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The Dark Knight

The Dark Knight

(tsch/cg) Dieser Film wurde zu einer Legende, schon bevor er in die Kinos gekommen war: Von der besten Comicverfilmung aller Zeiten war die Rede. Nun, wo er endlich da ist, weiß man, dass diese Vermutung kein bisschen übertrieben war. Mit seinem zweiten "Batman"-Abenteuer "The Dark Knight" erschuf Regisseur Christopher Nolan einen neuen Maßstab für Comic-Adaptionen. Sein Film hat ein politisch hochaktuelles Thema, realistische Figuren, komplexe Handlung und intellektuellen Überbau: alles Qualitäten, die für das Comic-Genre bislang eher untypisch waren. Durch seine Abneigung gegen Computeranimation hat Nolan seinem düsteren Märchen auch ästhetisch hohe Klasse verliehen. Christian Bale wird dieses Mal mit einem äußerst perfiden Gegner konfrontiert: Joker, Terrorist und Anarchist, einer, dem nichts auf der Welt heilig ist – gespielt vom Anfang des Jahres plötzlich verstorbenen Heath Ledger, der hier durch sein brillantes Schauspiel einen würdigen Abschied feiert.

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Die fiebrige Intensität, mit der Ledger den dauergrinsenden Psychopathen spielt, wie er sich mit den Fingern durchs fettige Haar und mit der Zunge über den vernarbten Mund fährt, Türme aus Geld verbrennt und das Chaos predigt, dürfte ihm - da sind sich viele in Hollywood sicher - posthum einen Oscar einbringen.

Der Joker kommt ins Spiel, als das organisierte Verbrechen von Gotham City kollektiv vom charismatischen Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhardt) vor den Kadi gezerrt wird. Doch nicht nur die gebeutelte Bevölkerung der Gewaltmetropole setzt große Hoffnungen in den "weißen Ritter" Dent. Auch Milliardär Bruce Wayne (Christian Bale) glaubt, nun endlich seinen Batsuit an den Nagel hängen zu können und mit seiner Angebeteten Rachel (Maggie Gyllenhaal ersetzte Katie Holmes) glücklich zu werden.

Doch keiner hat mit der Perfidie des Jokers gerechnet. Diese chaotische Naturgewalt verbreitet durch gezielte Anschläge Angst und Schrecken in Gotham, setzt die öffentliche Ordnung außer Kraft, treibt makabere Moral-Spielchen mit den Menschen. In einer der Schlüsselszenen des Films legt er zwei Fähren lahm und drückt den Passagieren - normalen Bürgern auf dem einen, Häftlingen auf dem anderen Schiff - einen Fernzünder in die Hand. Wer die andere Fähre als Erstes in die Luft jagt, bleibt am Leben. Aber wer reagiert zuerst? Welches Leben ist mehr wert? Und vor allem: Wie würde man selbst in dieser Situation entscheiden?

Auch Batman versucht er zu korrumpieren, indem er ihn mit seinen Prinzipien brechen und zu fragwürdigen Methoden beim Kampf gegen das Verbrechen greifen lässt: Folter, Überwachung, Manipulation der Medien. Ein Held, der "aufpassen muss, dass er im Kampf gegen das Monster nicht selbst zum Monster mutiert", beschreibt Bale die innere Zerrissenheit seiner Figur. Dem Joker gelingt es letztlich, den Staatsanwalt Dent in den Abgrund zu ziehen. Ihm raubt er die Liebe, die Sinne, die Integrität. Der Strahlemann wandelt sich - Comic-Fans wissen das bereits - nach einem traumatischen Ereignis vom Erlöser zum entstellten Kriminellen Two Face. Es klingt wie eine Prophezeiung, wenn Dent sagt: "Entweder stirbt man als Held oder lebt lange genug, bis man selbst zum Schurken wird."

Obwohl die Reflexion über die moralischen Dilemmata der modernen Welt wie ein schwerer Überbau auf "The Dark Knight" lastet und Christopher Nolan nur zu gerne in seiner Metaphorik schwelgt, gelingt es ihm, noch ausreichend Action und Humor in seinem gut zweieinhalbstündigen Film unterzubringen. Für Letzteren zeichnet hauptsächlich Sir Michael Caine in der Rolle des Butlers Alfred verantwortlich. Den Rest erledigt das Budget von geschätzten 180 Millionen Dollar und eine Abneigung gegen Computeranimationen. Das Batmobil gleicht einem Panzer, Trucks segeln durch die Luft und wenn der Joker ein Krankenhaus sprengt, dann legten Nolan und seine Crew tatsächlich ein echtes Gebäude in Schutt und Asche.

Nicht nur deshalb entwickelt "The Dark Knight" eine Kraft, wie man sie schon lange nicht mehr im Kino zu spüren bekam. Es sind das Zusammenwirken eines großartigen Ensembles, das bis in die Nebenrollen (unter anderem mit Gary Oldman und Morgan Freeman) hochkarätig besetzt ist, die für eine Comic-Verfilmung ungewöhnlich komplexe Handlung, die hochaktuellen politischen Anspielungen und das mehr mentale als physische Duell zwischen Batman und dem Joker, die den Film keine Sekunde langweilig werden lassen.

So düster seine Stimmung auch sein mag, so sensationell ist sein Erfolg: In Rekordzeit knackte "The Dark Knight", der ohne den Namen "Batman" im Titel auskommt, die magische 200-Millionen-Dollar-Marke am US-Startwochenende und verwies damit "Spider-Man 3" auf die Plätze. Mittlerweile spielte der Blockbuster über 440 Millionen Dollar alleine in den USA ein und dürfte damit einer weiteren Fortsetzung den Weg geebnet haben.

Gerd Hilber

Credits:
V:Warner, USA 2008, R: Christopher Nolan, D: Christian Bale, Heath Ledger, Sir Michael Caine u.a.

Laufzeit: 152 Min.

Kinostart:
21. August 2008


Mit "The Dark Knight" gelang Christopher Nolan eine der besten Comic-Verfilmungen überhaupt.
Mit "The Dark Knight" gelang Christopher Nolan eine der besten Comic-Verfilmungen überhaupt. (Warner Bros. Pictures)

Nach "Batman Begins" schlüpfte Christian Bale in "The Dark Knight" zum zweiten Mal in die Rolle des dunklen Ritters Batman.
Nach "Batman Begins" schlüpfte Christian Bale in "The Dark Knight" zum zweiten Mal in die Rolle des dunklen Ritters Batman. (Warner Bros. Pictures)

Der Joker (Heath Ledger) versucht, Batman (Christian Bale, hinten) moralisch zu korrumpieren.
Der Joker (Heath Ledger) versucht, Batman (Christian Bale, hinten) moralisch zu korrumpieren. (Warner Bros. Pictures)

Datum: 17.08.2008

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