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Klee - Berge versetzen

Klee Berge versetzen

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Man hatte über die letzten Jahre schon den Eindruck, Klee würden langsam aber sicher ihre Gefühle vielleicht nicht unbedingt entdecken, wohl aber sehr massiv ausartikulieren. Nachdem sie Anfang des Jahrtausends mit dem kühlen "Erinner' Dich" noch Afterhour-tauglichen Beinahe-Housepop zelebrierten, kamen sie spätestens mit dem vor zwei Jahren erschienenen "Zwischen Himmel und Erde" mitten im Mainstream an. "Berge versetzen" verfolgt diesen Weg konsequent. Das vierte Klee-Album ist eine Platte, deren Eingängigkeit zwingend ist und das beste beider Welten verbindet. Einmal steckt da eine fast altersweise Klugheit drin, eine Ernsthaftigkeit, die sich in den oberen Regionen der Hitparaden nur sehr selten findet und sicher auch der engen Freundschaft der Band zu Deutschlands wohl bestem Liedermacher Tom Liwa zu verdanken ist. Andererseits setzt die Platte einen Themenschwerpunkt, der in Sachen Allgemeingültigkeit wohl seinesgleichen sucht. Es geht um die Liebe in all ihren Facetten.

Und die Liebe, die ist hier mehr als ein kleiner Zeitungscartoon mit zwei Nackedeis, einem gefälligen Sinnspruch und vielen roten Herzen. Die Liebe ist hier so eine Art Zugfahrt, deren Haltestellen bisweilen keck glänzen, andernorts aber auch heruntergekommene Schleusen mitten in Problemgebiete sind. Ein guter Trick, denn so vermeiden Klee ein Abdriften in allzu seichte Gewässer: Denn selbst wenn man sich einen Song wie "Weil es Liebe ist" durchaus als Soundtrack für diverse tendenziell eher unangenehme Kuppel-Shows im Fernsehen vorstellen kann: Hört man die ganze Platte, so zeigen Klee, und das ist dann fast brutal, eben auch andere Seiten: "Weine nicht" etwa versucht sich zwar am Trost, ist dabei aber nur mäßig erfolgreich. Kann man der Band nicht vorwerfen, verlassen zu werden ist nun einmal nicht schön. Der Titeltrack geht noch einen Schritt weiter und schildert zu satten Streicherarrangements den Moment, in dem die Liebe weg ist. Einfach so.

Das ist durchaus bemerkenswert, weil das Konstrukt des pointierten Dreiminutenpopsongs, der Klee immerhin ins Nena-Vorprogramm hievte, durch so viel Inhaltsschwere schon ein bisschen in Frage gestellt wird. Aber Klee lassen sich eben auch über ihr Handwerk begreifen, inszenieren ihre Stücke als melodieverliebte und ungeheuer souveräne Schatzkisten, die mehr als nur Balladeskes bieten. Da wird schon der Opener "Zwischen Glauben und Verstehen" von einem wunderbaren und sehr britisch singenden Bass geprägt, auch das folgende "Zwei Herzen" funktioniert durch einen zwingenden Refrain und ein sehr stabiles Rhythmusgerüst. "7 Schritte" lehnt sich ein bisschen an Bob Doroughs Mathelernlied "Three Is A Magic Number" an, und "Die Königin" leuchtet hedonistisch Richtung Diskokugel und passt übrigens ausnehmend gut zu Frontfrau Suzie Kerstgens. Spätestens bei diesem Song sollten die oft gehörten und arg blöden Silbermond- oder Juli-Vergleiche so sehr ins Leere greifen, dass sie einfach nur verpuffen.

Jochen Overbeck


Datum: 27.07.2008

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Diskussion: "Klee - Berge versetzen"

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