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Die Rap-Starköchin zaubert wieder

Rapperin Missy Elliott

(tsch) Sie räumt als Produzentin, Rapperin, Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Labelchefin mächtig ab. Ihre Platten erreichen regelmäßig Platinstatus. Sie besitzt eine eigene Klamottenlinie bei Adidas. Die Liste ließe sich ohne Probleme weiterführen. - Für so grandiosen Erfolg in der Welt des Rap, einer eiskalten Männerdomäne, steht nur ein Name: Missy Elliott. Und die Dame hat sich ihre XXL-Brötchen redlich verdient. 15 Monate nach ihrem Album "This Is Not A Test" meldet sie sich zurück und will mit ihrer sechsten Platte "The Cookbook" der HipHop-Szene das Kochen lehren.

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"Wenn ich das Radio anschalte", so Missy Elliott, "stelle ich jedes Mal mit Erschrecken fest, dass der Großteil der Musik verdammt ähnlich klingt. Früher, als ich noch jung war, gab es keine Künstler, die man so einfach auf eine Stufe stellen konnte. Salt'n'Pepa war unvergleichbar. Es gab nur einmal Public Enemy, einen einzigen Big Daddy Kane." Dagegen muss etwas unternommen werden, setzte sich die Lady in den Kopf und begann ihr eigenes leckeres Süppchen zu kreieren.

Die musikalischen Kochkünste der Melissa Arnette Elliott - wie sie mit bürgerlichem Namen heißt - waren allerdings nicht immer jedermanns Geschmack. Angefangen hat alles in den späten 80-ern, als sie mit ihren Nachbarskindern im amerikanischen Portsmouth, Virginia, den Rap-Act "Sista" ins Leben rief. 1991 nahm DeVante Swing von der R'n'B-Band Jodeci die Mädels-Combo bei Elektra unter Vertrag. Doch das Glück währte nicht lange: Die ehrgeizige Missy stieg bald wieder aus, weil die Songs kein Gehör fanden - DeVante weigerte sich schlicht, sie zu veröffentlichen. Das würde er kurze Zeit später allerdings bereuen.

Melissa tat sich nämlich mit Tim Mosley aka Timbaland zusammen und bastelte von nun an kräftig an ihren Songwriter- und Produzentenqualitäten. Mit Erfolg. Denn Elektra Records klopfte erneut bei der rappenden Dame an. Diesmal würde sie sich aber nicht über den Tisch ziehen lassen und handelte einen raffinierten Deal aus: Ihre künstlerische Unabhängigkeit war durch das eigene Label "Gold Mine Records" gesichert. In dieser schmackhaften Zusammenarbeit schaffte sie 1997 mit dem Soloprojekt "Supa Dupa Fly" den absoluten Druchbruch und ließ sich in ihrem Siegeszug durch Radios, Musiksender und Gehörgänge nicht mehr aufhalten.

Unbegrenzter Ideenreichtum ist ihr oberstes Gebot: "Im Musikgeschäft gibt es zwar Leute mit persönlicher Identität, aber auch unendlich viele Nachahmer. Die sind nicht original und kreativ, weil sie Angst davor haben." Das war bei der Queen of Rap mit Sicherheit nie der Fall. Ihre kräftigen HipHop-Beats, verfeinert mit Soul, Funk, Elektro und R'n'B, die auch auf ihrem zweiten Album "Da Real World" (1999) alle Boxen zum Hüpfen brachten und von einem völlig eigenen Stil geprägt waren, wollten sich andere Künstler zunutze machen. So kam es, dass beispielsweise Janet Jackson, Whitney Houston, Destiny's Child, Mel C und besonders Aaliyah - Missys Ziehschwester - bei Lady Elliott vorbeischauten und sich Songs produzieren ließen. Die Sterneköchin hat da kräftig und vor allem Gewinn bringend mitgebrutzelt.

Am Anfang des neuen Jahrtausends wurde sie mit ihren Werken drei, vier und fünf, "Miss E ... So Addictive" (2001) "Under Construction" (2002) und "This Is Not A Test" (2003), endgültig in die Riege der besten Rapstarköche aufgenommen. Besonders mit zweiteren schaffte sie es, durch ihre genialen Old-School-Klänge Kritiker zu überzeugen. Die 34-Jährige kommt mit immer wieder neuen Ideen, denn sie hat die Grenzen des HipHop-Genres noch nie akzeptiert.

Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Meistern des Sprechgesangs - darunter etwa Jay-Z, Method Man und Ludacris - bewies die Amerikanerin, dass in der männerbeherrschten (Rap-)Welt auch Frauen bei der Kreation neuer musikalischer Rezepte Geschmack und Erfolg haben können. "Wir Mädels waren immer so still, und uns wurde vorgeschrieben, was wir zu sagen hätten und was nicht. Egal, was Frauen machen, die Männer dominieren." Sich unterkriegen lassen - das klingt deshalb wie ein Fremdbegriff in Missys Ohren. Heute hat sich der weibliche Workaholic als einzige Frau im Rapgame als feste Kult-Größe etabliert.

Nun steht ihr sechster Streich "The Cookbook" in den Plattenläden bereit, um erneut sämtliche Preise des Musikbiz abzusahnen. Zwei Grammys strahlen bereits in ihrem Trophäenregal. Wieder frohlocken da Songs mit Gastkünstlern wie Mary J. Blige und Slick Rick. Und Missy Elliott singt! Die eigentlichen Gewürzmischungen aus ihrem Kochbuch sind jedoch nicht neu, denn wieder verwurstet die Rapperin viele Old-School-Elemente mit R'n'B-Sounds. Eines muss die dünner gewordene Missy Elliott allerdings doch zugeben: "Ich kann gar nicht kochen! Aber ich koche Musik. Mit diesem Album will ich meine Zutaten zeigen: ich als Künstlerin, als Songwriterin und Produzentin." Na dann: Guten Appetit!

Julia Schöppner


Die Queen of Rap ist zurück: Mit ihrem neuen Album "The Cookbook" will Missy Elliott wieder kräftig mitmischen.
Die Queen of Rap ist zurück: Mit ihrem neuen Album "The Cookbook" will Missy Elliott wieder kräftig mitmischen. (Warner)

Missy Elliott hat es den Männern gezeigt: Sie ist die einzig wahre weibliche Größe der HipHop-Szene.
Missy Elliott hat es den Männern gezeigt: Sie ist die einzig wahre weibliche Größe der HipHop-Szene. (Warner)

Mit ihrer neuen Platte "The Cookbook" will Missy Elliott der Rap-Szene das Kochen lehren.
Mit ihrer neuen Platte "The Cookbook" will Missy Elliott der Rap-Szene das Kochen lehren. (Warner)

Datum: 14.07.2005

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Diskussion: "Missy Elliott"

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