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Million Dollar Baby

Million Dollar Baby

(tsch) Wenn es Abend wird und sich über die karge Boxhalle der Schatten der Nacht legt, steht sie noch dort und prügelt auf den Sandsack ein. Nur ihre dumpfen Hiebe sind zu hören. Immer und immer wieder. "Million Dollar Baby" (2004) lässt zwei Arten von Menschen aufeinander treffen: Die einen haben Ziele, die anderen keine. Die einen haben Mut, die anderen Sorge. Die einen gehen ihren Weg vorwärts, die anderen blicken nur noch zurück. Clint Eastwoods Film, der nun bei ProSieben wiederholt wird, ist das beste Kinodrama der letzten Jahre. Tiefgründig, emotional überwältigend und vor allem: ehrlich.

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Ein Story zum Thema "Frauenboxen" räumt bei der Oscarverleihung ab und erhält die Auszeichnungen für den besten Film, die beste Hauptdarstellerin und den besten Nebendarsteller. Eigentlich unmöglich, mag man meinen, kämpft der Sport doch weltweit mit großen Vorbehalten. Doch das Boxen ist hier keineswegs eine durchschaubare Metapher wie einst bei "Rocky", sondern nurmehr der Katalysator, der eine besondere Beziehung zwischen zwei eigentlich ganz gewöhnlichen Menschen vorantreibt.

Frankie Dunn (Clint Eastwood) ist sein Leben lang nicht aus der Deckung gegangen. Als Box-Trainer und -Manager verfügt er über außergewöhnliche Fähigkeiten, doch folgt er stets dem Prinzip, seine Schüler keine Risiken eingehen zu lassen. Ein ums andere Mal hat er Talenten den entscheidenden großen Kampf verwehrt, sodass sie sich auf dem Sprung zur Karriere immer wieder von ihm abwenden. Dunn selbst hat das Leben gezeichnet. Vor allem die gescheiterte Beziehung zu seiner Tochter macht ihm zu schaffen.

Eines Tages steht Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) in seinen Trainingsräumen. Eine Frau, zunächst ohne erkennbare Vergangenheit, die sich in den Kopf gesetzt hat, als Boxerin Erfolg zu haben. Und sie will Dunn als Coach, wohl wissend, dass er Sportler formen kann. Doch der lehnt ab, mag keine Frauen trainieren und schon gar keine, die bereits 31 Jahre alt und damit ohnehin nicht mehr an die Spitze zu führen sind. Doch Maggie lässt sich nicht beirren, zahlt brav ihren Beitrag und demonstriert ihren Willen. Tagsüber, nachts, ihr Ziel fest im Blick.

In die Rolle des emotional involvierten Beobachters treibt den Zuschauer der Erzähler der Geschichte: eine wunderbare Rolle für Morgan Freeman, für die der Schauspieler den längst überfälligen Oscar bekam. Er ist Freddie, mithin der einzige Vertraute und Freund von Frankie Dunn. Seine Geschichte ist nur eine von vielen, die "Million Dollar Baby" in gut zwei Stunden am Rande erzählt. Doch aus all diesen kleinen Episoden entwickelt sich am Ende ein faszinierendes Charakterporträt von Menschen mit Stil. Viele Fragen bleiben dabei offen, doch in der letzten halben Stunde, in der die Handlung eine dramatische Neuentwicklung nimmt, reduziert sich alles ohnehin auf das bis dorthin Erreichte. Es ist die Zeit der Entscheidungen.

Dies ist der wahrscheinlich beste Film, den der Regisseur Clint Eastwood je gedreht hat. Was zum einen an den herausragenden Darstellern liegt. Vor allem aber beweist der mittlerweile 78-Jährige seine herausragenden Fähigkeiten als Geschichtenerzähler. Spannend dürfte in dieser Hinsicht auch "The Changeling" werden, ein Thriller, der in den 20er-Jahren spielt und bei dem Eastwood ebenfalls Regie führte. Angelina Jolie ist darin eine Mutter, deren neunjähriger Sohn plötzlich verschwindet. Der Film kommt im März 2009 in die deutschen Kinos.

Kai-Oliver Derks


Unbeirrbar: Maggie (Hilary Swank) hält an ihrem Ziel fest.
Unbeirrbar: Maggie (Hilary Swank) hält an ihrem Ziel fest. (ProSieben / Epsilon Motion Pictures)

Frank Dunn (Clint Eastwood) weigert sich zunächst, die ambitionierte Boxerin Maggie (Hilary Swank) zu trainieren.
Frank Dunn (Clint Eastwood) weigert sich zunächst, die ambitionierte Boxerin Maggie (Hilary Swank) zu trainieren. (ProSieben / Epsilon Motion Pictures)

Gemeinsam feiern Frank (Clint Eastwood) und Maggie (Hilary Swank) die ersten Erfolge.
Gemeinsam feiern Frank (Clint Eastwood) und Maggie (Hilary Swank) die ersten Erfolge. (ProSieben / Epsilon Motion Pictures)

Datum: 22.08.2008

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Artikel ID 204068

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