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München

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(tsch) Auch wenn sich Steven Spielberg mit seiner Verfilmung der Biografie Abraham Lincolns einem patriotischen Thema widmet, kann man ihm Angst vor heikleren historischen Stoffen nicht vorwerfen. In "Schindlers Liste" (1993) erzählte er die Geschichte eines Nationalsozialisten, der zum Retter zahlreicher Juden wurde. Dabei stieß Spielberg nicht überall auf Gegenliebe. Das hinderte ihn nicht, 2005 ein weiteres heißes Eisen anzupacken: Die blutige Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972 und den Rachefeldzug, der darauf folgte. Zum Abschluss der Olympischen Spiele in Peking zeigt ProSieben "München" in Erstausstrahlung.

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"München" ist ein umsichtig inszenierter Film über die Rache als solche und im Speziellen. Spielberg beginnt direkt im Kern, als in der zweiten Woche der Olympischen Spiele 1972 eine Gruppe Palästinenser das israelische Dorf stürmte und zunächst zwei, später dann weitere neun Menschen ermordete. Sein Kameramann - wie immer Janusz Kaminski - steht direkt vor den Betten, ist mitten drin im Geschehen.

Obwohl keine der Figuren näher beleuchtet wird, stellt sich eine unmittelbare, beklemmende Nähe ein. Hier und da ringen Menschen um Fassung, weinen vor den Bildschirmen. Es geht alles viel zu schnell, für den Zuschauer heute wie damals. Immer wieder werden diese realistischen Aufnahmen einer Entführung wie ein brennender Blitz in die Geschichte geschnitten.

Israel wehrt sich. Ein Mossad-Offizier (Geoffrey Rush) rekrutiert den jungen Geheimdienstler Avner (Eric Bana), einen Theoretiker, um vier Männer in gleichsam improvisierte wie präzise geplante Racheaktionen zu führen.

Die illustre Runde, bestehend aus Bana, Daniel Craig, Hanns Zischler, Ciaran Hinds und Mathieu Kassovitz, wirkt irritierend natürlich. Über zwei Stunden folgt man diesen Männern, die Mörder sind. Spielbergs Anliegen, sie als Menschen zu zeigen, führt über Avner, den Eric Bana als grundehrlichen Durchschnittsmann mit verborgenem Potenzial verkörpert.

Das knapp dreistündige Drama entgeht den Längen, indem es im Mittelteil mit Thrillerelementen arbeitet, das Ganze mit einer vorsichtigen Mischung aus cool und sexy im Stil des "Schakals" anhaucht. Nur um dann Platz zu schaffen für das Gewissen, das sich nicht länger unterm Kissen ersticken lässt. Die simple Tatsache, dass Menschen nicht isoliert existieren, wird beim Thema Rache normalerweise ausgespart. Hier ist sie der Anfang von Fragen, die zu weiteren führen.

Jasmin Herzog


Avner (Eric Bana) und seine Frau Daphna (Ayelet Zurer) freuen sich über das Baby.
Avner (Eric Bana) und seine Frau Daphna (Ayelet Zurer) freuen sich über das Baby. (ProSieben / Universal Studios and Dreamworks)

Offizier Ephraim (Geoffrey Rush, rechts) überredet Avner (Eric Bana), ein Killer-Kommando zu leiten.
Offizier Ephraim (Geoffrey Rush, rechts) überredet Avner (Eric Bana), ein Killer-Kommando zu leiten. (ProSieben / Universal Studios and Dreamworks)

Der Sprengstoffexperte Robert (Mathieu Kassovitz, links) und Avner (Eric Bana) suchen die Terroristen.
Der Sprengstoffexperte Robert (Mathieu Kassovitz, links) und Avner (Eric Bana) suchen die Terroristen. (ProSieben / Universal Studios and Dreamworks)

Datum: 17.08.2008

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Artikel ID 204289

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