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Casino von Martin Scorsese

Casino

(tsch) "Casino" (1995) ist kein purer Robert-De-Niro-Film, aber gerade deshalb ist er repräsentativ. De Niro lieferte vor allem als Teamplayer, in funktionierenden Ensembles, starke Leistungen ab. "The Untouchables", "Der Pate" oder auch "Heat" sind Beispiele dafür. Er mied nicht, wie viele seiner Kollegen, ebenbürtige andere Schauspieler in seinen Filmen. Er suchte sie vielmehr. In "Casino" sind das unter anderem Sharon Stone und Joe Pesci. Das Erste zeigt den Vegas-Thriller nun spät am Abend im Rahmen einer De-Niro-Reihe aus Anlass seines 65. Geburtstags (17.08.).

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"Casino" zeigt Gewalt, "Casino" zelebriert verführerische Schönheit. Und doch: Regisseur Martin Scorsese verliebte sich beim Dreh 1995 zunächst ins Dokumentarische, als er - wie gewohnt in Überlänge - Aufstieg und Fall der Mafia im Las Vegas der 70er-Jahre beschrieb. Erst spät trieb er seine Handlung voran, so als sei ihm eine einzige Bestandsaufnahme diesmal wichtiger als ein spannendes Ganzes.

Gut eine Stunde führt Scorsese seine Hauptpersonen ein: Sam "Ace" Rothstein (De Niro), Chef eines Spielcasinos, und Nicky Santoro (Pesci), seinen Gefolgsmann, der die Drecksarbeit für seinen Chef erledigt. Der Zuschauer sieht etwas, was er nicht kennt, wohl aber als Alltag registriert. Bis mit Ginger McKenna (Sharon Stone) die Frau ins Spiel kommt und die Handlung als attraktiver Katalysator voranzutreiben beginnt. Ace verliebt sich in die ehemalige Prostituierte, es folgen Krach und Krise, eine Affäre ihrerseits mit Nicky. Dazu ein authentischer Blick auf die existierende Gewalt und ständige Bedrohung, den Scorsese am Ende recht unvermittelt in einer Orgie von Blut und Tod enden lässt.

Dabei gibt er der Stadt Las Vegas genügend Raum, schon optisch als dankbarer Hintergrund zu dienen. Verglichen mit "Leaving Las Vegas", Mike Figgis' genialem Portrait eines Paares in eben jener Metropole, verfällt Scorsese jedoch immer wieder der Versuchung, die Stadt positiv wie negativ geradezu zu zelebrieren. Während sie für Figgis ein verschwommenes Gewirr bleibt, wird sie von Scorsese in alle Einzelteile zerlegt. Schwer fällt - vielleicht gerade uns Deutschen - der Zugang zu den einzelnen Personen.

Doch kann sich der Regisseur auf ein exzellentes Schauspieler-Ensemble verlassen. Viele vertraute Gesichter führen durch eine skurrile Welt, die am Ende teilweise in Trümmern liegt. Doch Amerika-Reisende wissen es: Die Stadt absorbiert ihre Opfer und blüht nach außen hin heller denn je.

Tom Ruder


Sam "Ace" Rothstein (Robert De Niro) hat in seinem Casino alles im Griff.
Sam "Ace" Rothstein (Robert De Niro) hat in seinem Casino alles im Griff. (ARD / Degeto)

Die Edelprostituierte Ginger McKenna (Sharon Stone) nimmt einen ahnungslosen Gast im Spielcasino aus.
Die Edelprostituierte Ginger McKenna (Sharon Stone) nimmt einen ahnungslosen Gast im Spielcasino aus. (ARD / Degeto)

Sam "Ace" Rothstein (Robert De Niro) hat sich in Ginger McKenna (Sharon Stone) verliebt.
Sam "Ace" Rothstein (Robert De Niro) hat sich in Ginger McKenna (Sharon Stone) verliebt. (ARD / Degeto)

Datum: 21.08.2008

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Diskussion: "Casino von Martin Scorsese"

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