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Die Girls von St. Trinian

Die Girls von St. Trinian

(tsch) "Diese Schule rockt", heißt es. Da wird gesoffen, dass man am Dienstag noch blau ist, die Frau Direktorin raucht gern mal einen Joint und vertritt vehement - im rosa Jogginganzug - unorthodoxe Methoden. Leider steht das coole Internat St. Trinian dennoch vor der Pleite, die man mit vereinten Kräften und einem krummen Ding abwenden will. Auch der britischen Komödie "Die Girls von St. Trinian" wird es nicht viel besser ergehen. Kaum anzunehmen, dass Rupert Everett, der smarte Brite, und sein Freund Colin Firth die Pleite mit ihrer heißen Kussszene abwenden können?

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Rupert Everett kokettiert gerne mal, er sei homosexuell, gibt in Filmen gerne die Tunte, und die Rolle der Camilla Fritton genoss er sichtlich. Auch wenn diese Schuldirektorin natürlich alles andere als konservativ ist, erinnert die Dame zuweilen an die Mutter aller Männer in Frauenkleidern; weniger "Tootsie", sondern viel mehr an die gute alte Miss Doubtfire, der Robin Williams einst ein freundliches Gesicht gab.

Camilla Fritton lenkt die Geschicke in dieser anarchistischen Zelle auf dem Land und selbstredend hatte die wilde Alte früher etwas mit dem Bildungsminister (Colin Firth), der ihr und ihrem Internat gerade auf den Pelz rückt. Daneben spielt Everett den Vater der Außenseiterin Annabelle (Talulah Riley), die neu an die Schule kommt. Carnaby Fritton ist ein zwielichtiger Gauner und der Bruder von Camilla.

Soweit ist das Personal glücklich gewählt, doch vor allem liegt das Augenmerk auf den Schülerinnen. Und die wurden nach dem Prinzip "Schubladen erhöhen das Denkvermögen" in ein sehr enges Korsett gezwängt. Ob "Emo" oder "Posh", ihr Spielraum ist unverschämt eng. Da wird sich unpointiert angefeindet und angewidert geschaut. Soll es die Kamera mit ihrer wilden Fahrt samt der schnellen und populären Musik richten? Davon kann nicht ernsthaft ausgegangen werden.

Zwar basiert die frei erfundene Geschichte auf den illustrierten und recht brutalen Romanen aus den Vierzigern, doch so brav und bieder kann das niemand gewollt haben. Man kann gar nicht glauben, wie dicht ein Drehbuch an der Oberfläche bleiben kann, wie sich die Verantwortlichen mit Szenen so gar keine Mühe geben. Es dürfte doch klar sein, dass ein optisches Feuerwerk alleine nicht genügt.

Gerade ihr anarchisches, schwarzhumoriges Potenzial verschenkt diese Komödie, lässt nicht einen bösen Witz zu, zeigt sich auf beschämende Weise harmlos. Damit dürfte genau das junge Publikum vergrault werden, das sich kaum identifizieren kann. Wenn spießige Männer in Ameisenhaufen treten, lacht vielleicht noch das Publikum im Seniorentheater, aber sicher kein Jugendlicher.

Die kleinen, vermutlich auf Everett zurückzuführenden Insidergags, die beispielsweise Scarlett Johansson und Colin Firth betreffen (die zusammen in "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" auftraten), können letztlich auch keinen Funken entzünden. Schlappe Klischeewitze von der Stange über "Big Brother" und "Dschungelcamp", über Blondchen, über dumme und hässliche Mädchen, die schlau und lesbisch sind, würdigt vermutlich kaum ein Zuschauer mehr.

Schauerlich die Moral von der Geschicht. Nicht nur, dass ihr während der gesamten Laufzeit der Mut fehlt, sondert sie liefert letztlich noch eine Schlusspointe ab, die unbarmherzig Gerechtigkeit herstellt und in der Oberflächlichkeit einen guten Kern findet. Nur der Pudel drumherum fehlt. Ebenso wie der Schoßhund der Direktorin, der landete des Witzes wegen im Rasenmäher.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Concorde, GB 2007, R: Oliver Parker, Barnaby Thompson, D: Colin Firth, Rupert Everett, Jodie Whittaker u.a.

Laufzeit: 97 Min.

Kinostart:
07. August 2008


Ein heruntergekommenes Mädchen-Internat muss um seine Existenz fürchten.
Ein heruntergekommenes Mädchen-Internat muss um seine Existenz fürchten. (2008 Concorde Filmverleih GmbH)

Camilla Fritton (Rupert Everett), die Direktorin des St. Trinian Internats, ist für ihren egozentrischen Stil bekannt.
Camilla Fritton (Rupert Everett), die Direktorin des St. Trinian Internats, ist für ihren egozentrischen Stil bekannt. (2008 Concorde Filmverleih GmbH)

Will Vater Carnaby Fritton (Rupert Everett) für seine Tochter Annabelle wirklich nur das Beste?
Will Vater Carnaby Fritton (Rupert Everett) für seine Tochter Annabelle wirklich nur das Beste? (2008 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 03.08.2008

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