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Leg dich nicht mit Zohan an

Leg dich nicht mit Zohan an

(tsch) Komödien können zu politischem Zündstoff werden, indem sie Tabus brechen oder ihr satirischer Einschlag missverstanden wird. Komödien sind aus zeitkritischer Perspektive im besten Fall eine Möglichkeit, Konflikte auf sozialer Ebene zu entkrampfen, kurz: das Publikum davon zu überzeugen, dass man doch miteinander viel besser zurechtkommt als gegeneinander. Eine solch harmonische Botschaft findet sich bei entsprechender Lesart in den meisten cineastischen Lustspielen dieser Zeit, und sei es ein zeitlos aktuelles und doch stets wiederholtes Lehrstück über die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die überwunden werden wollen, wenn alle Beteiligten glücklich werden wollen. In der Slapstick-Parade "Leg' dich nicht mit Zohan an" werden gleich zwei Verständigungsebenen abgearbeitet: Der Konflikt zwischen Mann und Frau und der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis.

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Regisseur Dennis Dugan ("Chuck und Larry", "Happy Gilmore") hat sich erneut mit Starkomiker Adam Sandler zusammengetan, um ein von Sandler selbst mitverfasstes und daher auch auf dessen Leib zugeschnittenes Drehbuch umzusetzen. Das jedoch strotzt nicht sonderlich vor Political Correctness: Der israelische Geheimdienstagent Zohan geriert sich als Superman ohne Kostüm, der im Urlaub nackt am Strand grillt und mit allerlei übermenschlichen Kunststücken Frauen wie Männer begeistert. Unerwartet zurück in den Dienst gerufen, soll der Superagent den palästinensischen Superterroristen "Phantom" außer Gefecht setzen.

Doch eigentlich wünscht sich Zohan, so der schmissige Name des smarten Alleskönners, nur eines: Den blutrünstigen Arbeitsalltag hinter sich zu lassen und im fernen New York seiner wahren Berufung zu folgen. Schon lange träumt er vom mondänen Dasein eines Friseurs im Big Apple und studiert Nacht um Nacht veraltete Fotobände des Starcoiffeurs Paul Mitchell und weiß doch, dass solch eine Neigung sich nicht ziemt für einen unbesiegbaren Mossadkämpfer mit einem gehörigen Schlag bei den Frauen.

Trotz seines guten Rufs, und gerade weil er sich seinen Eltern gegenüber geöffnet hat, die ihn für seine Pläne auslachten und seine Männlichkeit in Frage stellten, täuscht er seinen Tod vor und flieht in seine Traumstadt, um sich selbstbewusster als jemals zuvor im hippen Salon seines Idols Mitchell zu bewerben. Hier aber erntet der Möchtegern-Friseur mit Föhnwelle nur Gelächter und muss lernen, dass ihm nicht alles in den Schoss fällt wie daheim.

Schließlich bekommt er in einem kleinen Salon auf der palästinensischen Straßenseite des von Israelis und Palästinensern bewohnten Viertels eine Chance: Er überwindet seine Vorurteile und verhilft mit buchstäblich schneidigem Geschick und seiner Lendenkraft dem von der Schließung gefährdeten Laden zu legendärem Ruf bei der vornehmlich älteren und weiblichen Kundschaft. Zohans umfassendes Serviceangebot inklusive Beischlafgarantie wird erst unterminiert, als ein krimineller Großunternehmer mit einem Schlägertrupp den alten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern heraufzubeschwören versucht, um vom Unfrieden zu profitieren und endlich sein Einkaufszentrum bauen zu können, wovon ihn der Erfolg des Friseurgeschäfts abhält.

Die Handlung verspricht zwar keine Überraschungen, sondern verläuft nach dem bekannten Muster des Friede-Freude-Dauerwelle-Prinzips, einschließlich Liebesglück des Frauenhelden beim Happy-End mit seiner jungen Chefin Dalia (Emmanuelle Chriqui). Die Charaktere sind überzeichnet und bedienen einschlägige Klischees. Die Geschichte strotzt vor Situationskomik und harmlosen wie (irr)witzigen Einfällen. Seine wesentliche Qualität entwickelt "Zohan" aber auf einer ganz anderen Ebene: Die parodistische und in weiten Teilen veralbernde Thematisierung des Nahostkonflikts rückt den humanistischen Widersinn der Feindeshaltung zwischen den beiden Volksgruppen ins Bewusstsein der vornehmlich jugendlichen Kinogänger.

Doch genau darin liegt ebenso die Brisanz des filmischen Stoffs: Wenn es dem Terroristen "Phantom", verkörpert von John Torturro, der zum dritten Mal an der Seite von Adam Sandler spielt, nur darum geht, eine Fastfoodkette zu betreiben, und die militärischen Aktionen des israelischen Geheimdienstes im Libanon als Spaßausflug mit phrasenreichen Wortgefechten und Showkämpfen inszeniert wird, dann könnte dies Betroffene auf palästinensischer und israelischer Seite gleichermaßen vor den Kopf stoßen. Die humoristische Aufarbeitung von Traumata, so gelungen pointiert und unterhaltsam sie auch sein mag, kann in der Regel erst nach Jahren einsetzen, da (seelische, politische, ideologische) Konflikte, so lange sie schwelen, keinen Spaß verstehen wollen und oftmals auch nicht können.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2008, R: Dennis Dugan, D: Adam Sandler, Emmanuelle Chriqui, John Turturro u.a.

Laufzeit: 112 Min.

Kinostart:
14. August 2008


Ein israelischer Top-Agent geht nach New York, um als Haarstylist Karriere zu machen.
Ein israelischer Top-Agent geht nach New York, um als Haarstylist Karriere zu machen. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Der israelische Anti-Terror-Kämpfer Zohan (Adam Sandler) will ein neues Leben beginnen.
Der israelische Anti-Terror-Kämpfer Zohan (Adam Sandler) will ein neues Leben beginnen. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Noch weiß die hübsche Dalia (Emmanuelle Chriqui) nicht, welche Folgen es hat, wenn Zohan als Friseur in ihrem Geschäft arbeitet.
Noch weiß die hübsche Dalia (Emmanuelle Chriqui) nicht, welche Folgen es hat, wenn Zohan als Friseur in ihrem Geschäft arbeitet. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 10.08.2008

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