Jasmin Tabatabai
Ein gelassener Blick zurückSchauspielerin Jasmin Tabatabai (tsch) Sie hat sich verändert. Das räumt sie selbst ein, und es ist auch zu spüren. "Es ist schwer zu erklären, aber wenn es Ihnen hilft, schreiben Sie doch einfach: 'Jasmin ist weicher geworden.' Ich bin eben älter, nicht mehr so wild wie früher. Auch gelassener." Jasmin Tabatabai ist zurück, und es besteht kein Zweifel daran, dass eine Frau wie sie dem oft viel zu schicken deutschen Kino gefehlt hat. "Fremde Haut" heißt ihr neuer Film, der am 20. Oktober startet. Die 38-Jährige ist fleißig auf Promotiontour für diese kleine, aber eben auch höchstinteressante Produktion, die ihr wie auf den Leib geschneidert ist. Und immer wieder muss sie zunächst die gleichen Fragen beantworten. Anzeige "Vielleicht sind es ja rückblickend vor allem die romantischen Erinnerungen, die übrig geblieben sind." In Teheran wurde sie als Tochter eines persischen Vaters und einer Münchnerin 1967 geboren. 1978 kam sie nach Deutschland, jedoch unter weit angenehmeren Umständen als jene, die die Frau erleiden muss, die sie nun in Angelina Maccarones politischem Drama spielt. Hier flieht sie aus dem Iran, nachdem sie aufgrund ihrer lesbischen Neigungen verfolgt wird. In Deutschland angekommen, werden im Auffanglager viele quälende Fragen gestellt. Nachdem ihr Asylantrag abgelehnt wird, sieht sie nach dem Selbstmord eines iranischen Mitinsassen eine Chance: Sie nimmt seine Identität an und beginnt - als Mann - ein neues Leben in der Provinz. "Mein Bruder ist ein Jahr älter als ich, und wenn ich ehrlich bin, spiele ich ihn", lächelt Jasmin Tabatabai und ergänzt, dass noch ein paar Spuren ihres Vaters (er starb 1986) enthalten seien. Eine Figur, spröde, herausfordernd, authentisch - wie gemacht für die Schauspielerin, in deren Filmografie sich kaum "Gewöhnliches" findet. "Es gibt nicht so viele Rollen, auf die mein Typ passt. Aber oft sind es eben die schönsten." Klar, dass ihr diese hier aufgrund gewisser Parallelen zum eigenen Lebenslauf lag. Doch immer wieder betont sie auch die Unterschiede: "Es ist nicht wirklich vergleichbar. Ich besaß immer einen deutschen Pass. Als wir nach Deutschland kamen, war das keine Flucht." Und längst fühlt sie sich heimisch, findet Positives wie Negatives gleichermaßen an diesem Land: "Ich mag die Ernsthaftigkeit der Deutschen, auch wenn ich als Kind zunächst darunter gelitten habe. Doch dann, wenn das Eis gebrochen ist, findet du hier viele treue und loyale Freunde." Was ihr fehlt, offenbart sich ihr seit Dezember 2002, als mit Angelina Sherri Rose ihre erste Tochter zur Welt kam. "Deutschland hat ein merkwürdiges Verhältnis zu Kindern." Im Iran oder auch in Spanien, der Heimat ihres Mannes, sei der Umgang mit ihnen liebevoller, toleranter. "Dort käme niemand auf die Idee, sich über ein Kinderlachen während der Mittagsruhe zu beschweren." Da erinnert sich Jasmin gerne an ihre Kindheit zurück, an blaue Himmel, an warme Winde und nicht zuletzt auch an die Achtung, die Kinder im Iran erfuhren. Ihre Jugend verbrachte Jasmin Tabatabai zunächst in München, später zog sie nach Berlin, und nach großen Erfolgen - wie vor allem dem Musikfilm "Bandits" - richtete sich das Augenmerk der deutschen Filmszene zunehmend auf die Schauspielerin. Als Single zog sie durch die Zeit, entwickelte in Interviews den Eindruck eines ungezügelten, geradlinigen, mitunter auch egoistischen Mädchens, das vor allem eines hasst: Abhängigkeiten. Doch nun, als Mutter, präsentiert sich da eine neue, eine gewandelte Frau. "Plötzlich war sie da, die Situation, in der du bedingungslos geben musst. Es war und ist eine gute Ego-Übung für mich. Das Leben dreht sich eben plötzlich auch um jemand anderen." Die Auszeit habe ihr geholfen - auch, um die Liebe zum Film wieder zu finden. Eine Weile lang hatte sie sich zuvor auf ihre musikalische Karriere konzentriert, Platten eingespielt, viele Live-Auftritte absolviert. Mit der Musik wird es bald weitergehen, doch zunächst stehen Kino und TV wieder im Vordergrund. "Ich bin wieder gerne Teil dieser Kultur. Vor allem, da der deutsche Film in den vergangenen Jahren deutlich besser, spannender geworden ist." Was ihr noch fehlt, sind Produktionen, die sich den Problemen von Frauen um die 40 annehmen. "Geschichten von erwachsenen, lebendigen Menschen." Gut möglich, dass Jasmin Tabatabai bald schon mit einer eigenen Produktionsfirma diese Lücke zu schließen versucht. Kai-Oliver Derks |
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