Keira Knightley

Alles - und das so schnell wie möglich

Schauspielerin Keira Knightley

(tsch) Sie ist zierlich, fast schon hager, wie sie dort sitzt auf dem massiven Hotelstuhl über der Hamburger Alster. Dabei musste Keira Knightley schon einige Kämpfe ausfechten, die für sie aber nicht mit Blessuren, sondern mit Popularität und hohen Gagen endeten. Als aufstrebende Amateurfußballerin in "Kick it like Beckham" wurde sie zum Star und verdrehte kurze Zeit später auch Orlando Bloom den Kopf ("Fluch der Karibik"). Mittlerweile spielt sie zusammen mit Oscar-Preisträgern (Adrien Brody) und altgedienten Schauspielgrößen: Neben Donald Sutherland erweckt die gebürtige Londonerin das Sittengemälde "Stolz und Vorurteil" (Kinostart: 20.10.) nach der berühmten Erzählung von Jane Austen zum Leben - und das ganz ohne Spezialeffekte, Kanonendonner und nackte Haut. Im Interview spricht die 20-Jährige über Hartnäckigkeit, Mädchenträume und das mögliche Ende Ihrer Karriere.

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teleschau: Wären wir Figuren aus einer Jane-Austen-Verfilmung, hätte ich Sie dann mit einem Handkuss begrüßen müssen?

Keira Knightley: Sie hätten erst einmal aufstehen und mich ehrerbietig anschauen müssen. Es ist wirklich ungehörig, dass Sie noch nicht einmal Anstalten dazu gemacht haben. Oh, vielen Dank, bleiben Sie ruhig sitzen. (lacht)

teleschau: Vermissen Sie manchmal die Höflichkeit in unserer Gesellschaft?

Keira Knightley: Es ist wirklich verrückt, aber ich traf vor kurzem einen alten Mann, der mit Sicherheit 85 Jahre oder noch älter war. Er war wirklich die romantischste Person, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe. Obwohl er am Gehwagen stand und kaum ein Bein bewegen konnte, hielt er mir die Fahrstuhl-Tür auf und redete mit mir über das Wetter. Ich habe ihn gleich zum Tee in mein Haus eingeladen. Es hat mir gezeigt, wie selten solche Höflichkeiten doch geworden sind.

teleschau: Dann war es für Sie wohl ein echtes Vergnügen, sich schauspielerisch in die altertümliche Welt der feinen Gesellschaft aus Janes Austens Roman "Stolz und Vorurteil" einzuarbeiten?

Keira Knightley: Alle Jane-Austen-Romane sind ja heute noch unheimlich populär, weil sie von nichts anderem als wahrer Liebe und ihren Schwierigkeiten handeln. "Stolz und Vorurteil" integriert darüber hinaus noch die Themen des Erwachsenwerdens, also Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Das ist heute noch hochaktuell.

teleschau: Sie scheinen einen besonderen Hang zu Historienfilmen und Kostümschinken zu haben. Wieso?

Keira Knightley: Ich hoffe eigentlich, dass ich die Balance zwischen historischen und modernen Stoffen halten kann. Bei den letzten Filmen, die ich gedreht habe, die teilweise aber erst noch in Deutschland ins Kino kommen, wechseln sich moderne Geschichten mit Stoffen aus dem 18. Jahrhundert ab. Ob nun "Die Jacke" - ein hochmoderner Psychothriller - oder die Fortsetzung von "Fluch der Karibik" - ein Piratenfilm. Ich sortiere ja keine guten Drehbücher aus, nur weil mir die Kleider nicht passen, in die ich schlüpfen muss. Natürlich ist es bequemer, normale Klamotten anzuziehen. Aber manchmal bringt es eben auch Spaß, sich ein bisschen pompös zu kleiden.

teleschau: Was offenbar auch Hollywood gefällt: Sie spielen in den zwei "Fluch der Karibik"-Fortsetzungen eine herausragende Rolle.

Keira Knightley: Komischerweise assoziieren die Amerikaner den englischen Akzent sehr leicht mit Historienfilmen. Das kann schon zu einem Problem werden. Es hat aber einen großen Vorteil, in solchen Filmen zu spielen: Da wir uns zwar gut vorstellen können, wie das Leben damals ausgesehen hat, aber nie wirklich sicher sein können, ob es tatsächlich so war, bleibt immer Raum für Interpretationen. Ich fühle mich also irgendwie freier, wenn ich so etwas spiele ...

teleschau: Wie hat Sie der Erfolg verändert?

Knightley: Die Bekanntheit ist für mich nicht leicht zu verkraften, weil ich immer noch nicht mit ihr umgehen kann.

teleschau: Wie zeigt sich das?

Keira Knightley: Wenn ich auf der Straße um ein Autogramm gebeten werde, erschrecke ich mich immer noch zu Tode und bekomme manchmal sogar Angst. Deswegen wirke ich vielleicht unfreundlich, bin aber einfach nur unsicher. Es ist alles sehr merkwürdig: Die Leute starren mich an, obwohl ich gar nichts mache, außer die Straße entlang zu gehen. Ich bin doch kein Geist! Andererseits hat es die bekannten Vorteile, dass ich einen wunderbaren Job habe und die Chance bekomme, solche Herzensprojekte wie einen Jane-Austen-Film zu drehen. Dafür bin ich dankbar.

teleschau: Dabei wird die historische Vergangenheit darin ja etwas verklärt.

keira Knightley: Wir hatten Geschichtswissenschaftler am Set, die haargenau darauf achteten, dass alles faktisch korrekt ablief. Aber natürlich riecht man nicht den Urin, der die Straßen hinabläuft, wie es früher sicherlich war aufgrund der fehlenden sanitären Einrichtungen. Sehen wir es einmal so: Wenn man nur Menschen mit grausigen Zähnen im Film sähe, würde man doch nur auf die Zähne und nicht auf die Geschichte achten. Man muss also die Verhältnisse ausbalancieren. Zu viel Wahrheit kann auch schädlich sein.

teleschau: Hatten Sie selbst negative Schullektüren-Erfahrungen mit Jane Austens Romanvorlage?

Keira Knightley: Ganz im Gegenteil: Ich war förmlich süchtig danach. Das hatte schon fanatische Züge. Als ich sieben Jahre alt war, bekam ich ein Hörbuch mit der Geschichte. Als ich dann noch zwei Puppenhäuser geschenkt bekam, nannte ich sofort das eine "Pemberlay" und das andere "Longborn". All meine Puppen mussten die Rollen aus dem Buch spielen. Als dann die Fernsehfassung ausgestrahlt wurde, da war ich schon neun oder zehn, sah ich sie immer und immer wieder - zwei Jahre lang. Es war für mich also im buchstäblichen Sinne ein Traum, der wahr wurde, als ich die Rolle im Film angeboten bekam.

teleschau: Ihre Karriere begann mit dem kleinen Fußballfilm "Kick it like Beckham", für den Sie auch in Hamburg drehten. Nun treffen wir uns hier wieder an der Elbe: Hat sich seitdem viel geändert?

Keira Knightley: Nun, ich habe wieder den gleichen Haarschnitt, wenn Sie das bemerkt haben. Eigentlich hat sich nicht viel geändert ... oder eigentlich doch. Einerseits habe ich die ganze Zeit seit "Kick it like Beckham" gearbeitet und bin derselbe Mensch geblieben, andererseits haben mich heute gleich am Flughafen Leute nach Autogrammen gefragt, was damals bei meinem ersten Hamburg-Aufenthalt wirklich niemand wollte. Aber schon an diesem recht kurzen Zeitraum kann man sehen: Die Lebensdauer einer Schauspielkarriere für eine Frau ist recht kurz. Man muss so schnell wie möglich so viel wie möglich erreichen.

teleschau: Wie lang werden Sie sich wehren können, bis Sie gegen jüngere Konkurrentinnen ausgetauscht werden?

Keira Knightley: Wer weiß? Du bist immer nur so gut wie dein letzter Film, wenn man's technisch betrachtet. Aber die Realität nennt andere Zahlen: In Hollywood wird man geduldet, bis man 35 Jahre alt ist - und Glück hat. Nur wenige können es Judi Dench, Susan Sarandon oder Meryl Streep nachmachen. Natürlich ist es eine Schande, dass es Frauen in der westlichen Kinokultur nicht gestattet ist zu altern. Aber ich muss der Realität ins Auge sehen und all das so schnell wie möglich realisieren, was ich mir vorgenommen habe. Oder ich lerne Spanisch und arbeite dort weiter.

teleschau: Als Hauptdarstellerin in den "Fluch der Karibik"-Fortsetzungen sind Sie Teil der Vermarktungskette Hollywoods. Wie sehen Sie sich selbst darin?

Keira Knightley: Davon habe ich keine Ahnung. Das Geheimrezept ist, glaube ich, von allem etwas zu machen. Natürlich drehe ich zurzeit zwei Fortsetzungen von "Fluch der Karibik", und das macht wirklich Spaß. Die Leute wollen mehr Piraten-Geschichten sehen. Von der geschäftlichen Seite aus gesehen, hat sich das zudem äußerst gut ausgezahlt. Meine Motivation ist, einfach nur Filme zu drehen. Ich liebe Filme und ich liebe Geschichten - egal, ob sie kleinste Kunstfilme oder riesige Blockbuster sind.

teleschau: Gehen Sie strategisch vor, wenn es um Ihre Karriere geht?

Keira Knightley: Natürlich bin ich ehrgeizig, sehr sogar. Aber einen Plan für meine Karriere habe ich nicht. Ich habe auch keine Ahnung, was ich nach den beiden "Fluch der Karibik"-Teilen anstellen werde. Bis Februar wird sich daran wohl auch nicht viel ändern. Und dabei will ich es belassen.

teleschau: Wenn Sie alles auf sich zukommen lassen: Wie achten Sie darauf, dass Sie nicht den falschen Weg einschlagen?

Keira Knightley: Ich bin mein härtester Kritiker. So einfach ist das. Ich beschwichtige mich nie und verdränge schlechte Leistungen auch nicht. Das Schlimme ist, dass ich mich selbst, wäre ich der Regisseur, niemals für eine Rolle besetzen würde. Dabei will ich immer besser werden, und setze mich ständig unter Druck.

teleschau: Wie weit würden Sie gehen, wenn ein Regisseur Sie für eine Rolle ablehnt?

Keira Knightley: Der letzte Film, bei dem es mir wirklich schwer gemacht wurde, war "The Jacket" mit Adrien Brody. Da sagte mir der Regisseur John Maybury zuerst eiskalt ins Gesicht, dass ich nicht schauspielern könne und für die Rolle nicht geeignet sei. Das trifft natürlich im ersten Moment, doch ich war ihm dankbar für seine Ehrlichkeit. Auch Joe Wright, der Regisseur von "Stolz und Vorurteil", wollte ursprünglich nicht mich. Doch das spornte mich an. Solche Herausforderungen machen ja auch Spaß. Merkwürdig ist es dann nur, wenn ein Regisseur wie Tony Scott für seinen Film "Domino" von Anfang an nur dich will und ich mehrmals nachgefragt habe, ob er sich sicher ist. Schließlich ist der Film äußerst brutal.

teleschau: Sie arbeiteten auch für George Lucas in einem der neuen "Star Wars"-Filme. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Keira Knightley: Eine, die mir nicht sehr fest im Gedächtnis haften geblieben ist. Ich glaube nicht, dass ich ihn jemals getroffen habe. Ich war sehr weit im Hintergrund. Im hintersten Teil der zweiten, vielleicht im vordersten Teil der dritten Reihe. Aber genutzt hat es mir schon: Meine Nennung hat mir eine zweite Chance bei meinem kleinen Bruder gegeben, der mich jetzt schwerst cool findet. Das ist toll. Das war es wert.

Leif Kramp

Wertung
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Gibt sich bescheiden und zurückhaltend: Keira Knightley.
Gibt sich bescheiden und zurückhaltend: Keira Knightley. (2VISTA)
Keira Knightley hat noch immer Schwierigkeiten mit der eigenen Popularität.
Keira Knightley hat noch immer Schwierigkeiten mit der eigenen Popularität. (2VISTA)
Bei ihrem Besuch in Hamburg gab Keira Knightley den Fans Autogramme ... "was damals bei meinem ersten Hamburg-Aufenthalt wirklich niemand wollte".
Bei ihrem Besuch in Hamburg gab Keira Knightley den Fans Autogramme ... "was damals bei meinem ersten Hamburg-Aufenthalt wirklich niemand wollte". (2VISTA)

Datum: 15.10.2005

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