gehopse der Zebras erinnert bisweilen an den Menschen.

Der Gedanke kommt im Verlauf des Films immer wieder. All diese Ähnlichkeiten zu Menschen im Nachtleben, die sich nicht anders als die Erpel benehmen, nur ohne Wasser.

Kurzweilig wird diese rasche Szenenfolge, die ohnedies Unterhaltungswert hat, durch die wuchtige menschelnde Musik von Philip Glass, der zuletzt Woody Allens "Cassandras Dream" musikalisch untermalte. 80 Tierarten wählte Charbonnier aus seinen 500 Drehtagen, beobachtet hat er die doppelte Anzahl. Doch nur die witzigen kamen durch. Die hektischen, die mit dem Sicherheitsbedürfnis sowie die mit den seltsamen Geräuschen. Alles an dieser Dokumentation ist mehr oder weniger putzig.

Die viele Arbeit, die sich über 16 Länder und extreme Klimazonen erstreckte, sieht man nicht. Charbonnier achtet auf ansprechendes Farbenspiel, auf Kontraste und den Bildaufbau. Er will nicht einfach nur abbilden. Denn er war es, der für die Kamera im erfolgreichen "Nomaden der Lüfte" verantwortlich zeichnet.

Seine Akribie entdeckt man in seinem Blick für Schönes, aber auch in der selbstvergessenen Energie, all diese Momente so zu schneiden, dass es eine stringente Reihenfolge vom Werben über den Liebesakt zum kurzen abschließenden Schwenk auf das Ergebnis gibt.

Schade ist, dass man so gar nichts über die Tiere erfährt. Die Bilder sollen kommentarlos wirken, aber hier und da wünscht sich mancher vielleicht, den ulkigen Vogel auch benennen zu können.

Philip Glass ist keiner, der spart. Seine wuchtigen Arrangements sind durchaus manchmal zu viel des Guten, treffen nicht immer den Ton, den der werbende Unbekannte anschlägt so wie es der Klassiker "Die lustige Welt der Tiere" 1974 vormacht. Aber das ist wahrscheinlich vom Künstler auch gar nicht gewollt. Wenngleich er hier und da auch nicht widersteht und die eleganten Frackträger im Schnee durchaus zu seiner Musik tanzen lässt.

Eines aber schafft diese Doku: Sie stößt den Löwen von seinem Thron. Als König wird diesen faulen Grunzer nach dem Miterleben seines Geschlechtsaktes keiner mehr bezeichnen.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Universum, F 2007, R: Laurent Charbonnier

Laufzeit: 86 Min.

Kinostart:
30. Juli 2008


In 16 Ländern wurden 170 Tierarten gefilmt.
In 16 Ländern wurden 170 Tierarten gefilmt. (Universum)

Regisseur Laurent Charbonnier und sein Team waren zwei Jahre unterwegs.
Regisseur Laurent Charbonnier und sein Team waren zwei Jahre unterwegs. (Universum)

Die beiden Giraffen scheinen sich gefunden zu haben.
Die beiden Giraffen scheinen sich gefunden zu haben. (Universum)

Datum: 27.07.2008

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