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Stolz und Vorurteil

Stolz und Vorurteil

(tsch) Jane Austen war schon zu Lebzeiten derart erfolgreich, dass Rosamunde Pilcher und Joan K. Rowling gemeinsam ihr Licht nicht in den Schatten hätten stellen können. Mit ihren tiefsinnigen Gesellschaftsromanen über den englischen Hochadel zeigt sie bis heute, wie elegant und intelligent Liebesgeschichten erzählt werden können, ohne kitschig zu wirken. Nach Shakespeare erfreut sich Jane Austen heutzutage der größten Beliebtheit, wenn es um die Zelluloid-Werdung literarischer Arbeiten geht. Ob Gwyneth Paltrow als "Emma" oder Emma Thompson und Alan Rickman in "Sinn und Sinnlichkeit": Vorrangig Frauen schmelzen dahin, wenn im großen Finale der Kuss echter Liebe ausgetauscht wird. In Zeiten, in denen nackte Tatsachen im Kino Alltag geworden sind, versucht nun auch Keira Knightley als starrsinniges Fräulein in "Stolz und Vorurteil" zu beweisen, dass es noch genug Zuschauer gibt, die sich auf das Abenteuer zartfühlender Romantik einlassen wollen.

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Wenngleich: Es gibt schon eine sehr gelungene Verfilmung des literarischen Bestsellers aus dem Jahre 1995, in der Jennifer Ehle als Elizabeth Bennet und Colin Firth als Mr. Darcy zumindest auf dem Fernsehschirm zu bescheidenem Ruhm kamen. Firth haftet seitdem das Darcy-Etikett derart hartnäckig an der Stirn, dass er sich von Helen Fielding zweimal überreden ließ, in den Filmfassungen ihrer "Bridget Jones"-Bücher erneut einen Mr. Darcy zu geben. Die Faszination für diesen stocksteifen Charakter, dessen Kindheit und Jugendzeit von adligen Zwängen und aufoktroyierter Überheblichkeit geprägt war, die ihm im Erwachsenenalter einen scheinbar undurchdringlichen Schild aus Arroganz und Gefühlskälte verleiht, ist für den modernen Menschen nur schwer ergründlich. Doch ist es nicht am schönsten, wenn ein harter Panzer von einer schönen Frau aufgebrochen wird, um darunter viel zu lang verborgene Herzlichkeit und Liebe zu finden?

Eben dieser Entwicklungsprozess, in dessen Verlauf Masken von Gesichtern gerissen werden und sich die wahren Naturelle der Menschen offenbaren, ließ Jane Austens Erzählungen schon frühzeitig zu Klassikern werden. In "Stolz und Vorurteil" geht es daher auch um nichts anderes.

Die etwas zickige, eigensinnige und selbstbewusste Elizabeth (überzeugend: Keira Knightley), eine von fünf Töchtern des ehrbaren Mr. Bennet, möchte sich ihren zukünftigen Ehemann selbst aussuchen und leidet doch unter dem Druck, bei Zurückweisung einer arrangierten Verbindung in Mittellosigkeit zu enden. Doch ihr gertenschlankes Äußeres, sicherlich aber vor allem ihr kompromissloses, etwas aufsässiges Wesen, zieht die Aufmerksamkeit des unnahbaren Mr. Darcy (Firth ebenbürtig: Matthew McFadyen) auf sich. Fortan wird bei jeder Gelegenheit fröhlich herumgezickt. Man wirft sich Unverfrorenheiten - freilich immer recht höflich formuliert, das erforderte wohl die damalige Zeit - an den Kopf. Doch schließlich gesteht Mr. Darcy dem überraschten Enfant Terrible des pragmatisch-ruhigen Mr. Bennett (zu Tränen rührend: Donald Sutherland) seine glühende Liebe.

Ob es zum Happy-End kommen kann, was freilich nicht nur mit einer Hochzeit Elizabeths garantiert wäre, sondern auch mit dem Liebesglück ihrer Schwestern zusammenhängt, ist keine Frage des vorhandenen literarischen Wissens seitens des Zuschauers, sondern eine des Gefühls. Eine Erzählung wie "Stolz und Vorurteil", die davon lebt, emotionale Spannung über die langatmige Darstellung der Sittenlandschaft im England des 18. Jahrhunderts aufzubauen, kommt ohne ein erlösendes Feuerwerk der Offenbarungen nicht aus. Umso befriedigender ist es, dass es am Ende allen gut geht - auch dem Vater, der (fast) alle seine Töchter unter die Haube bringen konnte, und das unter dem Fingerzeig der Liebe, was sicher nicht üblich war in der feinen Gesellschaft.

Leif Kramp

Credits:
V:UIP, USA / GB 2005, R: Joe Wright, D: Keira Knightley, Matthew MacFadyen, Judi Dench u.a.


Elizabeth Bennet (Keira Knightley), eine selbstbewusste junge Frau, will ausschließlich aus Liebe heiraten.
Elizabeth Bennet (Keira Knightley), eine selbstbewusste junge Frau, will ausschließlich aus Liebe heiraten. (2005 Universal Studios)

Der reiche und gut aussehende Mr. Fitzwilliam Darcy (Matthew McFadyen) macht einen sehr arroganten Eindruck.
Der reiche und gut aussehende Mr. Fitzwilliam Darcy (Matthew McFadyen) macht einen sehr arroganten Eindruck. (2005 Universal Studios)

Auch Mr. Collins (Tom Hollander) hat es auf eine Bennet-Tochter abgesehen.
Auch Mr. Collins (Tom Hollander) hat es auf eine Bennet-Tochter abgesehen. (2005 Universal Studios)

Datum: 15.10.2005

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