L.A. Crash
L.A. Crash(tsch) Über manche Dinge können Cineasten einfach nur den Kopf schütteln. Programmplanung zum Beispiel. So ist es nur schwer nachvollziehbar, warum das Erste die Erstausstrahlung von "L.A. Crash" (2004), der bei der Oscarverleihung 2006 zum besten Film erklärt wurde, um 23.15 Uhr zeigt, während zur Primetime die Wiederholung eines Christine-Neubauer-Schmachtfetzens läuft. Ohne die darstellerische Leistung von la Neubauer schmälern zu wollen - gegen die Leistung einer ungewohnt zickigen Sandra Bullock, eines nachdenklichen Don Cheadle und des Antihelden Matt Dillon hätte sie den Kürzeren gezogen. Anzeige Die Geschichte dieses intensiven Stadtporträts ist keineswegs schnell, leicht, gar nicht mal spannend erzählt. "L.A. Crash" ist ein vielschichtiges Charakterdrama, in dem Gutes manchmal zu Bösem wird, und das Böse manchmal gut. Es ist die Geschichte einer Vielzahl unterschiedlicher Einwohner dieser "Stadt aus Glas", wie gleich zu Beginn philosophiert wird. Paul Haggis, bisher als Drehbuchautor gefeiert, gelang mit seinem Kinodebüt als Regisseur sogleich ein Meisterwerk. Im Grunde ist "Crash", so der Originaltitel, ein Lehrstück über Stolz und Vorurteile. Aber jeder bekommt - und da unterscheidet sich Haggis' Bestandsaufnahme des Lebens in L.A. gar nicht mal so von der Realität - eine Chance, wenn sie nur wahrgenommen wird. Rassismus ist das tragende Leid-Thema des Films - egal, von welcher Ethnie empfunden; egal, von welcher persönlichen Enttäuschung vom Leben getragen. Den klassischen Part übernimmt Matt Dillon als Polizist, der Christine (Thandie Newton), die Beifahrerin und Freundin eines schwarzen Filmregisseurs bei einer Wagenkontrolle sexuell demütigt. Es soll nicht das letzte Mal sein, dass sich die beiden gegenüberstehen. Währenddessen muss Ermittler Waters (Don Cheadle, "Hotel Ruanda") nicht nur wichtige berufliche Entscheidungen treffen, sondern sich auch um seine familiären Probleme kümmern. Seine heroinsüchtige Mutter bittet ihn, nach seinem jüngeren Bruder zu suchen, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Nach und nach sieht der Zuschauer, wie die einzelnen Charaktere miteinander verbunden sind, wie sich Vorurteile aufbauen oder in Luft auflösen. Der Film endet, wie er beginnt: Mit einem von den dutzenden Auffahrunfällen, die sich täglich in einer Metropole wie Los Angeles ereignen. Der Zuschauer wird nachdenklich zurückgelassen. Claas Nielsen |
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