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Die schwarze Dahlie

Die schwarze Dahlie

(tsch) Was macht das mit einem Zehnjährigen, wenn seine Mutter brutal ermordet wird? James Ellroy wurde Bestsellerautor, spezialisiert auf düstere Romane über den Moloch L.A. und Morde an Frauen ("L.A. Confidential"). In "Die schwarze Dahlie" nahm sich der Schriftsteller eines realen, besonders grausamen Falls an, der sich 1947 in der kalifornischen Metropole zutrug und bis heute nicht geklärt wurde: Das Opfer war Elizabeth Short, ein Hollywood-Starlet, genannt die "die schwarze Dahlie". 2006 verfilmte Brian De Palma den Roman mit großem Staraufgebot und lockte damit in Deutschland über 100.000 Besucher in die Kinos. Nun gruselt der Thriller das Publikum des "Sommerkinos im Ersten".

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Eine Leiche liegt im grünen Gras, grausam entstellt. Ober- und Unterleib sind getrennt, die Wangen bis zu den Ohren zerschnitten. Es war eine schöne Frau, die hier Opfer eines bestialischen Mordes wurde. - Brian de Palma hat es sich nicht leicht gemacht. Der Regisseur von "Fegefeuer der Eitelkeiten" und "Scarface" versucht sich als Martin Scorsese, indem er Gewalt, gesellschaftlichen Verfall und Korruption in Reihen der Polizei und Politik als ästhetische Geschichtsstunde inszeniert. So ist der Thriller weniger eine mysteriöse Hatz nach einem entarteten Killer, sondern mehr ein historisch angehauchtes Cop-Porträt - zumindest die ersten 100 Minuten lang.

Während Aaron Eckhart, derzeit im neuen "Batman"-Film "The Dark Knight" im Kino zu sehen, den aalglatten Ordnungshüter mit politischen Ambitionen gibt, darf Josh Hartnett ("40 Tage und 40 Nächte", "Sin City") den naiven Gegenpart spielen. Mit stets traurigem Blick trägt er nicht nur die Last der Welt auf seinen Schultern, sondern auch die des Drehbuchs. Die atmosphärische Dichte kann nicht über einige Längen hinwegtäuschen, die dem Nachkriegskrimi jegliches Tempo nehmen.

De Palma vertraut einer Geschichte, die nicht viel Fleisch am Knochen bietet: Zwei befreundete Boxer, der deutschstämmige Bucky Bleichert (Hartnett) und Lee Blanchard (Eckhart), sind abseits des Rings ein schlagkräftiges Ermittlerduo, das schon zahllose prominente Gangstergrößen nicht nur hinter Gitter, sondern gerne auch gleich zur Strecke gebracht hat. Doch Lee strebt nach mehr, lässt sich kaufen.

Sein Partner weiß davon freilich nichts. Er käme auch gar nicht auf den Gedanken, schließlich führt sein Freund ein perfektes Leben und hat eine bildschöne Frau. Scarlett Johansson langweilt hier mit Grübchenspiel und Rehaugen. Die Vorstellung kann Fans nur unzureichend über die Wartezeit bis Dezember hinwegtrösten. Dann wird der Star gleich in drei Neustarts auftreten: in Woody Allens Katalanien-Ménage-à-Trois "Vicky Cristina Barcelona", der romantischen Komödie "Er steht einfach nicht auf dich" mit Drew Barrymore und Jennifer Aniston - und schließlich im Actionfilm "The Spirit" von Frank Miller.

Bucky verlebte eine Kindheit in der Gosse, hat sich aber ein bescheidenes Weltbild bewahrt. Selbst seine Gefühle für die Angetraute seines Partners unterdrückt er und flüchtet sich in eine Affäre mit einer geheimnisvoll anziehenden Tochter aus reichem Hause (brillant: Hillary Swank). So geht es mehr um betrogene Freundschaft, verbotene Liebe, den Wunsch nach einem besseren Leben. Der Mord an Elizabeth Short bleibt Kulisse, bis es in den letzten 20 Minuten des knapp zwei Stunden langen Films auf Mörderjagd geht, so als hätten die Macher plötzlich gemerkt, dass sie etwas vergessen haben. So schnell und profan, wie der Fall gelöst wird, hat De Palma seinen Film ruiniert. "Die schwarze Dahlie" ist ein Film Noir mit einem müden Finale.

Mona Petri


Faszinierende Darbietung von Hilary Swank: Weiß Madeleine mehr über den Mord an Elizabeth Short als sie zugibt?
Faszinierende Darbietung von Hilary Swank: Weiß Madeleine mehr über den Mord an Elizabeth Short als sie zugibt? (ARD Degeto / Millenium Films)

Die Cops Bucky (Josh Hartnett, links) und Lee (Aaron Eckhart) sind echte Buddys.
Die Cops Bucky (Josh Hartnett, links) und Lee (Aaron Eckhart) sind echte Buddys. (ARD Degeto / Millenium Films)

In der Rolle der Kay Lake langweilt Scarlett Johansson mit Grübchenspiel und Rehaugen.
In der Rolle der Kay Lake langweilt Scarlett Johansson mit Grübchenspiel und Rehaugen. (ARD Degeto / Millenium Films)

Datum: 28.08.2008

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Artikel ID 204341

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