(tsch) Die Angst braucht kein Gesicht. So könnte der Leitsatz von M. Night Shyamalan lauten, der in diesem Sommer mit dem Scifi-Thriller "The Happening" trotz hoher Temperaturen für jede Menge Gänsehaut sorgt. Wenig Mittel, viel Mysterium. Noch so ein Satz, der gut zum Macher von "The Sixth Sense" passt. In "The Happening" ist die Angst, ja die apokalyptische Bedrohung gar, nur ein leises Windchen, das über die blühende Landschaft Nordostamerikas weht; in "The Village - Das Dorf" (2004), nun noch einmal bei ProSieben, ist sie einfach eine Farbe. Alles, was rot ist, ist böse. Wie die kleine Blume, die an der Veranda des Hauses wächst, aber von spielenden Kindern entdeckt und sogleich panisch vergraben wird. Rot stört das Leben im Dorf, das abgekapselt von der Welt irgendwie auf einer Lichtung entstanden ist. Der umgebende Wald ist tabu. Denn "Die, von denen wir nicht sprechen" hausen hinter den Bäumen ...
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Eine eigenartige Stimmung herrscht im Dorf, jener unwirklichen Kommune auf sattgrünen Hügeln. Es weckt Vorstellungen von einem alternativen, gewaltfreien, gleichberechtigten Miteinander. Marx hätte seine Freude gehabt, wenn da nicht der Haken mit der Angst wäre, die die Freiheit des unbeschwerten Miteinanders auf die Lichtung beschränkt.
Dorflehrer Walker (William Hurt) fragt sich zu Beginn, nachdem ein kleiner Junge aufgrund fehlender Medikamente starb: "Vielleicht war es nicht die richtige Entscheidung, hier zu siedeln?" Die Trauergemeinde schweigt. Man hat sich dran gewöhnt, nachts in gelben Schutzmänteln die von Fackeln erhellte Grenze zum Wald zu beobachten, und gelernt, mit der Angst umzugehen. Es ist schließlich seit Jahren nichts passiert.
Erst als einer der Jungen, der schweigsame und verschlossene Lucius (Joaquin Phoenix), ausbrechen will, kommt der Ältestenrat in Erklärungsnöte. Denn Lucius will in die Stadt, Medizin besorgen, damit nicht wieder Kinder sterben müssen. Als er lebensgefährlich verletzt wird, darf die blinde Ivy (Bryce Dallas Howard), Lucius' Geliebte und Walkers Tochter, das Dorf verlassen und sich auf den Weg machen. Das Gesicht der Angst kann sie schließlich nicht sehen.
Die Konstellation ist klassisch: Es gibt einen jugendlichen Helden, der aus hehren Motiven wissen will, was da draußen vor sich geht. Einen Dorfnarren (Adrien Brody), der dafür sorgt, dass Bewegung in das Phlegma kommt. Und eine blinde Seherin, deren Liebe unermesslich ist und die auch deshalb eines Tages die Dorfgemeinschaft führen soll. Sie ist auch die Einzige, die letztendlich die Grenzen überschreiten darf, der sich das Geheimnis hinter dem Wald aber nicht offenbart. Das Dorf ist ein Experiment, der Film darüber genauso. Und beide verlieren von ihrer anfänglichen Kraft durch den erhobenen Zeigefinger bei der Lüftung des Geheimnisses.
Die kleine Schwäche, die sich M. Night Shyamalan bei der Auflösung leistet, macht er durch die Stärke wett, mit der er erzählt. Er erzeugt eine düstere, bedrückende, klaustrophobische Stimmung. Selbst am helllichten Tag kommt die latente Angst aus jeder Einstellung gekrochen. Für den Erhalt der Dorfgemeinschaft ist diese gemeinsame Angst genauso nützlich wie für den einen oder anderen Schauer, der den Zuschauern den Rücken hinunter läuft: "The Village" ist ein schauriges, beklemmendes und tief gehendes Filmereignis, auch wenn es an Shyamalans Aaah-Erlebnis "The Sixth Sense" nicht heranreicht.
Frank Rauscher
Eines Tages will der junge Lucius (Joaquin Phoenix) den verbotenen Wald durchqueren, um in einer Stadt Medikamente zu besorgen, die von den Dorfbewohnern benötigt werden ... (ProSieben / Touchstone Television)
Eines Tages bringt der Dorfdepp Noah Percy (Adrien Brody) das gesamte Dorf in einen schweren Gewissenskonflikt. (ProSieben / Touchstone Television)
Um Lucius' Leben zu retten, wagt sich die blinde Ivy Walker (Bryce Dallas Howard) in den unheimlichen Wald. (ProSieben / Touchstone Television)
Datum: 09.08.2008
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